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Gauck und der Reformator

„Die Freiheit, von der Luther sprach, ist ein Geschenk, das an keine Vorleistung gebunden ist. Gott hat die Menschen bedingungslos angenommen. Und das macht den Menschen frei, nicht um sich selbst zu kreisen, sondern frei zu sein, eigenständig zu denken, zu glauben und auch verantwortlich zu handeln.“ Joachim Gauck würdigte in der Stadtkirche zu Wittenberg am 15. Juni anlässlich einer Tagung des Lutherischen Weltbunds den großen Reformator Martin Luther.

Ein Wegbereiter zur demokratischen Bürgergesellschaft

Luther habe in Wittenberg die ersten Gottesdienste auf deutsch eingeführt. Jedermann konnte auf einmal die Botschaft der Liebe Gottes verstehen. Viele Menschen wurden sich ihres Wertes vor ihrem Schöpfer bewusst. Und sie reagierten darauf.  Luther nannte das das Priestertum aller Gläubigen. Gauck versteht es „als Schritt zur Teilhabe, Mitbestimmung, ja hin zu der demokratischen Bürgergesellschaft, in der wir heute leben dürfen. Eine Errungenschaft der Reformation, die mir persönlich viel bedeutet, denn sie wurzelt zugleich in der Entdeckung der Würde des Individuums vor Gott, was zu großer innerer Freiheit führt.“

Mauerfall im Geiste Martin Luthers

So hat Luthers Botschaft Auswirkungen bis heute, sagt der deutsche Bundespräsident und ehemalige Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde. Für Joachim Gauck stehen die, die am Fall der Berliner Mauer 1989 beteiligt waren, in der Tradition des Reformators.

„Als auf dem Gebiet der DDR eine Bewegung entstand, die später zur friedlichen Revolution wurde, da waren es vor allem protestantische Christenmenschen, die im ganzen Land aktiv wurden, übrigens aus einer Minderheitensituation heraus.“

Wusste Luther selbst um seine Wirkung?

Gaucks Überzeugung: Martin Luther hat die deutsche Geschichte bis heute geprägt. Sie lässt sich nicht begreifen ohne den Mann, der die Liebe Gottes zum Menschen und die daraus folgende individuelle Würde neu entdeckt hat. Aus einem kleinen Mönch wurde ein Gestalter Europas.

„Manchmal frage ich mich, ob Martin Luther sich der Nachhaltigkeit und Wirkungskraft seiner Impulse bewusst war.“

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