/ Lied der Woche

Eine Handbreit neben mir (4/7)

„Eine Handbreit neben mir“ – Dania König singt ein Lied von Albrecht Gralle und Johannes Nitsch.

Dieses Lied ist, wenn Sie so wollen, eine Bewusstseinsübung – jedenfalls kann man es so verstehen. Wer immer es singt, wer immer den Text spricht, macht sich bewusst: ich bin nicht allein, auch wenn außer mir niemand im Zimmer oder am Platz sein sollte. Ich bin immer in Gesellschaft. Zumindest einer ist immer da – der Gott Israels, von dem der König David schon vor dreitausend Jahren in Psalm 139 gesagt hat: „Du verstehst meine Gedanken von ferne“ – und sich dabei bewusst war: Gott ist ja gar nicht fern, er ist zum Greifen nah, er umgibt mich von allen Seiten. Ist quasi immer eine Handbreit neben mir.

Rund 2.850 Jahre nach David hat Karl Marx im Vorwort zu seiner „Kritik der Politischen Ökonomie“ behauptet: „Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“ Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Das mag im Einzelfall stimmen. Aber wenn es nach Albrecht Gralle und nach König David geht, dann stimmt das Gegenteil eben auch: Das Bewusstsein, dass Gott nur eine Handbreit neben mir oder noch näher ist, bestimmt unter Garantie auch mein Sein. Hat Auswirkungen darauf, wie ich mich verhalte – im privaten Bereich und natürlich auch in der Gesellschaft.

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