ERF Medien interviewt heutigen Präsidentenberater Ugandas

Chris Rwakasiisi schildert Leben als Vizepräsident und als Gefängnisinsasse

Die Karriere von Chris Rwakasiisi scheint nur in einer afrikanischen Umgebung möglich. Der 62-jährige Mann aus Uganda hat sowohl das Leben als Vizepräsident als auch die Existenz als Insasse einer Todeszelle durchlebt. ERF Medien (Wetzlar) hat den Christen mit ungewöhnlicher Lebensbiografie getroffen. Das Interview mit Rwakasiisi in der Sendereihe „Jerusalem, Samarien und die Welt“ wurde im Programm ERF Plus ausgestrahlt und ist aktuell im Internet unter www.erf.de zu hören.

Aufgewachsen ist Chris Rwakasiisi in einer christlichen Familie. Der regelmäßige Gottesdienstbesuch am Sonntag gehörte für ihn selbstverständlich zum Wochenablauf. Rwakasiisi studiert Jura und wird Anwalt. Über die Unabhängigkeitsbewegung führt ihn sein Weg in die Politik. Unter der Herrschaft des Diktators Idi Amin leitet er eine Rebellenarmee. Er wird zum Studium nach Moskau geschickt, wo er die sozialistische Lehre einsaugt. Zurück in seiner Heimat Uganda, beginnt für ihn die zweite politische Karriere, die bis ins Amt des Vizepräsidenten unter dem Diktator Milton Obote führt.

„Ich fühlte mich wie ein kleiner Gott“, sagt Rwakasiisi im Rückblick auf das Jahr 1985. „An einem Tag war der Glanz plötzlich weg“, schildert er den tiefen Fall. Als das Militär die Macht in Uganda übernimmt, wird Rwakasiisi zum Tode verurteilt. „Das war einfach nur furchtbar. Wirklich furchtbar. Dieser Richter hat seine Urteilsbegründung verlesen von halb elf am Vormittag bis halb neun am Abend. Über acht Stunden. Er hat alles Mögliche in seiner Argumentation herangezogen. Es gab ja keine Zeugen gegen mich. Niemand sagte aus, wen ich z. B. entführt hätte oder wen ich hätte ermorden lassen. Er verurteilte mich daher auf Grund von – wie er das nannte – Indizien. Es gab ja keine wirklichen Beweise. Das Gericht ist aufgestanden. Dann hat er gesagt, es ginge jetzt um ein Todesurteil. Wir standen alle – auch ich. Ein Gebet wurde gesprochen. Ich weiß noch, wie es am Ende hieß: „Seine Seele soll Frieden finden“. Dann haben wir uns wieder hingesetzt und der Richter fügte seine Worte an: „Sie – Cris Rwakasiisi – sollen den Tod durch Erhängen bekommen“. Das war am 30. Juni 1988.

Zwischenzeitlich war Yoweri  Joel Museveni zum Präsidenten Ugandas ernannt worden, ein früherer Weggefährte von Rwakasiisi. Drei Mal hat man dem Präsidenten das Todesurteil für Rwakasiisi zur Unterschrift vorgelegt. Drei Mal hat er sich nicht zur Unterschrift durchringen können. Der ehemalige Vizepräsident kommt zunächst in eine Haftanstalt für Langzeitgefangene, drei Monate später in eine Todeszelle - in Isolierhaft. In der nackten Zelle findet er in einer Mauerspalte eine versteckte Bibel. Die hat er zunächst als Kopfstütze verwendet. Später beginnt er darin zu lesen, denn er hat ja nichts weiter zu tun. Insgesamt drei Mal hat er die Bibel von 1. Mose bis zur Offenbarung durchgelesen. Mit dem Bericht über den jüdischen Gelehrten Nikodemus, der nachts zu Jesus kam, um seine Fragen zu stellen (Johannesevangelium, Kapitel 3), hat Rwakasiisi ein sonderbares Erlebnis. Gerade hat er gelesen, dass Jesus dem Mann sagte, er müsse von Neuem  geboren werden, sonst könne  er das Reich Gottes nicht erlangen, da wird er in eine Art Trance versetzt. „In diesem Zustand sah ich einen Mann, der vor mir stand. Er rief mich bei meinem Namen und sagte zu mir: ‚Cris, fürchte dich nicht – niemand wird dich töten!‘ Und dann sagte er noch: ‚In drei Tagen wirst du diese Zelle verlassen!‘ Dann ist die Person verschwunden.

 

Am Morgen des dritten Tages nach diesem Erlebnis kommen die Gefängniswärter und öffnen seine Isolationszelle. Sie sagen: „Chris, Sie dürfen zurückgehen in die andere Abteilung und dort mit ihren Freunden zusammen sein“. Aus dem überzeugten Kommunisten war in der Todeszelle ein Christ geworden. „Ich verließ meine kleine Zelle und hatte Lob Gottes auf meinen Lippen.“

Ein Happy-End wurde aber aus dem Erlebnis nicht. Es schließen sich noch 20 Jahre Gefängnis an, bis Museveni ihn begnadigt. Das war im Jahr 2009. In all den insgesamt 24 Jahren Haft hat seine Frau Joyce fest zu ihm gestanden und ihn jede Woche im Gefängnis in Kampala besucht. Vielen Mitinsassen hat  Chris Rwakasiisi seine Erlebnisse mit Gott in der Todeszelle erzählt und sie erleben selbst wunderbare Veränderungen durch ihre Begegnungen mit Jesus. Zwanzig Jahre lang ist Rwakasiisi durch sein Wirken sozusagen Gefängnispfarrer. Noch heute besteht die durch ihn entstandene Gefängnisgemeinde. „Meine Freilassung war in der Zwischenzeit im Radio gemeldet worden. So stehen vor dem Gefängnistor viele, viele Menschen, die ich gar nicht kannte. Sie wollten mich alle nach Hause begleiten. Ich sagte nur: Bringen Sie mich bitte zuerst in eine Kirche hier in der Nähe, bevor Sie mich nach Hause begleiten. Ich wollte in die Kirche, weil Gott anbeten war meine erste Berufung geworden. Ich hatte auch etwas Kleingeld dabei. Das Geld holte ich dann aus meiner Hosentasche und legte es auf den Altar. Damit wollte ich Gott ein Dankopfer bringen. Danach hat man mich nach Hause geführt“, erinnert sich Rwakasiisi an den bewegenden Moment.

 

Mit dem Präsidenten Museveni, der ihn so lange im Gefängnis schmoren ließ, hat er sich inzwischen ausgesöhnt. Heute ist er als Berater des Präsidenten tätig. Das ganze Interview ist auf ERF Plus am 26. Juni um 20 Uhr unter dem Titel „Begnadigt“ zu hören. Wiederholungen gibt es am 27. Juni um 3 Uhr und um 11 Uhr auf ERF Plus.

Cookies helfen uns, Ihr Benutzererlebnis zu verbessern. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie unseren Datenschutz und Cookie Richtlinien sowie der Speicherung von Daten im Rahmen des EU-US Privacy Shield zu. Mehr erfahren