/ Wort zum Tag

Apostelgeschichte 3,19

Was für ein Satz. Ich sehe sofort den Prediger im schwarzen Anzug vor mir, der ihn von der Kanzel brüllt. So, wie er in Filmen oft dargestellt wird, als Karikatur des frommen Erweckungspredigers. Als Bild für eine düstere Religion, in der Leute auf Knien zum Kreuz geschlichen kommen und fortan aus Angst vor der Sünde womöglich alles, was Spaß macht, vermeiden. Und sich kasteien, damit der böse Herr im Himmel gnädig gestimmt wird. Da überläuft es mich eiskalt.

Schade eigentlich. Denn dieser Satz von der Buße und Bekehrung ist ja wirklich eine der ganz zentralen Aussagen im Christentum. – Aber in der Situation, in der Petrus ihn hier ausspricht, hat er sicher ganz anders geklungen als in den Bildern, die ich da spontan im Kopf habe.

Es war ja so: als Petrus diesen Satz sagt, war es noch gar nicht lange her, dass Jesus wieder zu Gott zurückgekehrt war, dass der Heilige Geist ausgegossen wurde und dass sich die erste Gemeinde gebildet hat. Petrus und Johannes waren eigentlich gerade zum Tempel unterwegs, um zu beten. Doch dann begegneten sie diesem gelähmten Mann, der durch die Begegnung mit ihnen geheilt wurde.

Alle Menschen, zu denen Petrus hier spricht, haben also eben gesehen, wie ein Mann wieder laufen kann, der bisher zum lebenslangen Betteln verurteilt war. Der Mann, den alle nur als den armen Gelähmten kannten, der da jeden Tag vor dem Tempel saß, der springt plötzlich fröhlich umher und alle wundern sich, welche Kraft hier am Werk ist. Und da erklärt Petrus, was es damit auf sich hat und welcher Gott solches tut. In diesem Zusammenhang fällt dieser Satz von Buße und Bekehrung: Gott hat sich gerade zu erkennen gegeben als ein Gott, der für Menschen nur Gutes will. Als ein Gott, der heilen kann und will.

Die Aufrufe zur Buße und Bekehrung, die wir in der Bibel finden, haben immer eines gemeinsam: sie folgen immer auf irgendein Handeln Gottes. Sie sind immer auf ein Ereignis bezogen, das sich gerade abgespielt hat und worin Gott etwas von sich gezeigt hat: etwas von seiner Liebe, seiner Gnade und seiner Zuwendung zu den Menschen.

Die Buße, zu der Gott die Menschen aufruft, ist also immer eine Hinwendung zu diesem einen guten Gott. Buße ist nicht irgendeine fromme Übung im luftleeren Raum. Und schon gar keine Art von Selbstgeißelung, um sich irgendeinen bösen Gott wohlgesonnen zu machen. Nein, wohlgesonnen ist Gott uns schon. Und Buße heißt nichts anderes als Umkehr zu diesem guten Gott. Buße ist immer die Folge der Erkenntnis, dass Gott schon immer da ist und wartet. Und dass ich es gar nicht nötig habe, meine Erfüllung in Dingen zu suchen, die Gott ersetzen sollten, und die mich doch immer wieder leer zurücklassen. Gott ist ein Gott, der Gelähmte wieder gehen lässt, der in mir Dinge tun kann, die ich nicht für möglich halte, der mich auf eine Weise heilen kann wie niemand sonst. Deswegen habe ich es nötig, dass ich mich ihm zuwende und meinem Leben eine neue Richtung gebe.

Weil ich das alles dringend brauche, und weil mir auch gar nichts Besseres passieren kann als das, dass ich bei Gott Vergebung, Heilung und neues Leben finde – deswegen ist es eigentlich eine richtig fröhliche Sache, Buße zu tun und sich zu bekehren. Und dann auch immer wieder aufs Neue darüber zu staunen, wie reich dieses neue Leben ist.
 

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