/ Wort zum Tag

1. Mose 2,15

Bibelvers

Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

1. Mose 2,15

Der Mensch steht im Mittelpunkt. Kapitel zwei des ersten Mosebuches beschäftigt sich mit dem Menschen und seinen Beziehungen: Seine Beziehung zu Gott, seine Beziehung zu der Erde, auf der er lebt, seine Beziehung zu seinen Mitgeschöpfen, vor allem zu seiner Frau, die ihm eine Hilfe ist als Gegenüber.

Die Losung behandelt die Beziehung des Menschen zur Erde. Wir lesen, dass Gott den Menschen nahm und ihn in den Garten setzte, den er selbst gepflanzt hatte. Gott der Gärtner. Dem Menschen wird dieser Garten Gottes, der in Eden liegt, anvertraut. Er soll ihn bebauen und bewahren. Vor dem Hintergrund des kargen Lebens in der Wüste kam den israelitischen Hirten das Kulturland in Kanaan immer wie eine Oase vor. Der wasserreiche und üppig blühende Garten wurde zur Chiffre für das Paradies. Es fällt auf, dass das Paradies vom Namen und vom Lageplan her benannt werden konnte: Eden. Das ist kein himmlisches Paradies, sondern ein irdischer Raum. Eden bezeichnet einen Garten und eine Landschaft. Mit den geographischen Namen von früher, die wir nur zum Teil heute noch lokalisieren können, wird nicht weniger als die damals bewohnte Welt beschrieben. So habe ich z. B. in Bibelauslegungen gelesen, dass das Land Hewila in Ägypten zu suchen sei. Kusch deutet nach Äthiopien. Der Strom Pischon ist räumlich nicht festzulegen. Der Strom Gihon kann mit der gleichnamigen Quelle in Jerusalem verglichen werden. Euphrat und Tigris sind uns heute noch bekannt. Der Mensch lebt in einer Welt, die das Paradies ist. Gott selbst hat ihn da hinein gesetzt und ihm wirklich einen weiten Raum zur Entfaltung gegeben. Weil der Mensch auch in Beziehung zu Gott lebt, haben sein Glück und sein Unglück damit zu tun, dass er dem Willen Gottes folgt. Gottes Wille ist es, dass der Mensch das Paradies, in dem er lebt, erhalten soll. Im Paradies muss gearbeitet werden. Dieser Gedanke ist uns nur dann fremd, wenn wir das Paradies einfach mir nichts dir nichts mit dem „Schlaraffenland“ verwechseln, wo einem ja bekanntlich die gebratenen Hühner ins Maul fliegen. Jeder aber, der einen Garten hat, weiß, welche Arbeit darin steckt, um ihn schön und ertragreich zu halten.

Und was ist aus unserem Paradies geworden? Es zeugt von Geistesgegenwart, dass das Stichwort „Bewahrung der Schöpfung“ in den evangelischen Kirchen schon lange ein Thema ist. Politische und wirtschaftliche Interessen hängen davon ab, ob unsere Erde bewohnbar bleibt. Aber die Hoffnung schwindet. Wider besseres Wissen tagt man national und international auf Klimakonferenzen, verabschiedet Protokolle und Resolutionen und ist einfach nicht in der Lage, den Schutz der Schöpfung vor eigene, meist wirtschaftliche Interessen zu stellen. Es scheint sich leider zu bewahrheiten, was Andreas Malessa vor Jahrzehnten schon gedichtet hat: „Ohne den Schöpfer ist die Schöpfung bald erschöpft.“ Denn der Mensch, der sich um diesen schönen Garten Gottes kümmern sollte, hat kläglich versagt. Zum Trost und zum Trotz verweise ich auf den Abschnitt aus einer Liturgie der Brüdergemeine, der mir auch zum Gebet wird: „Lenke die Herzen und das Handeln der Verantwortlichen in Parlamenten und Regierungen, in Wirtschaft und Medien, in Forschung und Ausbildung, dass sie mit Ernst und Geduld die Schöpfung bewahren. Stärke auch uns, Verantwortung zu übernehmen in deiner Welt.“
 

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