/ Wort zum Tag

5. Mose 33,27

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Der Theologe und langjährige Lehrer am Missionsseminar in Hermannsburg, Reinhard Deichgräber, schreibt im Vorwort seines Buches „Zuflucht“: „Für niemanden schien das Wort 'Zuflucht' fremd zu sein. Für jeden gab es offenbar wichtige Erfahrungen in seiner Lebensgeschichte, die etwas mit Flucht und 'Zuflucht' zu tun hatten.“

Mir fallen sofort die Bilder aus meiner Kindheit ein. Im Haus meiner Eltern hatte ich mir unter der Kellertreppe eine Höhle als Zufluchtsort gebaut. Die Nische unter der Kellertreppe war so eng, dass nur Kinder sich bis zur Höhle durchzwängen konnten. Wie oft habe ich als Kind diese Höhle aufgesucht! Sie war mein Rückzugsort, an dem ich mich einfach einkuscheln konnte. Ich glaube, die meisten Bücher meiner Kinder- und Teenagerzeit habe ich in dieser Höhle gelesen. Sie war aber auch mein Rückzugsort, wenn ich Kummer hatte; mich von meinen Geschwistern oder Eltern ungerecht behandelt gefühlt habe und am liebsten weit, weit weggelaufen wäre, um den ungerechten Menschen um mich herum zu entfliehen.

Wo habe ich heute meinen Zufluchtsort? Oder brauche ich – brauchen wir als Erwachsene - keine Kuschelhöhle mehr und auch keinen Ort, an dem wir uns bergen können? Meine Lebenserfahrung weist genau in die entgegengesetzte Richtung. Wo finden die Kinder Zuflucht und Schutz, die unter der Vernachlässigung – vielleicht sogar unter der Gewalt - ihrer Eltern leiden? Wo findet der Kollege Zuflucht, der am Arbeitsplatz gemobbt wird; der Schikanen und Demütigungen zu ertragen hat und nur noch angstbesetzt zur Arbeit geht? Wo finden die Frauen Zuflucht, die unter der Gewalttätigkeit ihrer Männer leiden?

Mir stehen Bilder vor Augen, wie Menschenmassen in eine schützende Botschaft hineindrängen, um dem Hunger, der Verfolgung, manchmal dem sicheren Tod zu entfliehen. Es gibt unzählige Situationen, in denen auch wir Erwachsene eine sichere Burg, einen Ort brauchen, an dem wir geschützt sind, versorgt werden und von den Wunden heilen können, die wir uns in unserer Lebensgeschichte zugezogen haben. Es sind Wunden, die wir uns manchmal selbst zugefügt haben, aber auch, die uns geschlagen wurden.

„Zuflucht ist bei dem alten Gott.“ Ein Segenswort, ein Verheißungswort aus dem Alten Testament. Dem israelitischen Stamm Asser wird mit diesem Wort zugesagt, dass der Gott, auf dem die Väter vertraut haben, die Feinde des Lebens vertreiben und von ihnen abhalten wird. Der sichere Ort ist für diesen Stamm also nicht die Burg oder die Höhle, in der sie sich vor ihren Feinden verstecken können. Der sichere Ort ist die schützende und Leben schenkende Gegenwart Gottes.

Ich bin Gott dankbar, dass er mir den Glauben an ihn, die Quelle und den Schöpfer des Lebens, geschenkt hat. Dass ich mich zu jeder Zeit zu ihm flüchten kann, mit allem, was mir auf dem Herzen liegt und unter den Nägeln brennt.
„Zuflucht ist bei dem alten Gott“, heißt die Zusage Gottes für diesen Tag. In mir beginnt ein Lied zu klingen:
"Du bist mein Zufluchtsort.
Ich berge mich in deiner Hand,
denn du schützt mich Herr.
Wann immer mich Angst befällt, traue ich auf dich.
Ja ich trau auf dich,
und ich sage, ich bin stark in der Kraft meines Herrn.
Herr, ich trau auf dich!"
(Feiern und Loben Nr. 422)
Ich wünsche allen, die heute Angst haben, - um was oder wen auch immer - dass sie bergende Zuflucht finden bei dem alten und ewigen Gott, dem Vater Jesu Christi. So wie es das Wort Gottes heute verheißt: „Zuflucht ist bei dem alten Gott.“


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