/ Anstoß - Gedanken zum Tag

Friedfertig wie Jesus

Bibelvers

Christus hat euch ein Vermächtnis hinterlassen, damit ihr seinen Spuren folgt. Er schmähte nicht, wenn er geschmäht wurde, er drohte nicht, wenn er leiden musste, sondern stellte es dem anheim, der gerecht richtet.

1. Petrus 2,21.23

„Auge um Auge. Zahn um Zahn!“ Dieser Satz aus der Bibel wird gerne dafür hergenommen, um zu zeigen, welch rachsüchtige Ideen in der Bibel verbreitet werden. Menschen zu allen Zeiten haben diesen Satz tatsächlich für sich in Anspruch genommen, um ihrem persönlichen Rachefeldzug den Schein der biblischen Legitimation zu verleihen. Doch diese Vorgehensweise ist aus mindestens zwei Gründen verwerflich. Erstens war die Aussage „Auge um Auge. Zahn um Zahn“ schon im Alten Testament als eine Einschränkung von Gewaltexzessen gemeint. Wem etwas gestohlen wurde, wer einen Angehörigen durch Gewalt verloren hatte, oder ein Körperteil, der sollte nicht das zigfache zurückfordern oder gar mehrere Verwandte des Täters verletzen oder töten. Was übrigens durch das Gebot: „Du sollst nicht töten!“ schon an sich verboten war. Außerdem sollte es auf einer Ebene bleiben. Heißt: Für eine gestohlene Kuh sollte nicht etwa das Haus des Diebes niedergebrannt werden, sondern eben eine Kuh zurückgefordert werden können.

Zweitens wurde auch diese Aussage des Rachenehmens - wenn man es denn überhaupt so nennen will - von Jesus außer Kraft gesetzt. Daran erinnert auch der Apostel Petrus. In einem seiner Briefe schreibt er: „Christus hat euch ein Vermächtnis hinterlassen, damit ihr seinen Spuren folgt. Er schmähte nicht, wenn er geschmäht wurde, er drohte nicht, wenn er leiden musste, sondern stellte es dem anheim, der gerecht richtet.“ (1. Petrus 2,21-23) Heißt doch konkret: Nehmt euer vermeintliches Recht nicht selbst in die Hand, sondern überlasst Gott das Richten. Gut - Petrus spricht ausdrücklich nur von Schmähungen und Leiden. Aber selbst diese Begriffe lassen viel Interpretationsraum übrig. Wer die Geschichte von Jesus kennt, weiß, was er alles erleiden musste. Und doch hat er nie selbst die Hand gegen die erhoben, die ihn geschlagen, bespuckt und gequält haben. Und er hat es auch anderen ausdrücklich verboten, die in seinem Namen Gewalt üben wollten!

Wer also heute noch die Bibel als Legitimation für eigene Gewaltausbrüche verwendet, tut das gegen Gottes Willen und klare Anweisung. Und für mich bedeutet es im Alltag: Wenn ich beleidigt werde, beleidige ich nicht zurück. Und generell nehme ich mein Recht nicht selbst in die Hand - egal wie und wo.

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