/ Wort zum Tag

Psalm 77,10

Bibelvers

Hat Gott vergessen, gnädig zu sein, oder sein Erbarmen im Zorn verschlossen?

Psalm 77,10

Das Bilderverbot kennen wir Christen (2. Mose 20,4-6). Ich soll mir kein Bild von Gott machen. Von Gott kann und darf es kein Bild geben. Jedes Bild, das ich mir von ihm mache, ist ein Produkt meiner Phantasie. Es erreicht nie seine Wirklichkeit. Das merke ich spätestens dann, wenn ich in eine Krise hineingerate so wie Asaph. Eines Tages konnte er nur noch fragen: „Hat Gott vergessen, gnädig zu sein oder sein Erbarmen im Zorn verschlossen?“ (Psalm 77,10). Und weiter sagt Asaph: „Ich sprach: Darunter leide ich, dass die rechte Hand des Höchsten sich so ändern kann.“

Auf einmal ist sein Bild von Gott in Frage gestellt. Er findet keine Ruhe. Quälende Fragen treiben ihn um. Gibt es keine Gnade mehr? Ist Gottes Erbarmen zu Ende? Will Gott nicht mehr helfen?

In welcher trostlosen Situation steckt der Beter? Wir wissen es nicht. Eine Krise hat viele Gesichter und Ursachen. Manchmal ist es so schlimm, dass einer nachts kein Auge mehr zubringt, keine Worte mehr findet, nur noch grübelt und die Angst ihn einschnürt. Wo ist Gott in solchen Zeiten? Warum antwortet er nicht, obwohl Menschen zu ihm schreien?

Es ist tröstlich, dass uns in der Bibel Menschen so ehrlich geschildert werden, auch so offen in ihrer Beziehung zu Gott. Solche Situationen, wie sie uns hier geschildert werden, kennen Sie möglicherweise auch aus eigenem Erleben. Ich kenne das auch. Aber wie gehe ich damit um?

In seiner Angst schreit der Beter zu Gott. Tag und Nacht. Wer aber so zu Gott schreit, ist nicht verloren. Gott hört unser Schreien, auch wenn er scheinbar nicht antwortet. Es bleibt nicht bei der Klage. Asaph, der Beter, kennt ja die Macht, die allein ihn retten kann. Auch wenn der Höchste schweigt, auch wenn seine rechte Hand sich geändert zu haben scheint oder wenn Gott sie zurückzieht oder wenn er sogar hart zupacken muss, damit wir ihm nicht davonlaufen. Dennoch bleibt Gott uns immer zugewandt.

So ist diese Krise für Asaph auch eine Chance für eine ganz neue Sichtweise. Als er nichts mehr erblickt, schaut er zurück. Als er nichts mehr begreift, stehen plötzlich die großen Taten Gottes vor seinem Auge. Gottes Handeln in der Geschichte wird für ihn zum Trost, denn Gott verändert sich nicht. Gott ist heilig. Seine Wegführungen sind zwar oft unverständlich für uns Menschen, aber letztlich sinnvoll. Aus seinem Nachdenken über Gott wird für Asaph ein persönliches Gespräch mit Gott. So kommt er auf einmal aus der Enge in die Weite. Gott hat ja eine lange Geschichte mit seinem Volk – und mit uns. Auch mit Ihnen und mir. Wer darüber nachdenkt, kann zum Staunen kommen. Im Rückblick wird für den Beter auf einmal die Spur Gottes sichtbar, so dass er z. B. sagen kann: „Dein Weg ging durch das Meer und dein Pfad durch große Wasser; doch niemand sah deine Spur“ (Vers 20). Mit anderen Worten: Gott war es, der beispielsweise das Volk Israel aus Ägypten entkommen ließ durch das Meer. Doch niemand sah anscheinend diese Spur Gottes. Ganz ergriffen stellt Asaph schließlich fest: „Du bist der Gott, der Wunder tut“ (nicht nur tat!) (Vers 15). Auch heute und selbst da, wo alles dagegen zu sprechen scheint. Das Wissen darum lässt mich auch in der Krise glauben, dass Gott mich nicht vergessen hat, dass er mir weiterhin gnädig ist, dass seine Barmherzigkeit mir gegenüber größer ist als sein Zorn.

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