/ Wort zum Tag

3. Mose 25,17

Bibelvers

Es übervorteile keiner seinen Nächsten, sondern fürchte dich vor deinem Gott.

3. Mose 25,17

Sie bilden die Grundlage des menschlichen Zusammenlebens, die zehn Gebote. Trotzdem gewinnt man manchmal den Eindruck, dass sie ihre Bedeutung verloren haben. Auch die Gebote, die eigentlich jeder akzeptiert. Ich denke zum Beispiel an das siebte Gebot: Du sollst nicht stehlen. Das ist eigentlich jedem klar. Eigentum muss geschützt sein, darf nicht einfach weggenommen werden. Aber bereits in biblischen Zeiten musste das Antidiebstahlgebot ausgelegt werden. So zum Beispiel im dritten Buch Mose (25,17), in unserem heutigen Wort zum Tag. Da heißt es: „Es übervorteile keiner seinen Nächsten, sondern fürchte dich vor deinem Gott.“

Bei vielen aber kommt die Furcht erst hinterher. Und es ist nicht der Respekt vor Gott, sondern die Angst vor den Folgen der Tat, die Menschen das Fürchten lehrt.

Ich denke da an eine Szene in der Straßenbahn. Zwei Männer in langen dunklen Mänteln steigen an der Haltestelle zu, wie jeden anderen Morgen auch. Normalerweise strotzen sie vor Selbstbewusstsein und Zufriedenheit, strahlen mit ihren glänzenden Seidenkrawatten um die Wette. Heute nicht. Sofort fällt auf: Sie sind aufgekratzt, nervös, wirken verunsichert. Diesmal kein lautes Lachen und keine Sprüche. Sie setzen sich still hin, dann tuscheln sie etwas verschämt, werden lauter und wieder leiser. Es sind nur Satzteile, Wortfetzen, die man verstehen kann: „Heute Morgen …“ „Ja, in der Wohnung“ „… Akten im Büro beschlagnahmt …“ Sie stellen einander Fragen, erst der eine, dann der andere. Der Erste scheint ratlos, sehr unsicher, versucht sich zu rechtfertigen: „Haben wir doch immer so gemacht …“ Der andere will ihn beruhigen: „Das zielt nicht auf dich ...“ Der Erste lässt sich nicht beruhigen, fährt dazwischen: „Und wenn doch?“ Als sie aussteigen, ist ihnen sichtlich unwohl. Sie fürchten sich. Was sie wohl plagt?

Erst später klärt sich die Sache. In den Nachrichten wird von einem Großeinsatz der Polizei und der Staatsanwaltschaft berichtet. Aber dieser richtete sich nicht gegen eine Drogenbande oder einen Schmugglerring. Auch nicht gegen Einbrecher, nein ganz im Gegenteil, es ging diesmal um angesehene Manager und Vorstände der Landesbank, denen andere ihr Geld gutgläubig anvertraut hatten. Nicht nur deren Büros, auch deren Wohnungen wurden durchsucht und hunderte von Akten beschlagnahmt. Es besteht der Verdacht, dass dreistellige Millionensummen trotz Kenntnis der Lage leichtfertig in zweifelhafte Papiere angelegt wurden. Jetzt war das Geld verloren. Was für viele jahrelang gang und gäbe war, lukrative Geschäfte mit einem hohem Risiko, das nicht allen Anlegern bewusst war, das wurde durch mutige Staatsanwälte plötzlich beim Namen genannt: Untreue. Es war ja nicht ihr Risiko und auch nicht ihr Geld, sondern das ihrer Kunden und der Bank, das sie gegen besseres Wissen eingesetzt hatten, um ihren Vorteil daraus zu ziehen, ohne Rücksicht auf das Wohl ihrer Kunden. Untreue ist auch eine Form von Diebstahl.

Aber wer tiefer darüber nachdenkt, wird bald wieder vorsichtig mit der Schuldzuweisung und dem ausgestreckten Zeigefinger. Die einen verschließen bewusst ihre Augen, handeln wider besseres Wissen. Aber tun das nicht auch die, die immer nach den höchsten Zinsen schauen oder die, die ihre Rechnungen nicht pünktlich zahlen oder ungerechtfertigt kürzen?

Martin Luther hat deshalb ein anderes, ein an Gottes Willen ausgerichtetes Denken angemahnt. Im kleinen Katechismus dreht er die Sichtweise zum Diebstahl-Gebot deshalb sehr bewusst um. Luther sagte: Du sollst nicht stehlen. Was ist das? Was bedeutet das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsers Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten. Aus Liebe und Vertrauen zu Gott, aus Respekt vor ihm und seinen guten Ordnungen sollen wir uns für das Wohl des Nächsten einsetzen und keinen ungerechten Vorteil dabei suchen. Wer so handelt, hat Gott, hat Christus auf seiner Seite.
 

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