/ Wort zum Tag

Jeremia 8,7

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen.

Jeremia 8,7

Wo mag nur der zweijährige Tim stecken? Es ist so still geworden in der Wohnung. Die Mutter öffnet die Wohnzimmertür und bleibt überrascht stehen: Tim hat sich einen Stuhl an die halbhohe Wohnzimmeranrichte herangezogen und ist hinauf gestiegen. Gerade nimmt er ein Bonbon aus der dort stehenden Dose. Dabei sagt er, wie er es von der Mutter gehört hat: "Tim, nicht nehmen. Tim nicht nehmen."

Ich schmunzele fast, wenn dahinter nicht eine schlimme Wirklichkeit stände. Wir Menschen können offenbar etwas, was Tiere nicht fertig bringen: Wir können einer uns eingegebenen Orientierung zuwider handeln. "Ein Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen", heißt es in der heutigen Losung.

Ich spüre, wie betrübt das Gott durch seinen Propheten Jeremia feststellen muss: "Mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen." Ja, wenn es sich nur um ein Bonbon handeln würde, das auch schon manchmal für die Zähne schädlich ist. Aber es geht wissentlich um falschen Gottesdienst und soziales Unrecht, die sein Volk begeht und mit denen es sein eigenes und das Leben anderer zerstören und Gottes Gericht herbei rufen wird.

Ist uns diese Situation so fremd? Kassieren wir nicht manchmal mehr, als uns zusteht? Lassen wir im Lauf eines Tages nicht immer wieder einmal Gottes Recht und Gebot links liegen und mogeln uns dran vorbei, obwohl wir durchaus wissen, was wir eigentlich tun sollten?

„Ihr habt nicht gewollt!“, so muss Jesus nicht nur über die Bürger Jerusalems weinen (Matth. 23, 37), sondern oft auch über die, die sich nach seinem Namen nennen: Wissen, was Gott will und das Gegenteil davon tun! Eine erschreckende Möglichkeit, ja Tatsache auch in unserm Land. Die Folge ist von den Zeiten Jeremias an bis heute, dass Gottes Gericht kommt, ob in einem persönlichen Desaster oder möglicherweise auch in der Form der augenblicklichen Finanzkrise.

Was ist zu tun? Es gilt, die Einladung Gottes zu hören und zu handeln: "Ein Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen!" Machen wir es den Zugvögeln nach und kehren wir um an unsern Herkunftsort. Kommen wir wieder heim zu dem, der uns geschaffen hat und liebt und erlöst. In Jesus Christus streckt er seine Arme nach uns aus.

Wenn wir das tun, wird die Geschichte anders enden als in dem bewegenden Roman von Alan Paton „Aber das Wort sagte ich nicht“. Da erzählt eine Tante, wie sie in Südafrika zur Apartheidszeit das Unglück ihres Neffen kommen sah und das Wort nicht sagte, das es hätte verhindern können. Sie bittet hinterher Christus um Vergebung. Aber der stolze Bure, Vater dieses Neffen, verschließt die Türe seines Hauses seinem Sohn für immer und die Familie zerbricht.

Im Gegensatz dazu steht die Tür des Vaterhauses Gottes offen für jeden Heimkehrer, seitdem Jesus Christus am Kreuz für uns starb und aus dem Tod auferstand. Und für die Heimkehr genügt ein Anruf, mitten am Tag, wenn mir aufgeht: Ich habe Gott verlassen, ich habe nicht getan, was ich wusste und sollte.

Von Ludwig Andreas Gotter, der genau heute Geburtstag hat (*26.5.1661), gibt es dazu ein Gebet:
"Vergib mir meine Sünden und wirf sie hinter dich;
lass allen Zorn verschwinden und hilf mir gnädiglich;
lass deine Friedensgaben mein armes Herze laben.
Ach Herr, erhöre mich.

Vertreib aus meiner Seelen den alten Adamssinn
und lass mich dich erwählen, auf dass ich mich forthin
zu deinem Dienst ergebe und dir zu Ehren leben,
weil ich erlöset bin" (EG 404, 2+3).


Kommentare

Von Holger Bischof am .

Das Beispiel mit dem 2-jährigen Tim traf mitten in die Kernaussage der heutigen Losung. Wissen, was Gott will und dann das Gegenteil davon tun, das kenne auch ich. Eine sehr hilfreiche Auslegung, die einem am konkreten Punkt im Leben
zur Umkehr einlädt. Danke!


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