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Evangelische Kirche uneins über Syrien-Kampfeinsatz

Bedford-Strohm: Polizeieinsatz wäre besser

Deutschland wird sechs Tornado-Kampfflugzeuge zur Aufklärung nach Syrien senden. Außerdem wird die Bundeswehr ab Januar ein Tankflugzeug und ein Kriegsschiff in den östlichen Mittelmeerraum schicken. 1.200 Soldaten sollen die Allianz gegen den IS in der Führung unterstützen. So hat es am Freitag der Deutsche Bundestag beschlossen. Was sagt die Evangelische Kirche in Deutschland dazu?

Landeskirchen uneins

Die verschiedenen Landeskirchen sind sich uneins. Der oberste Repräsentant der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, benennt das Dilemma: In der Anwendung von Gewalt liege einerseits nie Segen. „Töten ist immer mit Schuld verbunden. Andererseits kann es auch moralisches Versagen sein, den Menschen, die faktisch unter Terror und Gewalt leiden, einen effektiven Schutz schuldig zu bleiben.“

Letztere Meinung vertritt beispielsweise der Präsident der reformierten Kirchen in Deutschland, Martin Heimbucher. Er bezeichnet den deutschen Militäreinsatz in Syrien als eine «christlich verantwortbare Position». Allerdings unter einer Bedingung: Weiterhin müssten alle politischen und zivilen Mittel für einen möglichen Frieden genutzt werden.

Zweifel am Erfolg der Mission

Heinrich-Bedford Strohm hingegen ist skeptisch, was den Erfolg der Militärmission angeht: „Meine Sorge ist, dass wir den Möglichkeiten von Kriegseinsätzen einmal mehr zu viel zutrauen. Wenn ich überzeugt wäre, dass diese Maßnahmen in Syrien und Irak die Waffen von Bürgerkriegsparteien und IS-Mörderbanden zum Schweigen bringen und den Nährboden für Terrorismus austrocknen würden, dann würde ich sie befürworten.“

Auch der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms, lehnt den Syrien-Einsatz der Bundeswehr ab. Militärische Gewalt dürfe nur das äußerste Mittel sein. Sein größter Kritikpunkt: Es fehle das UN-Mandat.

Polizeieinsatz als Alternative

Doch was wäre die Alternative gewesen? Wie könnte dem Morden und Terror des sogenannten Islamischen Staats auf andere Weise Einhalt geboten werde? Der Ratsvorsitzende Heinrich-Bedford Strohm plädiert für einen Polizeieinsatz, wie er auch in der ökumenischen Friedensethik angedacht sei.

Bedford-Strohm muss allerdings anerkennen: Eine internationale Polizeitruppe müsste gegen die Panzer des IS gerüstet sein. Sie würde sich kaum von einem Militäreinsatz unterscheiden.

Eine einheitliche Meinung zum Syrien-Einsatz, geschweige denn die ethisch richtige Position maßt sich die Evangelische Kirche in Deutschland also nicht an.

Folgerichtig ist deshalb auch die Haltung ihres Ratsvorsitzenden zur Entscheidung im Deutschen Bundestag: „Ich will ausdrücklich sagen, dass Christen, die aus ihrem Glauben heraus hier eine verantwortliche politische Entscheidung zu treffen haben, zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen können.“


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