/ Wort zum Tag

1. Thessalonicher 3,12

Bibelvers

Der Herr lasse euch wachsen und immer reicher werden in der Liebe untereinander und zu jedermann.

1. Thessalonicher 3,12

Ein altes Märchen erzählt, wie ein junger, wissbegieriger König die Gelehrten seines Landes beauftragte, für ihn alles Wissenswerte der Welt aufzuschreiben. Sie machten sich bald an die Arbeit. Nach vierzig Jahren legten sie das Ergebnis in tausend Bänden vor. Der König, der inzwischen schon sechzig Jahre alt geworden war, sagte: „Tausend Bücher kann ich nicht mehr lesen. Kürzt alles auf das Wesentliche.“ Nach zehn Jahren hatten die Gelehrten den Inhalt der Geschichte der Menschen in hundert Bänden zusammengefasst. Der König sagte: „Das ist noch zuviel. Ich bin schon siebzig Jahre alt. Schreibt nur das Wesentliche!“ Die Gelehrten machten sich erneut an die Arbeit und fassten das Wichtigste in einem einzigen Buch zusammen. Sie kamen damit, als der König schon im Sterben lag. Dieser wollte wenigstens noch das Wesentliche aus der Arbeit der Gelehrten erfahren. Da fasste der Vorsitzende der Gelehrtenkommission das Wesentliche der Geschichte der Menschheit in einem einzigen Satz zusammen: „Sie lebten, sie litten, sie starben. Und was zählt und überlebt, ist die Liebe.“

Liebe, was ist das denn überhaupt? Dieses Wort wird doch so oft missbraucht von uns. Wir sagen Liebe und meinen Egoismus. Die Bibel sagt: Gott ist die Liebe. Liebe als Person. Sein ganzes Wesen - Liebe. Und schon höre ich die Fragen aus allen Richtungen auf mich einstürmen: "Wenn Gott Liebe ist, dann ..." "Wenn Gott Liebe ist, warum ..?" Liebe darf auf gar keinen Fall wehtun. Wer allerdings schon einmal wirklich geliebt hat, weiß, dass sie genau das tut. Ich kenne keine echte Liebe ohne Schmerz. Die Liebe hat nämlich das Wohl des anderen im Blick. Genau das weiß auch Paulus. Er würde den Weisen aus dem Märchen zustimmen: „Und was zählt und überlebt, ist die Liebe.“ Diese Liebe meint er, wenn er uns ermutigt: "Der Herr lasse euch wachsen und immer reicher werden in der Liebe untereinander und zu jedermann." Schon im Alten Testament hat Gott seinem Volk geboten: „Du sollst den Fremdling lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19,34).

In diese Liebe sollen wir immer tiefer hineinwachsen. Sie soll uns immer mehr bestimmen. Sie gilt denen, die uns nahe sind, und jedermann, also allen Menschen. Geht das überhaupt? Kann ich alle Menschen lieben? Ich glaube, es geht hier um eine Grundeinstellung. Mein ganzen Leben soll von der Liebe bestimmt sein. Das beginnt damit, dass ich ein Ja zu mir selbst finde, dass ich mich bejahen, dass ich mich annehmen kann. Wie komme ich zu diesem Ja? Bei mir liegt es an dem Ja Gottes, das er ohne Wenn und Aber zu mir sagt. Es ist das Ja seiner Liebe. Wenn ich nun dieses Ja auch auf meine Mitmenschen übertrage, bekomme ich eine grundsätzlich positive Einstellung zu ihnen. So kann ich anderen offen und würdevoll begegnen.

Mich fasziniert immer wieder, wie Jesus das gemacht hat. Er begegnete den Menschen seiner Zeit immer in einer angemessenen Haltung. Er sprach anders mit seinen Jüngern als mit der geistlichen Oberschicht. Er begegnete einem Zöllner anders als einem Pharisäer. Er ging mit den Kranken liebevoll um. Sprach sie in der Sprache an, die sie verstanden. Einen Taubstummen berührte er, einen Blinden rief er in seine Nähe. Dem Aussätzigen legte er seine Hand auf und gab ihm damit zu verstehen: Ich ekele mich nicht vor dir. So lebte er Liebe praktisch bis ans Kreuz, wo er noch für seine Feinde betete und einen Mitverurteilten mitnahm ins Paradies.

Um diese Liebe geht es Paulus. Hier sollen wir immer mehr hineinwachsen. Diese Liebe soll unser Leben bestimmen und prägen. Es ist die Liebe Gottes, die er selbst durch seinen Heiligen Geist in unsere Herzen gegossen hat. Es ist keine Liebe, die wir erzeugen müssen. Da wären wir haushoch überfordert. Es ist seine Liebe, die durch uns zu anderen fließt. Es ist letztlich die Liebe, die zählt und überlebt. Ich bin davon überzeugt, dass es auch die Liebe ist, nach der ein jeder Mensch sich sehnt. Deshalb wundert es mich auch nicht, dass sie am Ende des Märchens steht als das Wesentliche der Geschichte der Menschheit: „Sie lebten, sie litten, sie starben. Und was zählt und überlebt, ist die Liebe.“ Seine Liebe, die Liebe Gottes.

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