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„Asyl-Entscheidung ist hochsensibles Thema“

Evangelische Kirche fordert mehr Sorgfalt im Umgang mit Flüchtlingen.

Stellen Sie sich vor, Sie suchen Asyl in einem fremden Land. Man hört Ihnen gerade einmal 25 Minuten zu. Und dann wird über Ihr Wohl oder Wehe entschieden. Genau das passiert in Deutschland, sagt die Evangelische Kirche.

Der Hintergrund: 2015 drängten Hunderttausende Flüchtlinge in die Bundesrepublik. Schnelle Entscheidungen, wie es mit den Asylsuchenden weitergehen soll, waren das Gebot der Stunde. Doch inzwischen habe sich die Lage entspannt. Das Entscheidungstempo ist jedoch beibehalten worden. Die Folge: Oft stehen die Flüchtlinge in den sogenannten Ankunftszentren ohne einen Rechtsbeistand da.

Viele Entscheider der Asylanträge sin unterqualifiziert

Viele derjenigen, die über ihren Asylantrag entscheiden, seien unterqualifiziert, beklagt der Frankfurter Anwalt Reinhard Marx. „Die sind 2 bis drei Wochen ausgebildet worden und werden dann auf die Asylbewerber losgelassen.“ Aus Sicht von Marx ist das rechtswidrig. Viele Mitarbeiter in den Behörden würden sich mit der Situation in den Herkunftsländern nicht genug auskennen. Sie entscheiden über die Flüchtlinge, die sie oftmals nicht einmal gesprochen haben. Weil das Gespräch von einem anderen Kollegen geführt wurde.

Dolmetscher werden schlecht bezahlt

Ein weiteres Problem ist die Sprache: Es gäbe ausreichend gut ausgebildete Dolmetscher in Deutschland. Aber die gingen lieber in die Schweiz, weil sie dort besser bezahlt werden, sagt Katharina Stamm, Flüchtlingsexpertin der Evangelischen Kirche. Stattdessen würden Hilfskräfte eingesetzt.

Falsche Entscheidungen häufen sich

Die Folge: Eine unbekannte Zahl von Asylentscheidungen in Deutschland sei fehlerhaft. Die Evangelische Kirche fordert zusammen mit elf weiteren in der Flüchtlingsarbeit aktiven Partnern, den politischen Druck zu beenden, bis 2017 eine halbe Million Asylanträge zu entscheiden. Was unter Zeitdruck schiefgehen kann, weiß Günther Burkhardt von „Pro Asyl“. Er kennt den Fall von Syrern, die eine Christin aufgenommen hatten, und deshalb von Islamisten bedroht wurden.

Sie bekamen nur noch ein vorläufiges Bleiberecht in Deutschland. Erst nach 24 Monaten können sie ihre Familie nachholen. Was bleibt, ist die Angst vor der Abschiebung – und keine Perspektive auf dem deutschen Arbeitsmarkt.


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