/ Aktuelles vom Tag

Lohnendes Ausflugsziel

Versöhnung zwischen Völkern Teil 2: Glienicker Brücke − Symbol für Versöhnung

„Die Mauer wird noch in 50 oder in 100 Jahren stehen.“ Das hatte der Staatsratsvorsitzender der DDR, Erich Honecker, noch im Januar1989 verkündet. Doch am 9. November 1989 kam alles ganz anders. Die Mauer fiel und damit brach auch der eiserne Vorhang zwischen Ost und West zusammen. Versöhnung wurde möglich. Für Andreas Odrich, Leiter der Redaktion Aktuelles und Gesellschaft bei ERF Medien, ist die Glienicker Brücke über die Havel zwischen Berlin und Potsdam ein besonderes Symbol der Deutschen Teilung und Wiedervereinigung. Anlässlich des ERF Monatsthemas Versöhnung haben wir mit ihm darüber gesprochen.

ERF Medien: Andreas, du kennst die Glienicker Brücke aus Mauerzeiten, warum hast du sie als Beispiel ausgesucht?

Andreas Odrich: Ich bin Jahrgang 1959. Ich bin in West-Berlin geboren und der Mauerbau hat meine Kindheit geprägt. Unter anderem bei Ausflügen zum Wannsee. Dort konnte man sehr schöne Dampferfahrten machen. Nur an der Glienicker Brücke war Schluss. Da musste das Schiff wieder umkehren. Und ich merkte als Kind, wie die Stimmung der Erwachsenen immer gedrückter wurde, je näher wir der Brücke kamen.

ERF Medien: Wie hat sich das geäußert?

Andreas Odrich: Die Gespräche wurden gedämpfter, man zeigte auf die andere Seite der Havel, die Mauer, die sich dort am anderen Ufer entlang schlängelte und auf die Boote der DDR-Grenzpolizei und dann sagten die Leute: „Wenn da drüben jemand ins Wasser springt, dann wird er erschossen“. Und die Glienicker Brücke tat dann ihr Übriges. Sie wirkte mit ihrer düster-schwarzen Eisenkonstruktion auf einen Fünfjährigen besonders bedrohlich. 

ERF Medien: Geradezu paradox ist ja, dass die Glienicker Brücke den Namen „Brücke der Einheit“ trägt. Wie ist es denn dazu gekommen?

Andreas Odrich: Den Namen „Brücke der Einheit“ bekam sie bei der Wiedereröffnung im Dezember 1949. Und da war die Beziehung zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion schon ziemlich angespannt und der Kalte Krieg bahnte sich an. Wie ein Fanal muss dann auch der dicke weiße Strich gewirkt haben, der schon bei der Eröffnung mitten über die Fahrbahn gezogen wurde als Demarkationslinie zwischen Ost und West. Im Mai 1952 war dann übrigens bereits Schluss für den allgemeinen Autoverkehr. Die Brücke war dann nur noch zugänglich für Alliierte und Zivilisten mussten eine Sondergenehmigung beantragen.

ERF Medien: 1961 wurde die Mauer gebaut und damit die Deutsch-Deutsche Teilung betoniert. Und das galt dann auch für das Verhältnis zwischen Ost und West insgesamt. Wie war denn das Lebensgefühl in der damaligen Zeit?

Andreas Odrich: Je länger die Teilung dauerte, desto mehr wurde sie auch zu einem Dauerzustand in den Köpfen. Gerade die damals jüngere Generation hatte ja nichts anderes kennengelernt. Die Teilung der Welt in Ost und West war in unseren Köpfen quasi gegeben und damit fest verankert. Und damit ist ein weiteres Paradoxon verknüpft: Die Teilung gab eine gewisse, aber trügerische Sicherheit. Man hatte sich in diesen scheinbar unumkehrbaren Verhältnissen eingerichtet. Jeder wusste, wo der Gegner steht. Die gegenseitigen Schuldzuweisungen waren klar verteilt. Ost und West hielten sich gegenseitig in Schach. Allerdings durch ein ständig wachsendes Wettrüsten. Ein teuflischer Friede, gegen den in den 70er und 80er Jahren immer mehr Menschen aufbegehrten. Erste Impulse gab es durch Solidarnosc in Polen und ermutigt dadurch von den Menschen in DDR, die die Bevormundung durch das SED-Regime nicht länger hinnehmen wollten und schließlich in die Kirchen und auf die Straßen gingen und mit Gottes Hilfe die friedliche Revolution herbeiführten.

ERF Medien: Mit welchen Gefühlen siehst du heute die Glienicker Brücke?

Andreas Odrich: Ich finde es immer noch bewegend und erhebend, dass dort seit 1989 freie Fahrt herrscht. Und wann immer ich zwischen Berlin und Potsdam unterwegs bin, nutze ich ganz bewusst den Weg über die Glienicker Brücke. Ich bin den Menschen in der DDR, den Polen und einem Gorbatschow sehr dankbar, dass sie wesentlich dazu beigetragen haben, dass diese riesigen von Menschen gemachten, scheinbar unüberwindbaren Machtblöcke wie ein Kartenhaus zusammengefallen sind. Und ich sehe darin ein klares Zeichen dafür, was geschehen kann, wenn Menschen sich mit Gewaltlosigkeit artikulieren, sich mit Gebeten an Gott wenden statt zu den Waffen zu greifen. Für mich ist die friedliche Revolution eines der größten Wunder Gottes in der Neuzeit, das wir nicht verspielen dürfen, und die offene Glienicker Brücke ist für mich dafür zu einem ganz wichtigen Symbol geworden.

ERF Medien: Vielen Dank für das Gespräch.


Mehr zu unserem Montas-Thema Versöhnung finden Sie in unserer Zeitschrift ANTENNE und auf unserer Sonderseite zum Thema.

Webseite der Glienicker Brücke


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Cookies helfen uns, Ihr Benutzererlebnis zu verbessern. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie unseren Datenschutz und Cookie Richtlinien sowie der Speicherung von Daten im Rahmen des EU-US Privacy Shield zu. Mehr erfahren