/ Wort zum Tag

Psalm 6,2

Bibelvers

Ach HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm!

Psalm 6,2

Prügelszenen im Fernsehen oder auf offener Straße sind widerlich. Hoffentlich waren Sie noch nie Opfer solch einer schrecklichen Sache. Und waren nicht gar selbst Täter einer derartigen Brutalität.
 
Wenn die Bibel aber von Züchtigung redet, meint sie aber nicht Schlägerei und Gewalttat. Sondern meint etwas Gutes. Zwar schmerzhaft, aber in der Regel gut. Zumindest immer, wenn Gott selbst züchtigt. Oder auch schon mal, wenn „ein Vater beizeiten seinen Sohn züchtigt, den er lieb hat“, wie es König Salomo in seiner Spruchsammlung formuliert. Im Unterschied zu züchtigen und gezüchtigt werden, ist strafen und gestraft werden eigentlich nur schmerzhaft. Und nie erfreulich. Als ich letztes Jahr in Stuttgart eine rote Ampel überfuhr, bekam ich einen Strafzettel - und einen Monat lang Führerschein-Entzug. Das war eigentlich nur schmerzhaft. Und es nützte mir auch nichts, als ich der Behörde versicherte, dass ich es damals an der Ampel eilig hatte, weil ich dienstlich eine Beerdigung halten musste. Die Strafe wurde unerbittlich vollzogen.

Gott selbst kann strafen für jede Sünde, die wir begehen. Und er hat fast pausenlos das Recht, über uns zornig zu sein und seinem Zorn freien Lauf zu lassen. Wie oft vergessen Sie nämlich und vergesse ich Gott - und handeln wir eigensinnig gegen seinen Willen. König David, der Gott anfleht: Ach HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn, weiß sehr wohl, dass er Gottes Strafe verdient hat. Und er wusste, dass diese Strafaktion Gottes verschieden ausfallen konnte: Mal schickte Gott ein feindliches Heer. Ein andermal eine Krankheit. Oder es starb dem David ein Kind, das er lieb hatte. Immer hatte er die Strafe verdient. Mal durch Hochmut, durch Ehebruch oder durch eine andere Art von Ungehorsam Gottes Geboten gegenüber. Dass selbst im Zorn Gottes noch Barmherzigkeit und Liebe versteckt sein können, ahnt David. Sonst würde er nicht wagen, zu bitten, dass Gott von seinem Zorn ablassen soll.

David weiß, dass Gott immer, auch in Zeiten seines größten Zorns, sein Gott. Das drückt das andere Wort besser aus: Züchtigung. Ach HERR, züchtige mich nicht in deinem Grimm! Da ist von Zucht die Rede. Aufzucht. Ein Kind auf-ziehen. Es er-ziehen. Wie es den Beruf der Erzieherin gibt, so müssen die Eltern Erzieher sein. Noch schöner als das Wort aufziehen ist heran-ziehen, an das eigene Vater- und Mutter-Herz ziehen. Erziehung kann manchmal auch schmerzhaft sein. Ist aber immer dann heilsam, wenn dahinter die Liebe Gottes steht. Oder auch die Liebe eines Menschen.

Solange wir auf der Erde sind, dürfen wir gewiss sein, dass Gottes Strafen nur Züchtigungen aus Liebe sind. Gott möchte uns umformen. Damit wir besser zu ihm passen. Dass wir den Sinn unseres Lebens nicht verfehlen.

Nun aber das Allerwichtigste: Die schrecklichste Strafe, die Gott uns auferlegen müsste, wäre nicht ein Monat Entzug einer Fahrerlaubnis. Sondern der Entzug seiner Liebe, und zwar eine Ewigkeit lang. Deutlicher: Wir haben die ewige Verdammnis verdient. Und Gott müsste sie in seiner Gerechtigkeit über uns verhängen. Aber: In seiner unergründlichen Liebe trägt Gott die Strafe selbst! Dies Geschehen von Karfreitag war schon in Jesaja 53 so prophezeit worden: „Die Strafe liegt auf ihm, auf Jesus, auf dass wir Frieden hätten.“ Luther ist darüber so begeistert, dass er sagt: „Ich hätte nie gemeint, dass Gott so nahe bei mir wäre. Darum ist es sehr lieblich, auf diese Weise die Frucht der Züchtigung zu erfahren.“

Wenn Sie, die Sie mir jetzt zuhören, gerade unter großen Schmerzen leiden, die Sie gar nur noch mit Morphium aushalten können: Dann dürfen Sie zwar mit David schreien: HERR, züchtige mich nicht in deinem Grimm! Aber Sie dürfen auch den Rat befolgen, den Luthers Seelsorger ihm gab und damit im Grunde die Reformation auslöste: Staupitz riet Luther: Schau auf die Wunden Jesu!
 

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