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Legale Wege für Flüchtlinge nach Europa

Michael Klein im Gespräch mit Martin Keßler
 

Die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel, hat anlässlich der Jahresbilanzpressekonferenz ihres Hilfswerkes in Stuttgart scharfe Kritik an der Flüchtlingsdiskussion in Deutschland geübt. „Rechtsradikale Krawallschachteln dürfen die Berichterstattung und den öffentlichen Ton bestimmen“, monierte Füllkrug-Weitzel die Situation laut Evangelischem Pressedienst. Dabei würden weltweit neun von zehn Flüchtlingen und Vertriebenen nicht in Industrienationen, sondern in Entwicklungsländern aufgenommen, 25 Prozent sogar in den allerärmsten Ländern.

Gleichzeitig lobte sie aber auch weite Teile der deutschen Bevölkerung. Auch in Deutschland sei die Solidarität in der Bevölkerung „weit größer als die rassistischen Brandanschläge verirrter Minderheiten“.

Sperre des Seewegs keine Lösung

Abhilfe für die Not der Flüchtlinge sieht Füllkrug-Weitzel in einer geänderten europäischen Strategie. Die Politik müsse legale Wege nach Europa schaffen und an den Fluchtursachen in den Herkunftsländern arbeiten. Eine Sperre des Seewegs nach Europa werde nur dazu führen, dass Flüchtlinge den Landweg über den Balkan wählten. Die armen Länder dort seien jetzt schon mit den Flüchtlingsströmen überfordert.

Die Diskussion um Wirtschaftsflüchtlinge nannte Füllkrug-Weitzel eine Scheindebatte. Wirtschaftsflüchtlinge seien auch die Menschen, die durch die westliche Wirtschafts-, Klima- und Waffenexportpolitik zu Flüchtlingen gemacht würden. Die Politik der Industrienationen entziehe vielen Menschen die Lebensgrundlage. Die Präsidentin sagte weiter, die Verantwortung für Konfliktgebiete beginne Jahre bevor eine Krise ausbreche. Die meisten gewaltsamen Auseinandersetzungen wie etwa der Kampf des «Islamischen Staats» seien absehbar gewesen.

Spendenbereitschaft in Deutschland hoch

Die Diakonie Katastrophenhilfe legte am Donnerstag in Stuttgart ihre Jahresbilanz vor. Sie hatte im vergangenen Jahr Spendeneinnahmen von 17,9 Millionen Euro. 2013 waren es noch 36,8 Millionen. Der Leiter der Katastrophenhilfe, Martin Keßler, führte den Rückgang darauf zurück, dass 2013 aufgrund der Flut in Deutschland und einem Taifun auf den Philippinen die Spendenbereitschaft besonders hoch gewesen sei. Die meisten Spenden kamen im vergangenen Jahr mit 2,8 Millionen Euro aus Württemberg.

Die Einnahmen aus öffentlichen Mitteln sind laut Keßler im vergangenen Jahr von 14,5 auf 15,7 Millionen Euro gestiegen und hätten damit den höchsten Stand in der Geschichte der Diakonie Katastrophenhilfe erreicht. Das evangelische Hilfswerk unterstützte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 172 Projekte in 40 Ländern. Dazu gehörten auch Regionen, die wieder aus den Schlagzeilen verschwunden seien wie die Zentralafrikanische Republik, die Demokratische Republik Kongo oder der Südsudan.

Nicht nur Christen Opfer von Gewalt

Eine spezielle Hilfe für Christen, die aus islamischen Ländern fliehen, lehnte Präsidentin Füllkrug-Weitzel ab. Als humanitäres Hilfswerk habe man sich zur Diskriminierungsfreiheit verpflichtet.

Das sei in vielen Ländern die Voraussetzung, um überhaupt dort arbeiten zu können. Außerdem seien in den Ländern, die Christen vertreiben, auch andere religiöse Minderheiten Opfer von Gewalt.
 

epd/Andreas Odrich

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