/ Wort zum Tag

Lukas 6,38

Ein schwieriges Thema, oder? Schwierig sicher am meisten deshalb, weil dies so allgemein gehalten ist. Was sollen wir denn geben, und was wird uns gegeben? Und wer gibt uns etwas? Und wem sollen wir etwas geben. „Gebt, so wird euch gegeben", sag Jesus. Deutlicher wird das Ganze, wenn wir den Textzusammenhang dieses einen Verses aus dem Lukasevangelium lesen: "Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt so wird euch gegeben."

Aus diesen Versen sind die deutschen Redewendungen abgeleitet worden wie: „Wie du mir, so ich dir“ oder: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“ oder (wenn wir es aus dem Negativen heraus formulieren): „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ In der Bibel heißt es eigentlich: „Alles nun, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch“ (Matth 7,12). Das meint ja zunächst: So, wie ich mit den Menschen um mich herum umgehe, so werden letztendlich auch sie mit mir umgehen. Das ist die eine, die zwischenmenschliche Seite. Doch hier in der Bergpredigt kommt für Jesus von vorn herein ein Aspekt hinzu, den die Menschen später weggelassen haben: die Beziehung zu Gott. Dann heißt das nämlich: „So, wie ich mit den Menschen um mich herum umgehe, so wird Gott auch mit mir umgehen." Wir sollten dann also nicht sagen: „Wie du mir, so ich dir“, sondern „Wie Gott mir, so ich dir.“ — „Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist.“ — Wie Gott mir begegnet, so soll ich meinem Nächsten begegnen, nämlich mit derselben Barmherzigkeit, mit derselben Liebe, die Gott mir Tag für Tag schenkt.

Das heißt allerdings nichts anderes, als dass alles, was wir hier in dieser Welt tun, immer einen Bezug zu Gott hat. Die Barmherzigkeit wie die Unbarmherzigkeit; das Richten wie das Verdammen; das Vergeben wie jede Hartherzigkeit; und zum Schluss auch das Geben sowie der Geiz. Geiz ist eben nichts Gutes, wie es uns ein großer Einzelhandelskonzern vor einiger Zeit beibringen wollte. Geiz ist genau das Gegenteil vom Großzügigsein. Das Geben ist die Haltung, die für uns die Hände und das Herz Gottes öffnet. „Gebt, so wird euch gegeben!“ Wenn ihr einander gegenüber großzügig gebt, dann wird Gott euch gegenüber großzügig sein. Es geht hier nicht um einen Automatismus: Wenn ich dem anderen etwas schenke, wird mir dasselbe von Gott wieder gegeben. Aber es wird uns gegeben, und zwar „ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen“, so steht es im Anschluss an unseren Vers.

Das Schöne ist, dass Gott seine Kinder in die volle Verantwortung für ihr eigenes Wohlergehen stellt. Wir haben es in der Hand. Wir dürfen nach seinen Zusagen leben! Und wir dürfen ihn testen. Wir dürfen unseren himmlischen Vater auf die Probe stellen. Ja, er fordert uns geradezu dazu heraus. In Maleachi 3,10 sagt Gott es ausdrücklich im Blick auf das Geben des Zehnten: „Prüft mich in all dem, ob ich euch nicht des Himmels Fenster auftun und Segen herab schütten werde in meiner Fülle.“ Gottes Fülle in Form von Segen! Denen, die im Geiz an den Habseligkeiten dieser Welt kleben und festhalten, fehlt komplett das Vorstellungsvermögen für diese Fülle Gottes. Wenn Sie es bekommen wollen, dann fangen Sie an, danach zu handeln. Sie werden staunen, was dabei herauskommt. Doch tun Sie das so, wie Jesus es beschreibt, wenn er sagt: „Wenn du ein Festmahl veranstaltest (und man könnte auch sagen: wenn du anderen etwas schenkst), dann mach das nicht mit deinen Freunden, sondern mit denen, von denen du nichts, aber auch gar nichts als Gegenleistung zu erwarten hast." Oder, wie Jesus es bei anderer Gelegenheit sagt: „Wenn du gibst dann lass deine linke Hand nicht wissen, was deine Rechte tut.“ Es ist unglaublich bereichernd, wenn Gottes Kinder die Güte und Großzügigkeit ihres himmlischen Vaters an die Menschen in dieser Welt weitergeben und damit ein Zeugnis Seiner Größe und Liebe sind.

Ich habe einmal den kleinen Dreizeiler gehört, den ich Ihnen zum Schluss weitergeben möchte:
Reich ist, wer viel hat,
reicher ist, wer wenig braucht;
am reichsten ist, wer viel gibt.

Gott lässt sich nicht lumpen. Doch wenn wir geizig sind, dann gehen auch seine offenen Hände zu. Darum will er hier unseren Blick öffnen für die Großartigkeit seines überfließenden Herzens: "Gebt, so wird euch gegeben!"
 

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