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Der Westfälische Frieden von 1648

Die Reformation war gerade einmal 100 Jahre alt, als die Spaltung Mitteleuropas in zwei Konfessionen einen Krieg auslöste, der sich über 30 Jahre hinzog und an dessen Ende ganze Landstriche Deutschlands verarmt, wenn nicht gar entvölkert waren. Von 1618 bis 1648 zogen die Heere der beiden Kriegsparteien, der „Katholischen Liga“ und der „Protestantischen Union“, quer durch das Land und zogen eine Spur des Todes und der Verwüstung. Versöhnung? Daran war offensichtlich nicht zu denken. Der Friedensschluss in Münster und Osnabrück beendete den Krieg – legte er auch die Konfessionsstreitigkeiten bei? Ein Interview mit ERF Plus Redakteur Michael Klein gibt Aufschluss.

ERF Medien: Michael, wie war das? Beendete der Friedensschluss auch die Konfessionsstreitigkeiten.

Michael Klein: Da muss man zunächst die Gegenfrage stellen: War die konfessionelle Spaltung Ursache oder nur willkommener Anlass zum Krieg? Die Historiker sind sich weitgehend einig, dass damals genau das passiert ist, was wir heute in der arabischen Welt beobachten, in der sich islamische Schiiten und Sunniten im Irak und in Syrien bis aufs Messer bekriegen: Aus dem unterschiedlichen religiösen Bekenntnis ließ sich politisches Kapital schlagen. Und für die Machtpolitiker der damaligen Zeit war die Religion ein Herrschaftsinstrument.

ERF Medien: Welche Interessen hatten denn die verschiedenen Parteien?

Michael Klein: Der katholische deutsche Kaiser aus dem Haus Habsburg wollte seine Hausmacht gegenüber den weitgehend autonomen deutschen Fürsten stärken. Einige dieser Fürsten hatten die Reformation nur angenommen, um die Allianz zwischen Kirche und Kaiserhaus zu schwächen. Und des Kaisers Gegenspieler, der französische König Ludwig XIV, wollte Frankreichs Ostgrenze bis an den Rhein vorschieben. Dritter Faktor dieses Ränkespiels war Schweden, damals die Hegemonialmacht des Ostseeraumes. König Gustav Aldolf verstand sich als Schutzpatron der Protestanten – was ihn nicht hinderte, sich mit dem katholischen Frankreich zu verbünden, dessen Ministerpräsident Kardinal Mazarin in Frankreich selbst brutal gegen die Hugenotten vorgegangen war.

Man nahm also die vorhandenen Ressentiments zwischen katholischer und evangelischer Bevölkerung auf, instrumentalisierte sie politisch und trieb Europa damit in einen Krieg, der sich zur Urkatastrophe der Neuzeit entwickelte. Mehr als 25 Jahre sollte es dauern, bis sich die Kriegsschauplätze – vor allem in Mitteldeutschland und am Niederrein – vom Bevölkerungsverlust und den Kriegszerstörungen erholt hatten.

ERF Medien: Wie kam es dann zum Frieden?

Michael Klein: Es war ein Erschöpfungsfrieden. Keine Partei hatte am Ende noch die Ressourcen, schlagkräftige Heere zu rekrutieren und zu unterhalten. Sie waren im wahrsten Sinne des Wortes ausgeblutet. Diese Heere lebten ja aus dem Land. Und seither kennt unsere Sprache das Wort „verheerend“. Denn wo ein Landsknechtshaufen durchgezogen war, da war fast nichts mehr lebendig.

ERF Medien: Hieß „Frieden“ damals auch „Versöhnung“?

Michael Klein: Es gab sicher Menschen, die mit tiefer innerer Überzeugung gegen die „Ketzer“ des jeweils anderen Lagers zu Felde zogen. So wie es heute Salafisten gibt, die sich zur angeblich höheren Ehre Gottes in die Luft sprengen. Es gab aber auch sicher viele, die einfach in Ruhe ihren Glauben leben wollten und das ihren Mitmenschen anderen Glaubens auch zugestanden.

Ein Beispiel dafür ist die Pfalz. Nach dem Grundsatz, dass der Landesherr die Konfession seiner Untertanen bestimmen darf, mussten die armen Pfälzer ständig hin und her konvertierten – je nachdem, ob ein neuer Kurfürst sich von einem Konfessionswechsel politische Vorteile versprach. Im Gefolge des westfälischen Friedens setzten die Stände, eine Art früher Volksvertretung, dann die sogenannte „pfälzische Kirchenteilung“ durch. Jeder durfte seine Konfession behalten. Und bis heute gibt es in der Pfalz seit dieser Zeit auffallend viele sogenannte Simultankirchen, die seit 350 Jahren von beiden Konfessionen friedlich und mit größter Selbstverständlichkeit gemeinsam genutzt werden.

ERF Medien: Herzlichen Dank für das Interview.

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