/ Wort zum Tag

5. Mose 15,7

Bibelvers

Du sollst dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht zuhalten gegenüber deinem armen Bruder.

5. Mose 15,7

Die weltweite Micha-Initiative, die sich im Auftrag der Evangelischen Allianz um die Bekämpfung der Armut weltweit müht, hat eine Bibelausgabe herausgebracht, in der alle Stellen, die sich mit dem Thema „Armut und Gerechtigkeit“ beschäftigen, rot gedruckt sind. Wenn man diese Bibelausgabe durchblättert, wundert man sich, wie oft Gottes Wort dieses Thema aufgreift. Es geht Gott nie nur um das Verhältnis, das ich zu ihm habe, sondern es geht ihm immer auch um das Verhältnis, das ich zu meinen Mitmenschen habe, hierzulande und in aller Welt. In der Losung für heute heißt es im 5. Buch Mose, 15, 7: „Du sollst dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht zuhalten gegenüber deinem armen Bruder.“

Schon immer ist die Liebe zu Gott untrennbar mit der Liebe zum Nächsten verbunden. Das Doppelgebot der Liebe macht es deutlich: „Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Auch das Neue Testament weist immer wieder darauf hin, dass man Gott nicht lieben kann, wenn man gleichzeitig seinen Bruder oder seine Schwester vernachlässigt.

Und wo ist der arme Bruder? Und wo ist die arme Schwester?, von der die Losung spricht. Vielleicht in der Nachbarwohnung. Weiß ich eigentlich, wer da wohnt und wie es diesem Menschen geht? Vielleicht ist der arme Bruder, vielleicht ist die arme Schwester auf einem U-Bahngleis und wird von betrunkenen Schlägern bedroht. Wage ich etwas zu sagen, einzugreifen, mich möglicherweise dazwischen zu stellen? Vielleicht pflegt die arme Schwester seit Jahren beinahe unbemerkt ihren kranken Mann und ist längst am Ende ihrer Kräfte. Finde ich mit ihr einen Weg, dass sie einfach mal ein paar Tage raus kann? Vielleicht aber ist der arme Bruder auch so weit weg, dass ich ihn nur aus dem Fernsehen kenne. Da sehe ich ihn mit einer Plastiktüte von einem Land in ein anderes fliehen. In der Plastiktüte ist alles, was er hat. Da sehe ich ihn vor den Trümmern eines von einem Erdbeben zerstörten Hauses. Da sehe ich ihn zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern in einem Steinbruch arbeiten Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat. Und trotzdem reicht es für jeden nur zu einem Schälchen Reis pro Tag. Unsere Welt ist längst ein Dorf. Unsere Verantwortung hört nicht an den Grenzen unserer Gemeinde auf oder an den Grenzen unseres Landes. „Du sollst dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht zuhalten gegenüber deinem armen Bruder.“

Es sind noch ein paar Wochen bis Weihnachten. Viele von uns wissen längst nicht mehr, was sie ihren Lieben schenken sollen, weil die ja ohnehin schon alles haben. Vielleicht könnten wir ja einmal einen Familienrat einberufen und beschließen: Wir schenken einander in diesem Jahr nichts Großes. Das Geld, das wir sparen, geben wir stattdessen armen Brüdern und Schwestern in unserer Nachbarschaft oder irgendwo in der weiten Welt. Ich bin sicher, wir würden ganz neu die Erfahrung machen: Wer schenkt wird nicht ärmer, sondern reicher.
 

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