/ Wort zum Tag

Psalm 66,12

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Du hast Menschen über unser Haupt dahinfahren lassen. Wir sind durch Feuer und Wasser gegangen, aber du hast uns herausgeführt ins Weite.

Psalm 66,12

Mandy ist vier, als die Mauer fällt. Da setzt sich ihr Vater in den Westen ab. Mandy und ihre Mutter haben dann jahrelang nichts mehr von ihm gehört. Mit neun Jahren kommt Mandy ins Kinderheim. Aber dort hält sie es nicht aus. Sie rennt weg und schlägt sich auf der Straße durch. Es dauert nicht lange, dann trinkt sie Alkohol, nimmt Drogen und schließlich geht sie auch auf den Babystrich. Ja, Mandy weiß, wie sich das anfühlt, wenn ihr Menschen Gewalt antun, wenn andere auf ihrem Körper und ihrer Seele herumtrampeln.
Mandy ist innerlich ausgebrannt. Mandy hat erlebt, wie man durch Alkohol und Drogen den Boden unter den Füßen verliert, wie man „schwimmt“. Sie weiß, wie dann alles über einem zusammen schlägt und man Angst hat zu ertrinken.

Mandy ist 20 Jahre alt und ihr Leben ist kaputt. Da lernt sie einen Jungen kennen. Das wird ihre ganz große Liebe. Philipp ist Christ. Durch ihn lernt sie eine „ganz normale“ Familie kennen und kann es nicht fassen, wie anders man dort miteinander umgeht, als sie es erlebt hat. Durch Philipp kommt sie in eine christliche Gemeinde und wird dort aufgenommen und akzeptiert. Vor allem lernt sie durch Philipp Gott kennen. Und sie sagt Ja zum Glauben. Ihr Leben ändert sich von Grund auf.

Für mich ist es einfach nur ein Wunder, dass Mandy aus dieser Spirale von Drogen und Gewalt herausgekommen ist. Das gibt es tatsächlich, dass jemand wie sie Menschen trifft, die es gut mit ihr meinen. Da sind Menschen, die haben ihr ihre Würde wiedergegeben, die haben sie einfach lieb. Die haben sie lieb, weil sie wissen, dass sie selbst von Gott geliebt sind. Für mich ist es ein Wunder, dass Menschen wie Mandy Gott finden.

Mandy hat es erlebt: Gott hat sie aus ihrem alten Leben herausgeführt und ihr ein neues und glückliches Leben geschenkt. Aber das Glück war nur von kurzer Zeit. Ich habe Mandy zwei Jahre später in einem Internet-Chat kennen gelernt. Da war die Freundschaft zu Philipp zerbrochen. Die große Liebe nur noch ein Scherbenhaufen. Und – die Ärzte haben bei ihr Krebs festgestellt. Ihr ganzer Körper ist schon befallen. OP, Bestrahlung, Chemo, sie macht das gesamte Programm durch. Aber die Ärzte haben wenig Hoffnung.

Ich muss zugeben, ich bin fassungslos. Warum? Warum muss dieses Mädchen das jetzt auch noch durchmachen? Als Christ frage ich Gott: Warum muss das sein? Warum-Fragen sind schwierige Fragen. Wir suchen heute genauso die Antworten darauf wie die Menschen vor 3000 Jahren. Auch im Psalm 66 kommt diese Frage vor. Und - sie wird dort so beantwortet: „Du, Gott, hast uns geprüft, du hast uns geläutert wie Silber im Schmelzofen.“ Damit ist gemeint: das Silbererz muss erst geschmolzen werden, bis nur noch das reine und glänzende Silber übrig bleibt. Und wie erkennt man das? Man erzählt sich: der Schmelzprozess ist dann beendet, wenn der Schmelzer sein Spiegelbild im Silber erkennt.

Ja, Gott hat gesehen, dass in Mandys Herz das Silber glänzt. Aber dieses Silber war tief verborgen, war eingebunden in viele schlechte Erfahrungen um sie herum. Gott hat das Silber in ihr geschmolzen und zum Glänzen gebracht. Auch wenn ich keine Antwort finde auf das „Warum“, so sehe ich für mich eine Antwort im „Dennoch“. Auch wenn ihr Freund sich von Mandy getrennt hat, den sie so lieb hatte, auch wenn sie die Diagnose Krebs bekommen hat, dennoch hat sie ihren Glauben an Jesus behalten, ihre Fröhlichkeit und ihr Leuchten. Ihre Liebe zu Gott strahlt aus ihr heraus, mit jedem Tag ihrer Erkrankung deutlicher. Ihre letzte Operation liegt jetzt ein paar Wochen zurück. Seither habe ich nichts mehr von ihr gehört. Ich weiß nicht mal, ob sie noch lebt. Aber wenn ich Mandy vor meinem inneren Auge sehe, dann sehe ich, wie sich in ihr das Bild des Schmelzers, wie sich in ihr Gottes Ebenbild widerspiegelt wie in einer silbernen Schale.
 


Kommentare

Von Dagmar Rudolph am .

Vielen Dank für den Bericht von Mandy. Ich bete für diese junge Frau um Gottes Gnade, Heil und Erbarmen, dass Mandy Seine Hilfe, Seinen Trost erfährt und sich in Gottes Armen geborgen weiß, Seine wunderbare Nähe ganz deutlich spürt. Ich bitte um Kraft für ihren Glauben und für ihr Vertrauen zu Jesus Christus, und ich bitte darum, dass der Herr ihr die Liebe, die Freude und das Leuchten erhält, ihr Leben lang bis in Ewigkeit. Der Segen und Schutz Jesu Christi sei mit Mandy und mit Ihnen.

Von Raymond Schneider-Wihler am .

Ihr Beitrag und die spürbare Sensibilität und Liebe zu dieser Geschichte, brachten mich zum Weinen. Welch eine silberne Schale begegnet mir da!

Von Stefan Beckert am .

Ja, es ist sehr bewegend, wie Gott mit uns Menschen umgeht. Nur finde ich es Schade, das es gerade in so einem Kommentar immer die Frage "Warum" statt "Wozu" gestellt wird. Für mich ist das "Warum" ein Blick zurück und hat für mich den negativen Beigeschmack "vorbei ist vorbei" Das "Wozu" zeigt mir jedoch den Blick nach vorne. Ich stelle mir häufig die Frage, wieso wird in dieser Hinsicht nicht mehr zum positiven hin gearbeitet. Es wäre doch so viel leichter zu verstehen und zu akzeptieren.


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