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Fußball macht stark!

Mit der Trainerin Sitahn Pohn hat Oliver Jeske gesprochen.


Kambodscha zählt zu den ärmsten und unterentwickeltesten Ländern der Welt. Nach jahrzehntelangen Bürgerkriegen und der Schreckensherrschaft der Roten Khmer sind in den letzten 20 Jahren nur langsam Fortschritte zu erkennen. Darunter leiden besonders Mädchen und Frauen. Menschenhandel und Zwangsprostitution sind in Kambodscha keine Seltenheit. Der Schweizer Christ Samuel Schweingruber möchte etwas dagegen tun und hat deshalb die „SALT Academy“ gegründet. Ihr Konzept ist es, Mädchen für Fußball zu begeistern.

Ein Team der „SALT Academy“ aus Kambodscha war vom 30. Juni bis 05. Juli zu einem Turnier in Berlin zu Gast. Dabei spürte man den Teilnehmerinnen die Situation in ihrem Heimatland nicht ab, die Spielfreude überwog. Dennoch schätzt Trainerin Sitahn Pohn die Lage in ihrem Heimatland nüchtern ein: Die Mädchen bekommen in Kamboscha nur selten die Gelegenheit, Sport zu treiben oder eine Führungsrolle zu übernehmen. In der Kultur steht der Mann an der Spitze. Eltern denken: „Ich schicke meinen Sohn zur Schule, das Mädchen heiratet sowieso. Dann braucht es auch keine gute Schulausbildung.“

Fußball hilft, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen

Das Projekt „SALT Academy“ will hieran etwas ändern. Es organisiert Fußballtrainings für Mädchen. Rund 600 Mädchen spielen derzeit in verschiedenen Teams in drei Städten Kambodschas. Dabei ist der Sport nur Mittel zum Zweck: Fußballspielen macht die Mädchen stärker. Sie kriegen dadurch ein besseres Gefühl für den eigenen Körper und entdecken, dass sie eine Führungsrolle übernehmen können. Das hilft ihnen, Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen und eigene Entscheidungen zu treffen: Zum Beispiel, den Schulbesuch fortzusetzen, um einmal eigenes Geld verdienen zu können.

Ganz wichtig ist dabei der Kontakt zu den Trainerinnen bei den regelmäßigen Übungsstunden. Durch den engen Kontakt erfährt Sitahn Pohn mehr über die Spielerinnen: Sie weiß, ob die Mädchen zu Hause Gewalt erleben oder die Eltern wollen, dass sie die Schule abbrechen. Darüber diskutieren die Spielerinnen mit den Teamkolleginnen und den Trainerinnen. Diese bestärken die Mädchen darin, mit den Eltern zu reden und zu versuchen die Situation zu klären. Nicht selten lassen sich die Eltern überzeugen und willigen in die weitere Schulbildung ein. Am Ende sind sie sogar stolz, wenn ihre Tochter auf eigenen Beinen steht.

Eine gute Ausbildung ist wichtigstes Ziel

Aber die SALT Academy fördert die Mädchen auch ganz praktisch. Jedes Jahr wählt sie 24 Mädchen für das sogenannte „Mighty Girl“-Programm aus. Diese Mädchen erhalten eine Schulausbildung an einer Privatschule, die ihnen bessere Zukunftschancen eröffnet.

Sitahn Pohn erinnert sich dabei ganz konkret an ein Mädchen, das mit 15 oder 16 Jahren verheiratet werden sollte. Doch durch das SALT-Projekt konnte sie ihre Schullaufbahn fortsetzen und die Hochschulreife erwerben. Jetzt hat sie ein Stipendium für ein Studium in der Vereinigten Staaten erhalten. Damit noch mehr Mädchen diese Möglichkeit erhalten, unterstützt das deutsche Missionswerk „Geschenke der Hoffnung“ die Arbeit der SALT Academy. Ziel ist, dass noch mehr junge Fußballspielerinnen aus Kambodscha eine gute Ausbildung bekommen und positive Erfahrungen wie beim diesjährigen Turnier in Berlin sammeln.

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