/ Wort zum Tag

2. Korinther 6,2

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!

2. Korinther 6,2

In einer neuen Übersetzung steht der Zusammenhang dieses Bibelwortes unter der Überschrift: "So stell' ich mir die Christen vor!" Die Angeredeten werden nämlich ermahnt, nicht vergeblich die Gnade Gottes zu empfangen. Und sie sollen niemandem ein Ärgernis geben, damit ihr Amt nicht verlästert wird. Die Messlatte liegt demnach ziemlich hoch für alle, die mit Ernst Christ sein möchten. Untadelig sollen sie sein, unabhängig und geradezu unbekümmert, von einer großen Freiheit. Am liebsten möchte ich mich aus dieser Anforderung herauswinden und darauf hinweisen: Na, gemeint ist damit doch der Apostel Paulus. Mit diesem begnadeten Apostel und Missionar können und wollen wir uns auch nicht vergleichen.

Ja, das stimmt. Mit ihm treffen wir auf einen Mann, der einmalig und unaustauschbar ist. Es wäre gar nicht ratsam, ihn zum Modell für jedes Christenleben zu erheben. Wir können ihn nicht einfach nachahmen. Und doch gehört er auch mit uns zusammen. Auch dieser Apostel ist nicht mehr als ein Christusnachfolger, und Christusnachfolge ist auch unser Auftrag. Was so gewaltig an diesem Bibelwort ist, ist die Erkenntnis, wie sich das Evangelium kraftvoll, aber auch leidvoll eingezeichnet hat in sein Leben. Es leuchtet auf, kämpft - und siegt in den Leiden, Nöten und Anfechtungen.

Mit anderen Worten: Die Christusnachfolge ist auch ein Weg in das Leiden. Und deshalb gibt es kein Paulus-Evangelium, sondern nur ein Christus-Evangelium. Denn Jesus ist der Gehorsame, der Kämpfer, der Sieger. Er in seiner Leidenszeit spiegelt sich im Leben seiner Nachfolge wider. Nur der Nachfolger ist der wahre Christ, nicht der Zuschauer: '"So stell' ich mir die Christen vor!"

1. So untadelig! "Und wir geben niemand ein .Ärgernis, auf dass unser Amt nicht verlästert werde." Wir wollen nicht der Anlass sein, dass unser Dienst in Misskredit gerät. Es ist schlimm genug, wenn es Skandale in der Kirche gibt. Wer sich als Christ bekennt, soll bis in den tiefsten Kern seines Wesens die Züge der Ehrlichkeit tragen. Durch sein Gewissen gebunden, ist der Christ zur Unbestechlichkeit gerufen, die ihn frei macht, seine Entscheidungen in Verantwortung vor Gott zu fällen. Von ihm sollte eine Kraft der Freundlichkeit. Geduld und Güte ausgehen. Ein Christ vertritt seinen Herrn. Die Größe, die Wahrheit, die Sache Jesu bestimmen Dienst und Leben. "So stell' ich mir die Christen vor!"
2. So unabhängig! Im folgenden Vers heißt es dann: "... in Ehre und Schande; in bösen und guten Gerüchten; als Verführer und doch wahrhaftig." Selbst in den Krisenzeiten sollten wir aus der Überlegenheit des Evangeliums heraus frei bleiben und nicht zurückschlagen. Leicht ist das nicht, aber an der Passion Jesu lesen wir ab, wie er seine Orientierung im Leiden und Handeln beim Vater sucht. Er ließ sich nicht beengen und beeindrucken von seiner Umwelt; er blickte auf den Vater. Wir gehen unseren Weg unabhängig, weil er vorangegangen ist. Unabhängig aber wird man nur im Gebet. Das Gebet ist der Kampf um diese Freiheit. "So stell' ich mir die Christen vor!"
3. So unbekümmert! In der Nachfolge entdecken wir eine Tugend aufs neue: die Gelassenheit. Die Leidensgeschichte Jesu ist die Geschichte einer wunderbaren, bezwingenden Gelassenheit. Gelassenheit ist das Gegenteil von Angst, Sorge. Nervosität. In der Gelassenheit zeigt sich die Haltung des Menschen, der aus der Stille lebt, der im wahrsten Sinne des Wortes über den Dingen steht. Er verfügt nicht über sich selbst, über seine Kräfte, sondern wartet auf Anweisung und auf Stärkung. Gelassenheit ist ein unbedingtes Vertrauen auf Gottes Beistand, auf seine Liebe und Nähe. So stell' ich mir die Christen vor! Es ist im Grunde wie bei dem ''Hohenlied der Liebe" aus dem 1. Korintherbrief. Für das Wort "Liebe" müssten wir eigentlich immer den Namen "Christus" einsetzen, weil alle diese Beschreibungen auf keinen Menschen passen. Die Liebe wird uns von ihm geschenkt, der diese Liebe selbst ist. Er ist die Gnade; er ist das Heil. Die ihm nachfolgen, dürfen wissen: "Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils." Aus diesem Wissen wächst uns die Kraft zu, Nachfolger zu werden und nicht Zuschauer zu bleiben.
 


Kommentare

Von HeHe am .

Vielen Dank für diese Andacht.
Ich werde sie ausdrucken und mit mir tragen, die Gedanken sind sehr lohnenswert immer mal wieder bedacht zu werden.

Von marijke am .

ein wunderbares und kraftvolles wort für den tag.. danke schön!


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