/ Wort zum Tag

Kolosser 2,6

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Wie ihr den Herrn Christus Jesus angenommen habt, so lebt auch in ihm.

Kolosser 2,6

Schon oft habe ich gehört, dass jemand sagt: “Jesus, ich lade dich in mein Leben ein.“ Oder: “Ich habe Jesus in mein Leben eingeladen.“ Ich finde diese Formulierung arrogant, überheblich und vollkommen unpassend. Sie ist unbiblisch. Jedenfalls kennt die Bibel so eine Ausdrucksweise nicht. Denn wenn ich sage: “Ich lade dich in meine Wohnung zum Essen ein“, dann bin ich der Großzügige, Beschenkende, der Gastgeber. Dann bin ich derjenige, der den ersten Anstoß gibt. Ich lade ein, und der Eingeladene soll nun meine Einladung annehmen. Das ist aber bei dem Verhältnis von Jesus zu uns genau umgekehrt. Er tut den ersten Schritt. Er ist der Gastgeber. Er steht über mir. Er ist der Herr, der mir armem Würstchen die unfassbare Gnade gewährt, mich an seinen Tisch in sein Reich einzuladen. Deshalb sagt die Bibel nirgends, wir sollen Jesus einladen (das Wort kommt übrigens in der Bibel überhaupt nicht vor). Sondern sie sagt, wir sollen ihn annehmen, empfangen, wie es auch in dem alten Weihnachtslied heißt: “Wie soll ich dich empfangen und wie begegn’ ich dir?“

Zwischen einladen und empfangen besteht ein großer Unterschied. So heißt es z. B. im Johannesevangelium im Kapitel 1: “Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden.“ Mit diesem Aufnehmen, Annehmen, Empfangen beginnt der Christenstand. Nicht mit unserem Tun, unserer Leistung, unserer Einladung. Es ist genau umgekehrt. Da steht einer vor der Tür unseres Lebens und klopft an. Er kommt zu uns. Er will zu uns. Er will in unser Leben.

Mal angenommen, ein Mensch, der mir eine Freude machen will, schickt mir ein Paket. Da sage ich weder zu dem noch zum Paketboten: "Ich lade Sie ein, mir ein Paket zu schicken bzw. in mein Haus zu bringen." Sondern das einzige, was ich in einem solchen Fall tun kann, ist, dass ich das Geschenkpaket annehme. Jesus, das einzigartige Geschenk Gottes können wir armen, elenden Sünder nur annehmen. Mit Staunen und Dankbarkeit annehmen. Paulus sagt hier: “Wie ihr den Herrn Jesus Christus angenommen habt!“ Den Herrn! Mit diesem Wort werden die Verhältnisse, das Verhältnis zwischen Jesus und uns eindeutig geklärt. Heute wird ja jeder Konfirmand mit Herr angeredet, das ist nichts Besonderes mehr. Damals‚ zur Zeit von Jesus, gab es auf der Erde nur einen einzigen Menschen, der mit dem Wort “Herr“ angeredet wurde. Das war der Kaiser. Und wenn die Christen Jesus so ansprachen, dann sagten sie damit: Du bist der Chef. Du bist für uns die Nummer 1. Du bist der Höchste. Und selbst wenn bei uns heute das Wort “Herr“ diese Bedeutung nicht mehr hat und jeder x-Beliebige Lehmann, Schulze oder Meier so angeredet wird, dann wissen wir trotzdem noch: ein Herr ist kein Knecht. Das ist einer, der was Höheres ist, der über anderen steht. Und wenn wir Christen mit der Bibel vor den Titel und Namen Jesus Christus noch zusätzlich das Wort “Herr“ setzen, dann bekennen wir damit: Jesus ist für uns die höchste Autorität. Keiner ist über ihm. Alle sind unter ihm. “Alles ist ihm untertänig.“

Er ist nicht der Bettler, dem wir eine Mahlzeit spendieren. Er ist nicht der Kumpel, den wir zum Budenabend einladen. Er ist der Herr, der Weltrichter und Weltvollender, von dem unser zeitliches und ewiges Schicksal abhängt. Es wird höchste Zeit, dass wir von der lockeren, lässigen Art loskommen, mit der wir plump-vertraulich-kumpelhaft von oder mit Jesus reden. Weil er der Herr ist, verdient er unseren Respekt. Wenn Paulus sagt: “... so lebt auch in ihm“, dann erinnert er uns daran, dass das Herrsein von Jesus für uns Konsequenzen hat. In erster Linie den Gehorsam, dass wir tun, was er befohlen hat. So leben, wie er es verlangt. Eine andere Konsequenz ist die dankbare Gewissheit der Geborgenheit. “In ihm leben“ heißt: wir leben im Schutz des höchsten aller Herren. Das gilt auch für den heutigen Tag.


