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Wir trauen der Stabilität der Demokratie nicht

Kurt Biedenkopf über die Terroranschläge von Paris und PEGIDA

Für die Menschen in Sachsen ist er immer noch „König Kurt“. Der CDU-Politiker Prof. Kurt Biedenkopf. Auch er selbst ist noch immer aktiv daran interessiert, wie sich Sachsen entwickelt. Am Wochenende war er Gast bei der Veranstaltung „Glaube trifft Politik“ in der Landeskirchlichen Gemeinschaft Chemnitz.

Dort wie überall waren die schrecklichen Terroranschläge in Paris vom Freitagabend Thema. Ihm gehe „ein tiefer Schmerz durchs Herz“, wenn er an die Menschen denke, die betroffen sind, sagte Biedenkopf ERF Reporterin Regina König. Es müsse „schlimm sein, in einer Stadt zu leben, von der man wisse, dass sie nicht mehr sicher ist“, so der ehemalige Ministerpräsident.

Wenn es eine Islamisierung gäbe, wäre sie schon da

Die Angst der Menschen in Deutschland vor einer wachsenden Islamisierung kann Biedenkopf allerdings nicht teilen. Sie sei „schlichter Unfug“, so Biedenkopf und wörtlich fügt er hinzu: „Dann müssten wir sie längst haben. Denn wir haben alleine an Moslems fast fünf Millionen in Deutschland.“ 

An die Christen gerichtet zitiert Kurt Biedenkopf Kanzlerin Angela Merkel: „Wenn die Menschen nicht wollen, dass Deutschland islamisiert wird, dann sollen sie doch in die Kirche gehen“, macht er unmissverständlich klar. Und energisch fügt er hinzu: „Die Christen sind die überwältigende Mehrheit in Deutschland.“ Es ginge nicht, einfach so zu tun, als wolle man in Ruhe gelassen werden.

Keine Angst vor PEGIDA

Dass Tausende Sachsen montags bei PEGIDA auf die Straße gehen, findet Biedenkopf allerdings „keineswegs beunruhigend“, der sein Büro noch heute in Dresden hat. Die Leute seien vor neue Situationen gestellt, die ihnen völlig fremd sind. „Im Ruhrgebiet würde man nicht mehr wegen drohender Islamisierung auf die Straße gehen, weil die Türken dort seit drei Generationen wohnen“, so Biedenkopf weiter. Es sei eine alte Erfahrung, dass die Menschen vor dem Angst hätten, was sie nicht kennen. Das sei bei den PEGIDA-Kundgebungen auch der Fall. „Wenn es raus muss, dann muss es raus“, so Biedenkopf über die PEGIDA Demonstranten. „Unser Problem in Deutschland ist vielmehr, dass wir der Stabilität unserer Demokratie nicht trauen, und dass unsere Medienlandschaft den Zweifel an der Stabilität unserer Demokratie noch verstärkt“, sagt der ehemalige Ministerpräsident über den Umgang mit dem Phänomen PEGIDA.

Sich um die Flüchtlinge kümmern – jetzt die größte Herausforderung

Die größte Herausforderung in der jetzige Situation sei es, sich um die Leute zu kümmern, „die ein Recht und gute Gründe haben, hierher zu kommen, und dass sie bleiben, Deutsch lernen und arbeiten können“. „Hier ist schon eine ganze Menge in Gang“, stellt der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen aber auch fest.


Kurt Biedenkopf war von 1990 bis 2002 Ministerpräsident des Freistaates Sachsen. Mit ihm an der Spitze bekam die Union im ersten frei gewählten Parlament Sachsens nach der friedlichen Revolution mit 53,8 % die absolute Mehrheit. Bei vielen Sachsen ist Biedenkopf daher noch immer eine Institution.


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