ERF Hilfesendung zum Thema „sexueller Missbrauch“

Trauernicht: In Gemeinden finden sich viele Täter und Opfer sexuellen Missbrauchs

 

Wetzlar (ERF). In christlichen Gemeinden finden sich viele Täter und Opfer sexuellen Missbrauchs. Darauf hat der Geschäftsführer beim evangelischen Fachverband für Sexualethik und Seelsorge „Weißes Kreuz“, Rolf Trauernicht (Kassel), in einem Interview mit ERF Medien (Wetzlar) hingewiesen. Das Weiße Kreuz unterhält über 100 Beratungsstellen in Deutschland, vor allem zu Ehe- und Familienfragen. Gerade in Gruppen, Gemeinden, Kirchen und Institutionen gebe es einerseits häufig Menschen, die sich stark ehrenamtlich engagieren, aber es schwer haben, Hilfe und Zuwendung anderer anzunehmen. Sie seien besonders gefährdet, sexuellen Missbrauch zu begehen. Andererseits fänden sich in kirchlichen Gruppen viele Hilfsbedürftige, die leicht zu Opfern werden könnten.

Sexuell missbrauchte fühlten sich vielfach nicht als Opfer sondern als Täter, weil sie es zugelassen und sich nicht dagegen gewehrt haben. Dieses Schuldigfühlen begleite viele Opfer ein Leben lang, so Trauernicht in der Sondersendung zum Thema „Sexueller Missbrauch“, die der ERF über Radio, Fernsehen und Internet gleichzeitig ausgestrahlt hat.


Da drei von vier Missbrauchsfällen in der Familie stattfinden, sei es schwierig, Missbrauch zu erkennen und zur Anzeige zu bringen. Die Opfer trauten sich nicht gegen Familienangehörige auszusagen. Die Dunkelziffer des sexuellen Missbrauchs liegen nach Angaben des Fachmanns um das 10 bis 20-fache höher als die bekannten Fälle.

Der Leiter des Gemeindejugendwerkes (GjW) im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Pastor Christian Rommert (Elstal bei Berlin), sagte, sein Jugendwerk bereite Mitarbeiter darauf vor, im Umgang mit jungen Menschen Vorsicht walten zu lassen.  Mitarbeiter sollen „1 zu 1-Situation“ vermeiden und sich beispielsweise nicht mit einem Kind alleine in einem Zelt aufhalten. Sexueller Missbrauch fängt nach Rommerts Angaben da an, wo ein Erwachsener im Kopf etwas anderes denkt, als das Kind mit seinen Gesten gemeint habe.  Das GJW hat eine Handreichung zum Thema veröffentlicht. Rommert plädierte für präventive Maßnahmen wie Aufklärung der Kinder. Christliche Gruppen könnten eine Kultur entwickeln, die Missbrauch verhindert, in dem sie Kinder stark machen. Als Beispiel nannte er ein „Lagerparlament“ bei Freizeiten, in dem die Kinder äußern können, was gut und was schlecht ist.

„Wo die Schamgrenze eines Kindes überschritten wird, da beginnt der Missbrauch, die Gewalt“, so die Pressesprecherin des Christlichen Vereins Junger Menschen - CVJM-Gesamtverband, Maren Kockskämper (Kassel). Im CVJM wurden seit 2001 zwei Arbeitshilfen zum Thema sexuelle Gewalt herausgegeben. Bestandteile der 2009 im Evangelisches Jugendwerk Württemberg (ejw), einem Mitgliedsverband des deutschen CVJM, erschienenen Praxishilfe “Menschenskinder, ihr seid stark!” sind Grundinformationen, Krisenpläne, Programm-Ideen für Mitarbeiter in Mädchen- und Jungengruppen sowie Entwürfe für Teamsitzungen und Seminare. Frau Kockskämper sprach sich dafür aus, Mitarbeiter zum Thema sexueller Missbrauch zu schulen.

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