/ Wort zum Tag

Psalm 62,6

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung.

Psalm 62,6

Mitten im Sturm seines Lebens geht ein Mann in den Tempel, kniet nieder und betet. Schließlich kann er die Worte sprechen: „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft“ (Psalm 62,2).

Dieser Mann hat eine schwere Zeit hinter sich. Menschen haben versucht, ihn zu ermorden. Er ist sich vorgekommen, wie „eine rissige Mauer“ (Vers 4). Bei alledem haben seine Gegner „Gefallen am Lügen“ (Vers 5).

Er wäre sicher in diesem fürchterlichen Lebenssturm umgekommen, wenn er nicht erfahren hätte: „Gott ist mein Fels ... und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde“ (Vers 7).

Ich habe mich gefragt: Was hätte ich gemacht? Was ich vielleicht getan hätte, tat er gerade nicht: Er stürzte sich nicht in eine Rettungsaktion, sondern er ging in den Tempel. Er krempelte nicht gleich die Ärmel hoch, sondern faltete die Hände. Er machte keinen Lärm, sondern wurde still vor Gott.

Das ist beneidenswert, wenn sich einer nicht vom Alltag sein Programm diktieren lässt, wenn ein Mensch nicht eines Tages feststellen muss, dass er nur noch wie ein Blatt vom Winde hin- und hergetrieben wird, nicht mehr selber lebt, sondern nur noch gelebt wird.

Glücklich der Mensch, der nicht nur still wird über irgendeinem Buch oder beim Hören schöner Musik, sondern still wird vor Gott. „Still sein heißt nicht“, so hat der Theologe Dietrich Bonhoeffer gesagt, „untätig sein, sondern einatmen den Willen Gottes; heißt angespannt horchen und zu gehorchen bereit sein. Die Stunde der Stille ist ... aber doch immer eine Stunde der Seligkeit, denn sie ist eine Stunde, die in der Ruhe Gottes gelebt wird.“ So Bonhoeffer.

Eine Stunde bei Gott kann eine Stunde der Hilfe sein. Aber warum kommen so wenige Menschen mit ihren Sorgen zu Gott?

Dafür gibt es wahrscheinlich zwei Gründe. Der erste Grund: Viele haben Angst vor der Stille. Manche verwechseln Stille mit Friedhofsstille und erwarten deshalb nichts von ihr. Andere sind so an Lärm gewöhnt, dass es ihnen unheimlich vorkommt in der Stille. Sie jagen von Ereignis zu Ereignis, um ja nicht einen Augenblick sich allein gegenüberstehen zu müssen. Wieder andere leiden zwar darunter, dass es so laut ist, finden aber nicht zur Stille.

Manche haben nicht nur Angst vor sich selbst, sondern sie fürchten sich davor, dass Gott ihnen in der Stille begegnen könnte. Deshalb sind sie regelrecht auf der Flucht vor Gott.

Der andere Grund, warum viele Menschen nicht zur Stille kommen, liegt darin, dass sie sich gar nicht darum bemühen. Wenn ich zur Stille bei Gott finden will, dann darf ich nicht zu mir selbst fliehen oder meine Freunde um Hilfe bitten, sondern dann muss ich mit Gott über das sprechen, was mir zu schaffen macht. Dazu muss ich mich allerdings Gott und seinem Wort aussetzen. Kein Mensch ist so beschäftigt, dass er nicht dafür jeden Tag Zeit finden könnte.
Wer dann aber still wird beim Hören auf Gottes Wort, beim Beten und – das ist ganz wichtig – auch beim Schweigen vor Gott, der entdeckt, wie auf einmal die eigenen Sorgen kleiner werden, die Hetze zu Ende ist, der Lärm vorbei, die Angst an Macht verliert und die Tränen getrocknet werden können.

Diese Ruhe gibt es sonst nirgendwo auf dieser Welt. In dieser Stille verstummen auf einmal die vielen Fragen meines Herzen. Aus dieser Stille heraus kann ich Menschen ganz gelassen entgegentreten. Selbst die großen wirtschaftlichen und politischen Ereignisse sehe ich dann unter der Herrschaft Gottes. Ich weiß mich einzig und allein in Gottes Händen. Ich weiß mich bestens aufgehoben. Nur in Gott gibt es richtige Stille, so wie es der Kirchenvater Augustin gesagt hat: „Herr, Gott, zu dir hin hast du alles geschaffen. Und unsere Seele ist unruhig, bis sie Ruhe findet in dir.“


Kommentare

Von Werner Thomas, FeG Haiger am .

Lieber Udo, Edeltraud und ich haben Deine Andacht zu Ps.62,6 mit Freude und Gewinn gehört. Nächstes jahr werden wir, so Gott will, wieder für zwei Monate zum Dienst in der Dt.Ev.Gem.Roquetas de Mar, Spanien sein. Edeltraud würde diese Andacht dort gerne in dem Frauen-Kreativkreis lesen. Ist das Ok? ich habe sie mir kopietrt.
Liebe Grüße und weiter viel Segen bei Deiner Arbeit. Den wünschen wir auch dem gesamten Tiem!
Werner

Von Luserke am .

David kannte den Tempel gar nicht, weil ihn erst sein Sohn Salomon bauen durfte!


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