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Hilfe für Leib und Seele

Menschen, die mit Hartz IV oder einer geringen Rente nicht auskommen, finden Hilfe bei den sogenannten „Tafeln“. Das Prinzip der Tafel ist einfach: Freiwillige sammeln unverkaufte Lebensmittel in Geschäften ein und geben sie an Bedürftige weiter. Auch in Berlin-Köpenick ist das so. Hier betreibt die örtliche Baptistengemeinde eine Ausgabestelle – das „Laib und Seele“. Unser Hauptstadtkorrespondent Oliver Jeske hat sich dort umgeschaut.

Ein Ort zum Auftanken

Dienstagvormittag in der Bahnhofstraße 9: Ehrenamtliche in roten Schürzen laden emsig Gemüsekisten und Behälter mit Brot und Obst aus kleinen Lieferwagen, die vorher von Supermarkt zu Supermarkt gefahren sind. Sie haben Lebensmittel, die nicht verkauft werden konnten, eingesammelt. Für einen Euro können sich Hartz4-Empfänger oder Rentner die Einkaufstüten füllen.

Doch „Laib und Seele“ will noch mehr. Ziel der Organisation ist, die Kunden als Menschen wahrzunehmen und ihnen Gespräche anzubieten. Niemand soll sich hier schämen, dass das Geld fürs tägliche Leben nicht reicht. Deshalb begrüßt die ehrenamtliche Mitarbeiterin Ursula Winkler auch alle Kunden persönlich. Ihr ist es wichtig, den Einzelnen zu beachten und kennenzulernen.  Dazu lädt ein freundlich gestaltetes Bistro die Kunden ein.

Doch das ist noch nicht alles. Während der Ausgabezeiten können die Kunden hier  kurzen Andachten lauschen. Ein Kindertreff bietet Müttern zudem die Gelegenheit, bei einem Stück Kuchen und einem guten Gespräch auszuspannen. All das ist freiwillig, wird aber gerne von den Köpenickern angenommen.

Eine Anfrage an unsere Gesellschaft

Seit zehn Jahren existiert die „Laib und Seele“-Ausgabestelle schon. Sie entstand, als die Baptistengemeinde zu ihrer eher versteckt liegenden Hinterhofgemeinde ein Ladengeschäft hinzu erwerben konnte. Heute helfen hier 75 ehrenamtliche Mitarbeiter. Die Arbeit ist erfolgreich. Dennoch bleibt die Notwendigkeit solcher Ausgabestellen eine Anfrage an unsere Gesellschaft. Immerhin ist Deutschland eines der reichsten Länder der Welt. Wieso gibt es dann immer noch so viel Armut? Diese Frage können auch die Mitarbeiter von „Laib und Seele“ nicht beantworten.

Stattdessen stehen regelmäßig bereits eine Stunde vor Ausgabezeit über hundert Menschen in einer langen Schlange vor der Baptistengemeinde. Deren Lebensmittelhilfe erreicht über 300 Bedürftige allein im Berliner Bezirk Köpenick. Doch die Arbeit ist nicht leicht, weil die Unterstützung der  Behörden fehlt. Bis heute müssen die Mitarbeiter die schweren Behälter weite Strecken schleppen, weil sie keine Sonderparkerlaubnis auf dem Bürgersteig vor ihrer eigenen Tür erhalten haben. Trotzdem werden die Helfer von Laib und Seele auch im 11. Jahr bei der Lebensmittelausgabe der Baptistenkirche weitermachen – um der Menschen willen, die jede Woche in die Köpenicker Bahnhofstraße 9 kommen.

 

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