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9/11 - Ist seither wirklich nichts mehr, wie es war?

Vor 15 Jahren ereigneten sich die Terrorangriffe auf das World Trade Center und das Pentagon.

Fassungslos stand ich am frühen Nachmittag des 11. September 2001 im Besprechungsraum vor dem Fernseher. Ich konnte das nicht glauben, was da auf dem Bildschirm zu sehen war. Zwei Flugzeuge rammten nacheinander die Türme des World Trade Centers in New York. Sie drangen in die Hochglanzfassaden ein, wie ein Messer in die Butter. Mein erster Gedanke war: „Pearl Harbor 2.0“ – das ist eine Kriegserklärung.

Von wem sie kam, das klärte sich erst Stunden später. Als dann eine Gruppe namens Al Kaida die Verantwortung für diese Taten übernahm, als bekannt wurde, dass auch das Pentagon attackiert worden war, da sagte ein Kommentator den Satz, den sämtliche Medien aufgriffen: Nach diesen Anschlägen ist nichts mehr, wie es war. Sieht man einmal von der allgemeinen Entrüstung über diese neue Dimension eines global agierenden islamistischen Terrors ab – was ist eigentlich nicht mehr so, wie es vorher war? Das habe ich mich schon wenige Tage nach diesen Attentaten gefragt.

Suggerierte Sicherheit

Es gab einerseits äußerst paranoide Reaktionen – vor allem in den USA. Aber auch bei uns. Vor amerikanischen Einrichtungen in Deutschland marschierte ein bedrohlich wirkender Sicherheitsapparat auf, als könnten ein paar Panzerfahrzeuge und schwer bewaffnete Soldaten zu allem entschlossene Selbstmörder aufhalten. Ausdruck allgemeiner Ratlosigkeit und der Versuch, den Menschen eine Sicherheit zu suggerieren, die gerade blutig ad absurdum geführt worden war.

Andererseits reagierten die so genannten „Märkte“ geradezu paradox. So sank der Ölpreis erstaunlich und erfreulich. Jahre später sickerte durch, dass das auf Druck der Politik auf die Ölkonzerne geschehen war. Damit sollten eine Massenpanik und Hamsterkäufe verhindert werden.

Der Terror hat sich verändert

Viel war und ist seither auf den politischen Bühnen der Welt die Rede davon, dass sich die Welt nun an solche Szenarien gewöhnen müsse. Kann man nach 15 Jahren zustimmen, dass diese Prognose Wirklichkeit geworden ist?

Ich denke, nein. Der global vernetzte Terror hat sich in ganz andere Richtungen entwickelt. Weg von der spektakulären, punktuellen und nicht vorhersehbaren Einzeltat hin zu vielen Nadelstichen. Weg von der straffen Führungsstruktur zu lockeren Netzwerken, deren Aktionen nur oberflächlich koordiniert sind. Die Kommunikation dieser Netzwerke wird inzwischen empfindlich und oft erfolgreich gestört. Die Sicherheitsbehörden aller betroffenen Länder sonnen sich gern im medialen Glanz eines „erfolgreichen Schlages gegen den internationalen Terrorismus“.

Einschränkung persönlicher Grundfreiheiten

Allerdings zahlen wir dafür einen hohen Preis: Eine immer weiter ins Leben des Einzelnen eingreifende Einschränkung persönlicher Grundfreiheiten. Und es ist zu erkennen, dass eine freie, demokratische und liberale Gesellschaft und Staatsordnung uns nicht sicher vor Terror schützen kann. Terror gehört spätestens seit dem 11. September 2001 zu den allgemeinen Lebensrisiken, wie ein tödlicher Autounfall oder eine unerwartete Krebsdiagnose.

Für die Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts mag es eine bittere Lektion sein. Technischer und medizinischer Fortschritt, ungeahnte Kommunikationsmöglichkeiten und globale Vernetzung, können nicht darüber hinwegtäuschen: Wir sind nicht Herren der Welt. Wir sind nicht Herren unseres Geschickes. Es ist nichts nicht mehr, wie es vorher war. Es ist so, wie es war von Anbeginn. Wir stehen in Gottes Hand.


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