Zentralasien: Missionsarbeit ist fast nur übers Radio möglich

6000 Kilometer von Gießen entfernt ist Christsein gefährlich

Zentralasien: Missionsarbeit ist fast nur übers Radio möglich

6000 Kilometer von Gießen entfernt ist Christsein gefährlich

Gießen (ERF). Gut 6000 Kilometer von Gießen entfernt, in Zentralasien, ist das Christsein gefährlich. Darauf haben Gäste aus den Republiken Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan bei einem Vortrag in der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde in Gießen hingewiesen. Pastor Thorsten Lehr begrüßte Besucher und die weit gereisten Gäste. Dabei erinnerte er an den Missionsbefehl aus dem Neuen Testament. Dort ist davon die Rede, dass die Christen Zeugen sein sollen bis ans Ende der Welt. Für den Gießener Horizont liege Zentralasien tatsächlich ziemlich nahe am Ende der Welt. Zu den weitgereisten Gästen fand er zwei Bezüge. Zum einen waren drei der vier Asiaten bereits vor drei Jahren in der Baptistengemeinde. Zum anderen hat die Freikirche die Missionsarbeit in Zentralasien im vergangenen Jahr mit einer Spende unterstützt. Und eine dritte Beziehung gibt es durch Gemeindemitglied Willi Epp (Hohenahr-Erda). Er ist seit dem Jahr 2000 bei ERF Medien in Wetzlar Leiter der Radiomissionsarbeit für Zentralasien.

Epp stellte die Gäste aus den „Stan“-Staaten vor, die aus Sicherheitsgründen weder mit Namen genannt noch im Bild gezeigt werden möchten. Zu gefährlich ist es, dass sie in ihrer Heimat Nachteile erleiden.

Nach der politischen Wende hat die mit ERF Medien partnerschaftlich verbundene Radiomission TWR 1994 beschlossen, die christliche Botschaft verstärkt in die Länder dieser Region per Radio zu verbreiten. Heute gibt es Radioprogramme in allen dort gesprochenen Hauptsprachen. Missionare können in den vier Ländern nicht frei unterwegs sein. Bis auf Kirgistan stehen alle Länder Zentralasiens auf dem Weltverfolgungsindex des Missionswerks Open Doors (Kelkheim). In den meisten Staaten besteht keine Rede- und Meinungsfreiheit. Wer eine christliche Gemeinde aufsuche, stehe in der Gefahr bestraft zu werden. Deshalb sei die Verkündigung übers Radio die einzige Möglichkeit Menschen für den christlichen Glauben zu interessieren oder Christen darin zu bestärken.

Ein Kasache berichtete, dass er nahe dem Ural und Kaspischem Meer aufgewachsen sei. Als 19-Jähriger musste er miterleben, wie sein 25 Jahre alter Bruder im Ural ertrank. Er selbst hatte noch versucht ihn zu retten. Dieses traumatische Erlebnis brachte ihn auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Weil er diesen nicht fand, verfiel er dem Alkohol. Eine ältere Frau lud ihn in einer christlichen Gemeinde ein. Dies habe sein Leben verändert. Fortan brauchte er keinen Alkohol mehr. Damals Student am Konservatorium, verlor er seine Ausbildung, weil er Christ geworden war. Er hat einen entscheidenden Beitrag in der kasachischen Radioverkündigung geleistet und heute ist er als Pastor in Zentralasien unterwegs.

Der Tadschike informierte darüber, dass in seinem Heimatland mit 8,5 Millionen Einwohnern 99 Prozent der Bevölkerung dem Islam angehöre. Wegen hoher Arbeitslosigkeit würden über eine Million Männer in Russland arbeiten. So würden ihre Kinder ohne Väter aufwachsen. Extremisten nutzten dies aus, um die Jungen zu Terroristen auszubilden. Es sei ein wichtiges Anliegen der Radiomission, die Kinder zu erreichen, um sie von den Fängen der Extremisten zu bewahren.

Um junge Menschen in der Region für die christliche Botschaft zu erreichen, setzt die Radiomission verstärkt auf Apps, die von Jugendlichen besonders gerne auf ihr Mobiltelefon geladen werden.

Einer der Gäste berichtete über die Situation in Usbekistan. Weil es nicht möglich sei, sich zu Gottesdiensten zu treffen, fahre ein Gemeindemitglied mit einem Kleinbus an eine Haltestelle. Dort steigen sieben Personen ein. Wenn der Kleinbus los fahre, beginne der Gottesdienst. Bei der Rückkehr würden andere Personen einsteigen und ein weiterer Gottesdienst nimmt seinen Lauf. Wer mit einer christlichen Schrift erwischt werde, müsse mit eine Geldstrafe rechnen.

Die Radiosendungen seien „das Instrument, über das wir die Hoffnung für die Welt durch Jesus Christus in die entlegensten Dörfer bringen können“, so die Zentralasiaten. Finanziert wird die gesamte Radioarbeit über Spenden.

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