/ Wort zum Tag

Jesaja 42,16

Bibelvers

Die Blinden will ich auf dem Wege leiten, den sie nicht wissen; ich will sie führen auf den Steigen, die sie nicht kennen.

Jesaja 42,16

Viele Krankheiten können heute dank medizinischer Kunst geheilt werden. Aber Blindheit ist unheilbar. Wer sein Augenlicht verliert, verliert es für immer. Deswegen erschüttern die Blindenheilungen von Jesus die Menschen so sehr. In ihnen wird das Unmögliche möglich.
 
Doch Jesaja meint mehr als die körperliche Blindheit. Denn es gibt auch eine geistige Blindheit, mit der Menschen sehenden Auges geschlagen sind. Wer hat sich nicht schon einmal an den Kopf schlagen müssen. Ich erinnere mich: „Ich war wie blind, so sehr hatte ich mich in meine Idee verrannt. Ein Doppeldeckerbus für unser Missionswerk! Alle um mich herum sahen, dass es uns überfordern würde. Nur ich nicht!“ Bei der geistigen Blindheit geht es dem Propheten um ihre bitterste Form: die Gottesblindheit. Ich sehe zwar die Schöpfung. Ich freue mich an ihren Schönheiten und schätze ihren Reichtum. Ich genieße mein Leben in vollen Zügen. Aber ich bin blind für den, der das alles hat werden lassen. Ich sehe Gott nicht, um den sich doch der ganze Kosmos dreht.

Besonders quälend wird diese Blindheit, wenn das Leben mich schwere Wege führt: wenn Krankheiten kommen, wenn die Arbeit vergeblich ist, wenn ein lieber Mensch mich verlässt. Dann steigen sie meist auf, die quälenden Fragen: Mein Gott, warum? Wieso muss ich das leiden? Wofür soll das gut sein? Blind bin ich oft im Leiden, in der Bitterkeit und in der Enttäuschung. Deswegen verhallen auch alle meine Fragen im Nichts!

Aber nicht nur gottesblind bin ich im Leiden, sondern ich werde zugleich auch lebensblind. Wie soll es nur weitergehen? Wofür soll ich mich entscheiden? Was muss ich wagen? Wie viel ich auch frage, forsche, in Gedanken hin und her wälze, die Blindheit will nicht weichen. Ich kann weder in die Zukunft sehen noch – oft genug – meine Vergangenheit verstehen. Blind stehe ich inmitten meiner Gegenwart. Ich kann mir zwar den nächsten Tag, das nächste Jahr, den nächsten Lebensabschnitt ausmalen. Doch wie oft kommt es anders, als ich denke! Da, genau da, will uns der Prophet Jesaja die Augen öffnen. Er will uns nicht zu Hellsehern machen, als könnten wir Christen besser in die Zukunft schauen. Sondern die Augen des Glaubens will er uns auftun. Als Gottes- und Lebensblinden will er uns Vertrauen in Gottes Leiten verleihen. Blind bleibe ich, aber ich weiß mich an der unsichtbaren Hand Gottes. Ich sehe seine Wege nicht. Ich weiß auch nicht, wohin sie mich führen. Aber im Glauben vertraue ich ihm blind: „Mein guter Gott, du wirst mich zum Guten leiten!“

Dagegen könnte der Vorwurf laut werden: „Macht ihr Frommen es euch nicht zu einfach mit diesem Glauben? Die Hände in den Schoß legen und Gott machen lassen?“ Haben unsere Kritiker nicht zuweilen Recht? Manchmal missbrauche ich meinen Glauben zur Flucht vor den Wegen, die gegangen sein wollen.
Das will Jesaja nicht sagen. Ich muss mein Leben täglich wagen wie jeder andere Mensch. Aber wenn ich blind vor Angst bin, ob ich mich richtig entscheide: Kann ich dann glauben, dass Gott auch auf meinen krummen Linien gerade schreibt? Wenn ich blind vor Sorge bin, ob ich die Zukunft bewältige: Kann ich dann glauben, dass Gott nur die Lasten auferlegt, die ich auch tragen kann? Und wenn ich blind im Übermut bin, ob meine Weg auch Gottes Wege sind: Kann ich dann vertrauen, dass er mich auffängt und aus meinen eigensinnigen Wegen noch seine göttlichen Wege machen kann?
 

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