/ Wort zum Tag

Psalm 23,5

Bibelvers

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Psalm 23,5

Das muss man sich einmal vorstellen! Ein unglaubliches, fast bizarres Bild. Ich versuche es mir möglichst konkret vorzustellen: Auf der einen Seite sind da Feinde. Das bedeutet: Ablehnung, Hass, Verfolgung, vielleicht die Androhung von Waffengewalt. Sie tuscheln, sie schmieden Pläne, sie klirren mit den Waffen. - Auf der einen Seite steht da ein Tisch. Da sitzt einer in aller Seelenruhe und isst. Er hat keine Eile. Er kostet die Speisen. Er nimmt noch einmal nach. Ihm wird reichlich aufgedeckt und voll eingeschenkt. Er kann genießen. Als er fertig ist mit dem Mahl, wird er mit kostbarem und wohlriechendem Öl gesalbt – ein Zeichen der Macht, der Herrschaft und der Autorität. - Und die Feinde schauen zu! Das ist doch nicht möglich! Wie kann einer, der sich mitten in einer feindlichen Auseinandersetzung befindet, festlich tafeln? Muss er sich nicht rüsten für den Kampf? Sind da nicht Vorbereitungen zu treffen? Ist ihm nicht vielleicht vor Aufregung der Appetit vergangen? Wird nicht erst nach dem Kampf gegessen – falls man dann noch essen kann?

Wir spüren: Dieses Bild ist eine Provokation! Es strahlt eine kaum zu begreifende Sicherheit aus. Der Mensch, der da sitzt und isst, muss sich seines Sieges absolut gewiss sein. Er feiert schon im Voraus. Er kann sich ruhig eine Pause gönnen, ihm wird nichts passieren. Dieses Essen im Angesicht der Feinde – es ist nicht nur eine Provokation, sondern auch eine Demütigung der Feinde. Denn eindrücklicher könnte man es ihnen wohl nicht zeigen, dass sie nichts zu melden haben!

König David aus Israel hat diesen Psalm gedichtet. Er hat es in seinem Leben immer wieder erlebt, dass er verfolgt wurde. Er hatte viele Feinde. Schon bevor er König wurde, hat sein Vorgänger ihm jahrelang nach dem Leben getrachtet. Und auch später gab es Menschen, die ihn aus dem Weg schaffen wollten. Sogar aus der Reihe seiner eigenen Söhne! Und immer wieder hat David es erlebt, dass er bei Gott sicher ist. Er hatte kein ruhiges Leben – aber Sicherheit in Gott. Er erlebte Feindschaft – aber noch mehr die Geborgenheit bei seinem Herrn, seinem „guten Hirten“, wie er ihn zu Beginn dieses Psalmes nennt.

Auch wir haben Feinde, Sie und ich. Vielleicht denken Sie jetzt spontan an einen Menschen, der Ihnen Böses will. Sie haben Situationen vor Augen, wo Sie gemobbt wurden; wo Ihre Motive in Frage gestellt und Ihre Liebe nur mit Ablehnung belohnt wurde. Aber unser Blick richtet sich nicht nur auf Menschen; der Horizont des Beters in diesem Psalm ist weiter: Er spricht im vorhergehenden Vers vom „finstern Tal“, vom Tal der Todesahnung. Auch das kennen wir: z. B. Krankheiten, die uns bedrohen; eine niederschmetternde Diagnose; Zweifel, die uns plagen; Traurigkeit, die uns zu schaffen macht. Das alles sind reale „Feinde“ - auch wenn wir sie nicht mit den Augen sehen können.
Und schließlich gilt unser heutiges Bibelwort auch im Blick auf den Teufel, den Jesus oft einfach „den Feind“ genannt hat. Wenn wir Jesus nachfolgen und ihm gehören – dann ist da jemand, der uns das nicht gönnt; der uns dafür hasst; der uns wieder von diesem Weg mit Gott abbringen möchte. Das ist eine Realität, die wir nur allzu schnell ausblenden oder im Alltagsgeschäft einfach vergessen. „Der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann“, schreibt der Apostel Petrus einmal.

All diesen Feinden gegenüber gilt uns heute dieses Versprechen: „Du, Gott, bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde! Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein!“ Gott hält uns fest. Jesus ist der Sieger über Hölle, Tod und Teufel. Er hat durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung diese finsteren Feinde besiegt und entmachtet! Daran gibt es keinen Zweifel! Und deshalb beschenkt er uns mit seinem Heiligen Geist, um uns innerlich froh und gewiss zu machen. Und er lädt uns zum Essen ein. Es ist kein Fehler, hier auch an das Abendmahl zu denken. In der Urkirche haben sie täglich das Mahl gefeiert, und in manchen Kommunitäten ist es heute noch so. Doch auch wenn uns diese Praxis heute so vielleicht nicht möglich ist: Gott lädt uns ein, bei ihm zur Ruhe zu kommen. Lassen Sie uns doch einen Versuch machen: Immer wenn wir heute beim Essen sind, halten wir inne und machen uns im Gebet bewusst: „Jesus, diesen Tisch hast du mir gedeckt. Ich berge mich jetzt in dir. Ich glaube und vertraue auf deinen Sieg. Du kennst meine Feinde und auch meine Angst vor ihnen. Bitte bewahre mich! Ich nehme dich beim Wort und freue mich schon jetzt auf die Zeit, wenn du und ich gemeinsam an einem Tisch sitzen und feiern werden!“

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