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Nächstenliebe: eine saubere Sache

Hygienecenter am Bahnhof Berlin-Zoo eingeweiht

Nach einem kalten Tag einfach die heiße Dusche aufdrehen, das ist für die meisten Menschen in unserem Land völlig normal. Für Menschen ohne Obdach ist das aber etwas ganz Besonderes. Und auch die ganz normale Körperpflege stellt für sie eine große Herausforderung dar.  Die Deutsche Bahn hat das erkannt und jetzt ein wichtiges Signal gesetzt. Zusammen mit der Berliner Bahnhofsmission hat sie am Donnerstag im Bahnhof Zoologischer Garten ein Hygienecenter für Obdachlose eingerichtet.

Sauberkeit auf 100 Quadratmetern

„Das dringendste Problem waren eigentlich die Toiletten. Die Frage: Wo verrichtest du deine Noptdurft?“ sagt der Chef der Berliner Bahnhofsmission Dieter Puhl. Anlieger hätten sich über mangelnde Hygiene beschwert. Jetzt sieht die Situation ganz anders aus. Auf 100 Quadratmetern gibt es Toilettenanlagen, Duschen, eine kleine Waschküche und Platz fürs Frisieren. 300.000 Euro hat die Deutsche Bahn dafür investiert. Ein Herzensanliegen von Bahnchef Rüdiger Grube: „Ich komme selbst aus ganz einfachen, ich will nicht sagen, armen Verhältnissen.“ Grube möchte mit dem Hygienecenter etwas zurückgeben von dem Glück, das er im eigenen Leben gehabt hat.

Zur Eröffnung des Hygienecenters am Bahnhof Zoo ist selbst für Berliner Verhältnisse erstaunlich viel Prominenz erschienen, auch der regierende Bürgermeister Michael Müller, SPD. Er sieht in den neuen sanitären Anlagen ein Zeichen der Wertschätzung für die Menschen, die jeden Tag hierher kommen. Eine vergleichbare Einrichtung gebe es bisher nur ein weiteres Mal in Europa – und zwar im Vatikan.

Ohne Ehrenamtliche geht es nicht

Die äußeren Bedingungen für eine gelingende Arbeit in der Bahnhofsmission am Zoologischen Garten sind also geschaffen. Doch die Arbeit lebt bereits seit Jahrzehnten von den Ehrenamtlichen. Der Sozialsenator von Berlin, Mario Czaja, CDU, würdigt ihr Engagement – und ruft zur Mitarbeit auf. Jede Stunde in der Bahnhofsmission oder einer anderen Einrichtung der Wohnungslosenhilfe sei gut investierte Zeit.

Die Möglichkeiten der Mitarbeit in der Bahnhofsmission sind vielfältig: von der Essensausgabe über die Verteilung neuer Kleidung bis zum persönlichen Gespräch. Ab sofort möchte Dieter Puhl einen besonderen Service im neuen Hygienecenter anbieten. Dafür sucht der Leiter der Bahnhofsmission allerdings noch Freiwillige mit einer besonderen Fertigkeit: Obdachlosen die Füße zu waschen und ihnen die Zehennägel zu schneiden. Nicht jedermanns Sache. Aber „durch und durch christliche Botschaft, gelebte Willkommenskultur“, wie Puhl betont.


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