/ Wort zum Tag

In Rufweite

Günter-Helmrich Lotz über 2. Chronik 18,4.

Die Machthaber dieser Welt gehen gern Bündnisse ein, um sich dadurch Verstärkung zu holen gegen andere Mächte. Wir sehen gegenwärtig, wie das Zurückweichen der USA als Weltmacht dazu führt, dass andere Mächte Verbindungen eingehen. So wollen sie mehr Einfluss gewinnen.

Das Ganze ist nicht neu. Bereits vor knapp 3000 Jahren lud Ahab, der König Israels, Joschafat, den König von Juda, zur Waffenbrüderschaft gegen Gilead ein. Ahab wollte gegen Ramot in Gilead ziehen und suchte Verstärkung. Die erste Reaktion von Joschafat: klar, da machen wir mit, wir sind doch Brudervölker. Doch dann kommt Joschafat noch ein anderer Gedanke. Bevor solch eine weitreichende Entscheidung getroffen wird, braucht es noch etwas. Vor einer wichtigen Weichenstellung geht es darum sich zu vergewissern, ob der eigene Plan auch dem Willen Gottes entspricht. Darum ist die Aufforderung an König Ahab ein wichtiger Zwischenschritt: Frage doch zuerst nach dem Wort des Herrn.

Doch wie soll das gehen? Wie kann man das Wort des Herrn erfragen für eine konkrete Situation? Nun, dafür hat Ahab 400 Propheten, die er antreten lässt. Ahab war Gott entfremdet und seine sogenannten Propheten eigentlich nur Speichellecker. Das heißt, sie sagten, was der König hören wollte. Zieh hinauf, ihr werdet siegen.

Joschafat kommt das nicht geheuer vor und deshalb fragt er, ob nicht noch ein echter Prophet Gottes da sei. Und damit kommt ein anderer Prophet ins Spiel namens Micha. Auf ihn ist König Ahab sauer, weil der ihm schon mehrmals ungeschminkt Gottes Nein zu den Absichten des Königs entgegen geschleudert hat. Aber in diesem Fall lässt er ihn trotzdem holen. Und zu aller Überraschung stimmt er in den Chor der 400 Propheten mit ein. Er beugt sich dem Druck der Erwartungen. Ahab ist so irritiert, dass er nachfragt. Daraufhin offenbart der Prophet, was Gott ihm wirklich gezeigt hat. Nämlich der Waffengang wird in einer Niederlage und mit dem Tod Ahabs enden. Trotz der Warnung wird der Marschbefehl erteilt. Und die Schlacht endet tatsächlich mit einer Niederlage und dem Ende von König Ahab.

Es lohnt sich, wenn auch wir auf Joschafat hören: „Frage doch zuerst nach dem Wort des Herrn“ Allzu leicht vergessen wir, nach dem Willen Gottes zu fragen. Stattdessen verlassen wir uns meist allein auf unsere Erfahrung, unser Bauchgefühl oder unsere feste Überzeugung.

Nun haben wir keinen Micha in Rufweite, den wir fragen können. Was können wir also tun? Nach Gottes Willen fragen heißt zunächst einmal, ihn selbst zu fragen. Gott gegenüber im Gebet ganz offen aussprechen, worin ich mir Klarheit wünsche. Diese Klarheit kann eintreten, indem sich ein innerer Frieden einstellt im Blick auf einen Plan. Die Klarheit kann entstehen durch die Entwicklung äußerer Umstände. Oder auch durch ein Bibelwort, das scheinbar unmittelbar in die eigene Situation hineinspricht.

Auch wenn wir keinen Micha in Rufweite haben. Es gibt aber Menschen, die schon länger mit Gott unterwegs sind, die in seiner Nähe leben und dadurch weise und hellhörig für Gottes Reden geworden sind. Die nicht andern nach dem Mund reden, sondern anderen schon zum Mund Gottes geworden sind. Es ist hilfreich, sich solchen Menschen mit seinen Fragen anzuvertrauen. Sich hinterfragen zu lassen und so sich so heranzutasten, was wohl Gottes Wille ist.


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