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Mut zur Aggression!

Männertag in Brandenburg/Berlin

Morgens 9.30 Uhr in Oberkrämer am Nordrand Berlins. PKW aus allen Himmelrichtungen fahren vor dem Zentrum der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde vor. Bereits zum 5. Mal findet hier der Männertag Brandenburg/Berlin statt. Viele kommen zum wiederholten mal und haben gleich noch einen Freund mitgebracht.

Etliche Teilnehmer schätzen die Gemeinschaft, „dass man entdeckt, dass man viele Probleme als Männer gemeinsam hat.“ Eins hat Herbert Grönemeyer bereits 1984 besungen. Er landete bekanntlich einen Riesenhit mit der Frage „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Seitdem ist viel passiert im Selbstverständnis der Männer, sagt der Hauptreferent des diesjährigen Männertags, Konstantin Mascher von der Offensive Junger Christen.

Eine Karikatur des Weiblichen

Der Mann habe sich von der Machorolle gelöst. Das sei gut. Gleichzeitig sei er aber zu einer Karikatur des Weiblichen geworden. Von diesem Trend seien auch Christen nicht verschont geblieben. Mehrheitlich würde in Kirchen ein Zerrbild des Männlichen propagiert. Viele nehmen dabei fälschlicher Weise Jesus Christus als Vorbild in Anspruch. Dabei werde ein „blonder, blauäugiger, harmloser Jesus“ gezeichnet, der „immer lieb und barmherzig ist.“ Letzteres sei zwar nicht grundsätzlich falsch. Doch blende das die andere Seite des Zimmermanns aus Nazareth völlig aus.

Die andere Seite von Jesus

Er konnte aggressiv werden, wenn es um die Wahrheit, um die Sache Gottes ging. Er legte sich mit den Gelehrten seiner Zeit an. Er wandte sich gegen einen fromm verbrämten Kommerz, indem er Kaufleute aus dem Tempel vertrieb. All das zeige: Männliche Aggressivität gehört zur Schöpfung, sie ist aus Gottes Sicht gewollt. Mascher will dagegen den Begriff Aggression wieder positiv besetzen. „Herangehen, etwas angreifen, etwas anpacken, etwas umsetzen oder etwas verteidigen“, all das Stecke im Begriff der Aggressivität.

Aggression: Die Kraft, die etwas bewegt

Aggression – positiv eingesetzt – sei also etwas, das einem seinem Ziel näher bringen könne. Eine Kraft, die gesellschaftlich etwas bewegt. Im Gegensatz zur Gewalt: Die definiert Soziologe Konstantin Mascher als "ungezügelte Aggression". Deshalb sei die Kanalisierung von Aggression so wichtig. Der beste Beweis dafür: Kampfsportler seien kaum in Gewaltverbrechen verwickelt. Sie hätten gelernt, ihre Aggression in Bahnen zu lenken und Regeln zu unterwerfen.

Keine Angst vor Fehlern

Konstantin Mascher ruft die 130 Teilnehmer des Männertags Brandenburg/Berlin dazu auf, die eigene Aggression als treibende konstruktive Kraft neu zu entdecken. Dabei gelte es auch, die Angst davor abzulegen, etwas falsch zu machen. Heilige Männer seien die, die ihre Fehler bekennen und darüber hinauswachsen.

Gedanken, mit denen jeder der Teilnehmer des 5. Männertags Brandenburg/Berlin etwas anfangen kann. Weil sie nicht ausgrenzen, sondern ermutigen, sich selbst mit seiner eigenen Männlichkeit wieder ernst zu nehmen oder – wie es ein Teilnehmer formuliert – „endlich aus dem Knick zu kommen“.


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