Kommentare

Von Maria Kallensee am .

Ich glaube, dass Jesus sich freut über die Menschen, die ihn in ihr Leben "einladen",und dass er ihr Herz ansieht und nicht die Worte auf die Goldwage legt,die dabei benutzt werden.
Genau so, wie Eltern liebend über die Selbstüberschätzung ihrer kleinen Kinder hinwegsehen können, so, nein noch viel mehr tut es, denke ich, Gott mit seinen neugeborenen Glaubenskindern.

Von bernd tunn am .

die gedanken von herrn lehmann haben mich ein stück auf den
boden der tatsachen zurück geholt. habe christus mitunter zu
sehr als kumpel gesehen.

Von Fredi Kuster am .

Jesus Christus steht vor der Tür und klopft an.Wenn jemand meine stimme hört und(mir)die Tür öffnet,will ich bei ihm einkehren un das Mahl mit ihm halten und er mit mir.Beim Mensch ist die Entscheidung!Freien Willen gab Gott uns Menschen dazu.Für,mit,oder gegen Gott zu Leben!Das ist Liebe Gottes:

Von Matthias Klätte am .

Markig und streitbar, wie wir Theo Lehmann kennen und lieben! Die Einladung fällt allerdings nicht ganz flach in der Bibel. Jesus lädt sich ein und ist dabei nicht der Gastgeber. Vielleicht sollten wir also mit Zachäus sagen: "Jesus hat sich in mein Leben eingeladen."? Oder: "Ich habe Jesus in meinem Leben empfangen." - Beides ist vielleicht theologisch korrekter, allerdings für Nichtchristen, die diese frohe Nachricht auch verstehen sollten, etwas zu gestelzt, oder?
Trotzdem wurde der Bibelvers schön herausgearbeitet. Es bleibt die tägliche Herausforderung, dass wir "in ihm leben".

Von Dagmar Rudolph am .

Mit meinem "Kumpel" gehe ich durch Dick und Dünn, doch ich bete ihn nicht an. Aber meinen Herrn Jesus Christus bete ich an und lasse mich von Ihm zur Buße führen, zur Umkehr, denn die habe ich immer wieder nötig. Er hat Sein Blut, Sein Leben für uns und für mich "Würstchen" gegeben, soviel Wert habe ich für Gott. Darüber kann ich nur dankbar staunen, jeden Tag neu.
Danke für das strenge, eindeutige Wort.

Von Verena am .

Guten Tag, lieber Herr Dr. Lehmann,

als ich soeben Ihr Wort zum Tag gelesen habe, war mein erster Gedanke "wow, dieser Herr Pfarrer ist aber wütend". Die Art, wie Sie schreiben, klingt für mein Empfinden fast schon aggressiv.

Demut ist wichtig. Doch halten Sie sich selbst tatsächlich für ein "armes Würstchen"? Sind nicht alle Menschen von Gott gemacht? Und ist es nicht so, dass ER - der Große, der Allmächtige - mit Sicherheit sehr viel mehr zustande bringt als eine Ansammlung von armen mehr

Von Fabio Trotta am .

Wo es einige in die eine Richtung übertreiben, wird es hier vielleicht in der anderen Richtung übertrieben.
Auf jeden Fall sollten wir Jesus respektieren und als das Höchste ansehen.
Aber er ist ebenso unser Freund, Vertrauter und Kumpel. Also wieso sollte man das abstreiten.
Er ist eben nicht der herrische alles überragende Chef, sondern der, der sich für uns klein gemacht hat und sich auf eine Stufe mit uns gestellt hat.
Ich finde das ist ein ganz großes Merkmal von Jesus im Vergleich zu mehr

Von Renate am .

Danke für Ihre klaren Worte! Demut tut uns allen Not!

Von Peter Immisch am .

Wenn uns der Glaube an Christus nicht zur Demut erzieht, dann stimmt mit diesem Gauben etwas nicht. Ich bin Dr. Lehmann dankbar für diese klare Stellungnahme.
P. Immisch


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