/ Wort zum Tag

Apostelgeschichte 4,13

Bibelvers

Die Oberen des Volkes sahen den Freimut des Petrus und Johannes und wunderten sich; denn sie merkten, dass sie ungelehrte und einfache Leute waren, und wussten auch von ihnen, dass sie mit Jesus gewesen waren.

Apostelgeschichte 4,13

Daran erinnere ich mich bis heute. Als Jugendlicher, ich war noch nicht lange zum Glauben an Jesus Christus gekommen, war ich mit einer Gruppe von Jugendlichen aus dem Weigle-Haus in Essen zu einer Freizeit im Schwabenland. Es kam der Sonntag, der zwei Herausforderungen für uns brachte. Unter der ersten konnte ich mir herzlich wenig vorstellen, außer dass sie zeitlich ungünstig war. In der nachmittäglichen Müdigkeitsphase sollten wir eine „Stund'“ besuchen. Was immer das sein sollte. Und zweitens, und das wurde uns als etwas Besonderes angepriesen, wären wir anschließend zum Zwiebelkuchenessen eingeladen. Das - Kenner mögen es bitte entschuldigen - fand ich doch einen ungehörigen Angriff auf meine Geschmacksnerven. Kuchen verbinde ich mit Kirschen oder Pflaumen, wenn es hoch kommt mit Zitrone und natürlich mit Sahne. Aber mit Zwiebeln - mir grauste. Dieses Problem löste sich einfach. Die „Stund'“ aber beeindruckte mich. Keine Pfarrer, sondern ältere Männer, Brüder genannt, legten die Bibel aus. Lebensnah, glaubenstief und biblisch verantwortet. Bauern und Handwerker bedachten mit Tiefsinn und Originalität das Leben im Licht des Wortes Gottes.

Einer bewegte sich sicher in einer alten, kostbaren Bibelausgabe mit Kommentaren der Kirchenväter, wie ich es später im Theologiestudium kaum gefunden habe. Seine Notizen zierten den Rand der Seiten des wertvollen Buches. Da wurde mir klar: Christlicher Glaube, das Studium der Heiligen Schrift und das Bedenken des eigenen Lebens und aller Entscheidungen im Licht des Wortes Gottes bewirken einen enormen Bildungsschub. Wenn ich täglich Bibel lese, mich dem Wort Gottes aussetze, höre ich auf Dinge, die ich mir selber nie sagen würde oder könnte. Dies ist ein kritischer Impuls für mein Leben. Stoff zum Nachdenken. Ich bleibe nicht bei mir selbst und nur bei mir selbst, wenn ich mit anderen im Gottesdienst gemeinsam feiere, bete, nachdenke und in einem wie auch immer gearteten Kreis über Glaubens- und Lebensfragen mit anderen spreche. Das hat Langzeitwirkung, wie bei den Jüngern. Drei Jahre leben mit Jesus, und die Welt staunt!

In unserem Bibelwort für den heutigen Tag aus der Apostelgeschichte 4 heißt es: „Die Oberen des Volkes sahen den Freimut des Petrus und Johannes und wunderten sich; denn sie merkten, dass sie ungelehrte und einfache Leute waren, und wussten auch von ihnen, dass sie mit Jesus gewesen waren.“ Sie wunderten sich, weil diese einfachen Leute mit Freimut über ihren Glauben redeten.

Heute fällt es vielen schwer, über ihren Glauben mit anderen zu sprechen. Auch und gerade den Studierten.
Wir haben deshalb im Zentrum am Hauptbahnhof der Berliner Stadtmission, im Herzen der deutschen Hauptstadt, zwischen Knast und Kanzleramt, alle drei Wochen eine „Frühschicht“ eingerichtet. Menschen aus dem Regierungsviertel treffen sich zum Frühstück und zum Gespräch über Gott und die Welt. Mit Freimut, unaufdringlich, aber klar und unkompliziert reden über das, was der christliche Glaube mir bedeutet. Ja, deutlich zu machen, worum es im Glauben eigentlich geht, ist heute dringend vonnöten. Gern möchte ich Ihnen dazu Mut machen. Und man braucht dafür nicht unbedingt Zwiebelkuchen.
 

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