/ Wort zum Tag

Lukas 23,3

Bibelvers

Pilatus fragte: Bist du der Juden König? Jesus antwortete ihm und sprach: Du sagst es.

Lukas 23,3

Die Tageszeitungen wären wohl nur halb so interessant, wenn es keine Berichte über laufende Gerichtsprozesse gäbe. In irgendeiner Stadt wird immer etwas Dramatisches, Schauriges, Nervenkitzelndes verhandelt. Das Interesse an dieser Art der Berichterstattung ist groß, jedenfalls solange man nicht selbst ins Geschehen verwickelt ist. Nicht auszudenken was passieren würde, wenn Sie morgens beim Frühstück die Zeitung aufschlagen und plötzlich Ihren Namen entdecken. Vielleicht als ein möglicher Verdächtiger. Vielleicht als ein Betroffener. Dann bekommt eine Nachricht einen ganz anderen Charakter. Man ist nicht mehr distanzierter Beobachter, sondern Beteiligter.

Der neutestamentliche Bibeltext für diesen Tag stammt aus einem Prozess, der Weltgeschichte gemacht hat. Aus dem Prozess gegen Jesus von Nazareth. Und wir alle kommen darin vor. „Pilatus fragte: Bist du der Juden König? Jesus antwortete ihm und sprach: Du sagst es!“ (Lukas 23,3). Was war vorausgegangen?
Zunächst das Verhör Jesu. Der folgende Prozess gegen ihn wird in zwei Instanzen verhandelt. Zuerst vor dem Hohen Rat in Jerusalem. Jesus wird gefragt: „Bist du der Christus, so sage es uns“ (Lukas 22, 67) und: „Bist du denn Gottes Sohn?“ (Lukas 22,70). Jesu Antwort: „Ihr sagt es, ich bin es“ (Lukas 22,70).
Die zweite Instanz ist der römische Gouverneur Pilatus. Die Anklage lautet: „Er hat Gott gelästert.“ Ich frage mich unwillkürlich: Was an der Antwort ist Gotteslästerung? Hat Jesus Gott geleugnet oder gar beschimpft? Nichts von alledem.

Die Ankläger haben Jesus Christus wohl sehr gut verstanden. Haben seinen Anspruch gehört. Schließlich hatte er drei Jahre gepredigt, dass Gottes Reich und seine Herrschaft angebrochen sind. In ihm, dem Menschensohn, offenbart sich Gott, der Schöpfer und Herr der Welt. Christus ist der Retter und der Richter. Der Erste und der Letzte. Wenn der Anspruch Jesu wahr ist, dann führt kein Weg an ihm vorbei. Dann ist er Weg, Wahrheit und Leben. Dieser Anspruch hat ihm Ärger eingebracht mit den religiösen Führern seiner Zeit. Und mit den Mächtigen im Staat.

Auf die Offenbarung Gottes gibt es zwei Antworten: Zum einen Umkehr, Vertrauen, Gehorsam, Glauben, Nachfolge. Also neu geschenktes Leben durch Christus. Oder Ablehnung. Man lehnt den Anspruch Jesu als Maßlosigkeit und Gotteslästerung ab. Wer ist Jesus Christus für Sie? Ist er Ihr Heiland und Herr? Ihr Retter und Richter? Oder ist er Ihnen gleichgültig? Ist er sozusagen die nette und belanglose Symbolfigur? Aber ohne Bedeutung? Vielleicht ist die Gleichgültigkeit die schlimmste Form der Ablehnung Jesu. Die Ankläger Jesu haben mehr von der verändernden Kraft Jesu begriffen als manche erschlafften Christen. Und sich dagegen gewehrt. Mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen. Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass Christus von Anfang an den Erdkreis erschüttert hat. Bis heute ist das so geblieben. Von Anfang an war klar, dass Nachfolge Nachteile bringen kann. Jesus selbst hat das immer wieder gesagt. Zu allen Zeiten wurden Christen für ihr Bekenntnis zu Christus verfolgt und getötet. Das ist bis heute in vielen Ländern dieser Erde so geblieben. Aber Christus wird alle Herrscher überleben. Sie gehen. Er besteht.
Gustav Heinemann, der frühere Bundespräsident, hat das nachdenkenswerte Wort gesagt: „Die Herren dieser Welt gehen. Unser Herr kommt.“ Und damit meinte er Jesus Christus. Der Prozess gegen ihn, sein Leiden und Sterben sind für uns geschehen. Wir sind daran beteiligt. Christus ist der Richter und der Retter. Er kommt. Ihm gehen wir entgegen.
 

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