/ Wort zum Tag

Psalm 69,6

Bibelvers

Gott, du kennst meine Torheit, und meine Schuld ist dir nicht verborgen.

Psalm 69,6

„Das Echo der Schuld“ – so lautet der Titel eines Romans von Charlotte Link. Er handelt von einer jungen Frau, die schuld ist am Tod eines Jungen. Sie lässt jedoch ihren Cousin in dem Glauben, er habe durch eine Nachlässigkeit den Tod des Jungen verursacht. Schließlich ist sie froh, dass ihr Cousin eines Tages spurlos verschwindet. Er hinterlässt einen Abschiedsbrief, in dem er schreibt, wie schwer ihn die Schuld am Tod des Jungen belastet und dass er hofft, irgendwo ein neues Leben beginnen zu können. Die junge Frau aber tut alles, um ihre eigene, bisher niemandem eingestandene Schuld zu verdrängen. Sie zieht deshalb nach ihrer Heirat mit ihrem Mann in ein abgelegenes, düsteres Landgut. Dort verkriecht sie sich vor einer breiteren Öffentlichkeit und gerät in Panikattacken, wenn sie unter vielen Menschen ist.

Ein bedrückendes Buch. Ein Buch, das zeigt, dass der Weg der Verdrängung von Schuld in eine Sackgasse führt. Ein Buch, das auch zeigt, dass Schuld nicht bagatellisiert werden kann. Schuld ist auch nicht etwas, was nach der Methode „Lass Gras drüber wachsen“ mit dem zeitlichen Abstand kleiner und unbedeutender wird. Das Buch von Charlotte Link macht deutlich, dass eine Lösung nur darin besteht, dass man zu seiner Schuld steht und sie sich selbst und auch den Beteiligten eingesteht.

Eine Seite fehlt allerdings in diesem Buch: Schuld ist ja nicht nur Schuld an und vor Menschen. Schuld ist auch Schuld vor Gott. Nicht nur menschliche Richter sitzen zu Gericht über Schuldige. Es gibt eine noch höhere Instanz.

Eigentlich müssten wir Menschen vor diesem Richter noch viel mehr Angst haben als vor menschlichen Richtern. Aber wenn ich das Bibelwort für den heutigen Tag höre – „Gott, du kennst meine Torheit, und meine Schuld ist dir nicht verborgen“ – dann schwindet die Angst. Gott kennt mich. Er ist nicht ein ferner anonymer Richter. Er muss mir ganz nah sein, sonst würde er mich ja nicht kennen. Er kennt auch die Hintergründe meines Handelns. „Gott, du kennst meine Torheit ...“ Meine Torheit - ich könnte auch sagen: meine Dummheit. Und ist es nicht wirklich bei genauerem Betrachten oft so, dass das einfach Dummheit war, wenn wir uns schuldig gemacht haben?

Das ist mir als kleinem Jungen mal sehr deutlich vor Augen geführt worden. Wir hatten auf dem nachbarlichen Bauernhof im Heuhaufen gespielt. Ich war dabei hingefallen und mit dem Kopf auf den harten Fußboden der Diele geschlagen. Das hatte sich für die anderen offenbar schlimm angehört, war aber gar nicht besonders schmerzhaft gewesen. Als ich das Entsetzen der anderen bemerkte, begann ich, eine Bewusstlosigkeit zu simulieren, um mich wichtig zu machen. Man rief meine Mutter. Sie trug mich besorgt nach Haus. Sie rief den Arzt an. Der verordnete eine Woche Bettruhe wegen einer möglichen Gehirnerschütterung. Da musste ich nun eine ganze Woche im Bett liegen, während die anderen Kinder draußen spielen konnten. Was für eine Dummheit, diese Idee mit der Bewusstlosigkeit!

Nicht immer wird uns der Zusammenhang zwischen Schuld und Dummheit so deutlich. Aber vielleicht sollten wir uns diesen Gedanken wieder einmal vergegenwärtigen, wenn wir Schuld auf uns geladen haben. Unsere größte Dummheit ist nämlich, dass wir die Ordnungen, die Gott über unser Leben gesetzt hat, nicht genügend beachten. Gott hat uns seine Gebote gegeben. Er hat das ja nicht nur getan, um uns Grenzen für unser Handeln zu setzen, z. B. bei der Ehe, sondern er hat diese Ordnungen auch gegeben, damit wir selbst vor der Willkür anderer geschützt sind.

„Gott, du kennst meine Torheit, und meine Schuld ist dir nicht verborgen.“ Vor Menschen mögen wir unsere Schuld verbergen können. Vor Gott ist sie nicht verborgen. Vor Gott ist nichts verborgen. Er weiß alles. Da hilft kein Vergessenwollen, kein Verdrängen, kein Überspielen. Vor Gott ist alles offenbar. Und da muss es nicht unbedingt der Tod eines Kindes sein, wie in dem Roman von Charlotte Link. Da kann schon ein Gedanke Schuld bedeuten, eine Gedanke des Hasses oder des Neides oder des Begehrens. Und auch dieser Gedanke ist vor Gott nicht verborgen.

Für mich ist das keine erschreckende Erkenntnis. Ich finde es befreiend, dass Gott alles über mich weiß. Denn das weiß ich über ihn: Er liebt mich. Deshalb hat er seinen Sohn in die Welt gesandt, um mir das deutlich zu machen. Er liebt mich so sehr, dass er Jesus am Kreuz hat sterben lassen als Sühne für meine Schuld. Deshalb brauche ich vor ihm nichts zu verbergen.

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