/ Wort zum Tag

Matthäus 9,36

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Als Jesus das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben.

Matthäus 9,36

Von Napoleon, der der Große genannt wird, wird berichtet, dass er, als er am Abend der Völkerschlacht von Leipzig das Röcheln der Sterbenden auf dem Schlachtfeld aufnahm, verächtlich gerufen haben soll: „Wertlose Masse!“ Noch am Vorabend hatte er denselben Soldaten den Himmel auf Erden versprochen, wenn sie, ja wenn sie seine eigenen Träume erfüllen würden. Sie hatten es nicht vermocht, also!

Als Jesus Christus, so schreibt es der Evangelist Matthäus, lehrend, predigend und heilend durch das galiläische Land zog und so, wie es seiner Art entsprach, für jeden ein Wort der persönlichen Zuwendung und konkreten Hilfe weitergab, da sah er eines Tages sehr viele Menschen sich sammeln, die von ihm hören wollten, und er sah auch die, die für ihn und seine Worte in ihrer Geschäftigkeit und Hektik eigentlich überhaupt keine Zeit eingeplant hatten. Da entrüstete er sich nicht mit verächtlichen Worten über die Oberflächlichkeit und Abgestumpftheit der Vielen, auch nicht über die offensichtliche Gottesferne, mit der er es bei den meisten zu tun hatte. Nein, „als Jesus das Volk sah, da jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben“, wie es im biblischen Motto des heutigen Tages beim Evangelisten Matthäus heißt. Es jammert ihn, es geht ihm durch und durch, an die Substanz; denn er blickt nicht nur auf die Peripherie, den Glanz und Glimmer, den Kameras so gern einfangen. In seinem Sehfeld wird keiner übersehen und keiner verkannt. Ihm geht jeder einzelne ans Herz; denn er sieht die Menschen, „verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben“. Eine Herde ohne Leitung, deshalb orientierungslos umherirrend, den Wölfen und Unwettern in unwegsamem Gelände schutzlos preisgegeben, ohne Zusammenhalt, das Ziel aus den Augen verloren.

Jesus sieht ganz tief, und deshalb weiß er, dass die Menschen mehr brauchen als ein Pflästerchen für so manche Abschürfung oder Wunde, deshalb weiß er, dass mit ein paar salbungsvollen Worten keinem geholfen ist. Und er weiß, dass der Wurzelschaden der Vielen tiefer liegt. Die eigentliche Not, die Gottesferne, davon ist Jesus zutiefst überzeugt, sie gilt es zu beseitigen. Sonst fehlt die notwendige Geborgenheit, das befreite Durchatmen-Können. All dies geht Jesus an die Nieren und greift sein Innerstes an. Doch angesichts der erkannten Not kommt nun nicht die Parole an seine Leute: „Freunde, nun aber in die Hände gespuckt, Ärmel hochgekrempelt, Action ist gefragt. Wir müssen’s packen.“ Nein, Jesus weiß, auf eigene Faust läuft gar nichts. „Die Ernte ist groß, aber wenige sind die Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.“ Nicht das Feuer, das in uns brennt, soll in der Gemeinde, unter Menschen brennen, sondern Gottes Feuer selbst. Deshalb braucht Jesus mehr als jede Form von Mitarbeit das Gebet. Würden wir Christen auf eigene Faust starten, wir hätten für die Menschen, die Jesus im Blick hat, nur Steine statt Brot. Und das wäre entscheidend zu wenig. Wo aber gebetet wird, da wird der Blick frei für Gottes Perspektive, und auf diese kommt alles an. Ich wünsche mir den Blick, mit dem Jesus die Menschen sieht: Nicht „wertlose Masse“, sondern Schafe, die einen Hirten brauchen, Orientierung und Hilfe, die trägt. Die Ernte ist groß, vielleicht heute größer denn je. Darum will ich die Hände falten und Gott bitten, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.“ Dann können Menschen befreit durchatmen, und was gibt es Schöneres und Besseres?
 


Kommentare

Von Angelika am .

Danke für das wunderbare Wort.Ja es ist wichtid dafür zu beten,das der Herr helfer für seine große Ernte sendet


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