/ Anstoß - Gedanken zum Tag

Träumen erlaubt

Ulrike Schild über 1. Chronik 29,15

Bibelvers

Denn wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir wie unsere Väter alle. Unser Leben auf Erden ist wie ein Schatten und bleibet nicht.

1. Chronik 29,15

Wenn Menschen vom Dunkel umfangen sind, scheinen sie oft total kraft- und antriebslos zu sein. Meist aber täuscht dieser Eindruck. Selbst im größten Unglück, in tiefster Dunkelheit, haben Menschen in aller Regel noch ein Bild, eine Ahnung davon, wie es denn sein könnte, wenn es all dieses Leid nicht mehr geben würde. Wenn sich ein solches Ahnen auch vielleicht nur noch in der resignativen Aussage: "Wenn doch mal alles vorbei wäre" zeigen mag. Trotzdem: Es gibt noch eine Vorstellung davon, wie es denn über den jetzigen Zustand hinaus noch sein könnte. Wirklich resigniert hat erst der, der keine Wünsche mehr hat. Solange ein Menschen sich noch etwas wünschen kann, solange ist auch noch Kraft in ihm.

Richtig wünschen zu können ist aber eine Kunst, die wir Erwachsenen oft verlernt haben. Kinder können das.

Außerdem: sich etwas zu wünschen, das ist mehr als nur etwas zu benennen, was ich geschenkt bekommen möchte, das ist mehr als ein momentanes Bedürfnis zu stillen. Kraftvolle Wünsche kommen aus der Tiefe und entspringen einer Sehnsucht, die zugleich das Bild einer anderen Wirklichkeit zeigt.

Im ersten Buch der Chronik, im Alten Testamenr steht: "Wir alle sind Fremdlinge und Gäste vor dir wie unsere Väter alle. Unser Leben auf der Erde ist wie ein Schatten und bleibet nicht". Wie gut: All das, was wir erleben an Schmerz, an Leid, an Hoffnungslosigkeit, an traumatischen Erlebnissen, an Ungerechtigkeiten, an Krieg und Terror hat nicht das letzte Wort.

In der Bibel ist noch von einer zukünftigen Stadt die Rede. Da wird Gerechtigkeit und Frieden sein.  Da wird uns der Schöpfer selbst begegnen. Das wird es keinen Mangel mehr geben, noch Tränen fließen. Da gibt es keine Schmerzen mehr. Was hindert mich daran....im Glauben zu träumen von einer besseren, heilen, hellen Welt.

Der Freude auf später - heute schon Raum zu geben. Das ist ein Zeichen von Lebendigkeit. Träumen ist erlaubt.


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