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Ein Akt der Nächstenliebe?

Gesundheitsminister will Forschung an Demenzkranken erlauben.

Ist es nur ein Sturm im Wasserglas? Oder geht es tatsächlich um die Verletzung von Menschenrechten? Immerhin haben sich Bundestagsabgeordnete aus allen Fraktionen gegen Pläne des Bundesgesundheitsministers gewandt. Hermann Gröhe will Forschung an Demenzkranken erlauben – in sehr engen Grenzen und nur, wenn die Patienten sich früher mit einem Arzt beraten und dem zugestimmt haben. Gröhes Argument: Bereits jetzt ist in Patiententestamenten viel mehr möglich. Er verweist darauf, dass Menschen Behandlungen für sich selbst am Lebensende verweigern können.

Altruismus gehört zum christlichen Menschenbild

Ist es dann nicht noch ehrenhafter, wenn Menschen entscheiden: Meine Krankheit am Ende meines Lebens soll nachfolgenden Generationen nutzen, weil Ärzte vielleicht an mir neue Erkenntnisse gewinnen? „Zu meinem christlichen Menschenbild gehören auch altruistische Entscheidungen, die ich für andere treffe“, sagt Gröhe.

Als Beispiele nimmt er eine Mutter mit erblicher Demenz. Sie dürfte aus Liebe zu ihren Kindern, die erblich vorbelastet sind, einer Forschung an sich selbst zustimmen.

Forschung darf nicht abwandern

Eins möchte der deutsche Bundesgesundheitsminister auf keinen Fall: Dass sinnvolle Forschungen aus Deutschland abwandern. Denn die Bundesrepublik habe ethische Standards, die ihresgleichen suchten, sagt Hermann Gröhe.

Die Europäischen Kontrollbehörden hätten schon Medikamente vom Markt genommen wegen schlechter Standards beispielsweise in Indien.

In der Diskussion um die Forschung an Demenzkranken hat der Bundesgesundheitsminister entscheidende Personen auf seiner Seite: den Vorsitzenden des Deutschen Ethikrats und Mitglieder unabhängiger ärztlicher Ethikkommissionen. Gröhes Argument: Nächstenliebe könne auch darin bestehen, sich für die Forschung zur Verfügung zu stellen.


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