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Gefoltert, verstümmelt, ermordet

Christen kämpfen für Versöhnung in Simbabwe

Eigentlich sollten sie Demokratie und Freiheit stärken: Die Wahlen 2008 in Simbabwe. Doch der Geheimdienst und die Polizei von Diktator Robert Mugabe gingen massiv gegen Regierungsgegner vor. Pastor Danisa Ndlovu kennt das Leid der Opfer: „Die Menschen haben in sich eine unglaubliche Aggression angestaut. Ich haben einen Mann erlebt, der sagte: „Ich spreche heute zum ersten Mal über etwas, das bisher nur meine Frau und ich wussten.“ Dann erzählte er mir, wie er gefoltert wurde.“  Ein anderer habe erzählt, wie er den Kopf seines Verwandten umhertragen musste als Beweis, dass er getötet worden war. Diese Qualen tragen die Menschen täglich in sich.

Taten statt Worte

Danisa Ndlovu gehört zum Forum ökumenischer Kirchenleiter in Simbabwe. Hier haben sich Christen verschiedener Kirchen zusammengeschlossen. Sie wollen nicht einfach dem Leid in ihrem Land tatenlos zusehen. Stattdessen engagieren sich gemeinsam für die Versöhnung.

„Wir betrachten uns selbst als Kirche des Friedens. Aber es ist eine Sache, nur darüber zu reden oder sich tatsächlich in Friedensaktionen zu engagieren.“ Es gebe viele Menschen, die sich nach Frieden sehnen. Wenn es konkret wird, fielen sie aber oft in die vertrauten Muster der Gewalt zurück. Daher veranstalten die Christen Friedenstrainings. Sie machen deutlich: Wenn ich eine Persönlichkeit des Friedens sein möchte, dann muss ich auch so reagieren, dass es den Frieden fördert. „Qualvolle Situationen werden kommen. Doch wie ich auf sie reagiere, liegt in meiner eigenen Verantwortung“, sagt Ndlovu.

Feinde reden miteinander

Zu den Friedenstrainings kommen nicht nur Menschen, die  bereits entdeckt haben, wie wichtig Versöhnung ist. Die Christen des Forums ökumenischer Kirchenleiter schaffen es, erbitterte Feinde aus den verschiedenen politischen Lagern an einen Tisch zu bringen. Sie fangen an, über die Konflikte in ihren Gemeinschaften zu sprechen. „In vielen dieser Workshops haben wir erlebt, wie sich Täter und Opfer der Gewalt miteinander versöhnt haben. Sie fangen an, miteinander an der Frage zu arbeiten: Wie können wir zukünftige Konflikte untereinander lösen?“ Die Folge davon seien sogenannte Friedenskomitees, die von der Dorfgemeinschaft gewählt werden.

Darin sitzen Bauern, Krankenschwestern, Lehrer, Politiker und sogar Vertreter der Polizei. Dort wo es inzwischen die Friedenskomitees gibt, ist sei Kriminalitätsrate gesunken. Die Polizei bringe Menschen zu den Komitees, damit sie dort ihre Streitigkeiten schlichten. „Sie sind so etwas wie Augen, Ohren und Hände für die Sache des Friedens geworden. Auch die Fälle von Scheidung und Ehebruch sind zurück gegangen durch das Friedensengagement.“

Versöhnung trotz Widerstand

Die Arbeit des Forums ökumenischer Kirchenleiter in Simbabwe ist nicht leicht. Immer wieder werden Mitarbeiter vom Mugabe-treuen Sicherheitsdienst inhaftiert. Doch das sei der Preis, den es zu zahlen gelte, wenn Christen sich für den Frieden engagieren. Pastor Danisa Ndlovu verweist auf den Apostel Paulus, der in der Bibel bekennt: „Obwohl ich Gottes Feind war, hat er sich durch Christus mit mir ausgesöhnt und mir den Auftrag gegeben, seine Versöhnungsbotschaft zu verbreiten“. Das sei auch Gottes Auftrag für die Christen in Simbabwe. Pastor Ndlovu bekennt: „Gott segnet uns, damit wir in alle Lebenssituationen hinein Frieden und Versöhnung bringen. Für uns ist Frieden keine Lehre oder ein Dogma, sondern eine Lebensweise.“


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