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Evangelische Kirche diskutiert mit AfD

Soll die AfD aus der politischen Diskussion ausgegrenzt werden? In Rheinland-Pfalz kam es über diese Frage zum Eklat. Ministerpräsidentin Malu Dreyer wollte nicht mit ihrem Kontrahenten vor die Fernsehkamera treten.

Anders entschieden hat sich der oberste Repräsentant der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Heinrich Bedford-Strohm. Er saß bei Anne Will neben Beatrix von Storch von der AfD.

Heinrch-Bedford Strohm ergriff, wie nicht anders zu erwarten, Partei für diejenigen, die derzeit aus Syrien und anderen Krisenländern nach Deutschland kommen.

Bedford-Strohm: „Es geht um Leben oder Tod“

Zu der Forderung, Flüchtlinge an Deutschlands Grenzen abzuweisen, sagte er:

„Die kommen nicht aus Lust und Laune in unser Land. Sondern die sind in schlimmer Not. Da geht’s um Leben oder Tod.“ Wenn es sich bei den Grenzschließungen nicht um eine Symboldebatte handle, müssten ihre Befürworter sagen: „Wohin sollen die Flüchtlinge, die an Deutschlands Grenzen zurückgewiesen werden?“

Eine Antwort darauf blieb Hans-Peter Friedrich, CSU, schuldig. Stattdessen stellte der ehemalige Bundesinnenminister die Frage: „ Was ist christliche Nächstenliebe? Unsere Pflicht ist, den Menschen in ihren Ländern eine Perspektive zu bieten.“  

Die Situation der Menschen in ihren Heimatländern verbessern. Damit sie keinen Grund mehr zur Flucht haben. Das war Konsens an diesem Abend im ARD-Talk bei Anne Will.

Friedrich: Schließen der Grenzen macht „nicht schuldig“

Friedrich forderte allerdings auch einen Stopp der unbegrenzten Einreise. Die Botschaft müsse lauten: „Ihr könnt nicht alle kommen. Ihr braucht euch gar nicht auf den Weg machen. Denn es ist auch nicht sehr christlich, den Menschen Hoffnungen zu machen, die sich nicht erfüllen lassen.“ Die Frage von Moderatorin Anne Will, ob sich derjenige, der sich entschließt, die Grenzen zu schließen, am Leid der Menschen schuldig macht, beantwortete Friedrich klar mit „Nein“.

Laschet: Deutschland kann mehr bewältigen

Armin Laschet hingegen stellte sich auf die Seite der Bundeskanzlerin. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende betonte: Die Aussage von Angela Merkel „Wir schaffen das“ gelte immer noch. Er verwies auf die Situation in seiner Heimatstadt Aachen mit 4.000 bis 5.000 Flüchtlingen: „Das ist viel. Aber es gibt Menschen, die gehen durch Aachen und haben noch nie einen Flüchtling gesehen.“ Deutschland könne noch mehr Flüchtlinge bewältigen. „Aber nicht wieder eine Million!“

Einen kompletten Einreisestopp für alle – auch für Asylberechtigte – forderte Beatrix von Storch. Das eigentliche Problem aus ihrer Sicht sei Angela Merkel. Die deutsche Asylpolitik ziehe Menschen wie ein Magnet an, sagte die AfD-Europaabgeordnete. Sie sprach von „der schwersten Krise, die wir seit dem Krieg hatten.“ Die Verantwortung dafür schob von Storch der Bundeskanzlerin zu.

Von Storch: Angela Merkel wird Deutschland verlassen

Von Storch prophezeite Angela Merkels Abwahl. Sie werde Deutschland aus Selbstschutz verlassen müssen. Diese Aussage stieß beim Publikum auf allgemeines Gelächter.

Nicht nur die Stimmung, auch der Austausch der Argumente beim Talk bei Anne Will in der ARD zeigte deutlich: Eine demokratische Diskussionskultur in Deutschland ist möglich – auch beim Thema der Flüchtlingsströme und auch wenn das Spektrum vom EKD-Ratsvorsitzenden bis hin zur AfD- Politikerin reicht.

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