/ Anstoß - Gedanken zum Tag

So sollt ihr beten

Hans Wagner über Lukas 11,1.

Die Hände falten, den Kopf senken – das sind so die wesentlichen Punkte, die mir schon sehr früh in meiner Kindheit sagten: Das ist jetzt beten! Abends im Bett oder mittags am Tisch. In der Kirche kam dann irgendwann noch das Aufstehen dazu. In manchen Kirchen hat man sich auch hingekniet. Ich bin also quasi mit dem Gebet aufgewachsen. Und bis heute gehört es zu meinem Leben wie selbstverständlich dazu. Schließlich weiß ich ja auch, wie es geht.

Ich hatte immer gedacht, die Jünger Jesu vor 2000 Jahren wüssten dies auch. Schließlich hatten sie überwiegend jüdischen Hintergrund, da gehört das Gebet doch zu den täglichen Gepflogenheiten. Und dann dieser kurze, aber sehr prägnante Satz im 11. Kapitel des Lukasevangliums. "Herr, lehr uns beten!" Schauen wir etwas genauer hin: Jesus selbst beendete gerade eine Gebetszeit und einer seiner Jünger sagte zu ihm: "Herr, lehr uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte!" Gemeint war Johannes der Täufer. Dieser Wegbereiter Jesu, er hatte etwas Überzeugendes an sich. Und das offensichtlich nicht nur mit seinem Aufruf zur Buße, also zur Umkehr zu Gott, sondern auch mit seinem Gebetsleben. Das machte neugierig, das wirkte einladend. "So möchte ich auch beten können!" dieses Gefühl entstand wohl. Um so bemerkenswerter ist die Antwort, die Jesus gibt: Er spricht das erste Vaterunser! "So sollt ihr beten."

Wenn ich die Worte dieses Gebetes, die ich dort lese und die ich ja eigentlich auch auswendig kann, noch mal bewusst an mich heranlasse - von Jesus gesprochen - dann spüre ich auch wieder etwas von der Neugier nach Gott und von seiner Einladung - ich spüre seine Nähe.


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