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Ein Chromosom zu viel

Kinder mit Down-Syndrom sind Sympathieträger. Sie bringen uns zum Lachen und werden doch zu 90 Prozent abgetrieben.


„Menschen mit Behinderung, speziell die mit Down-Syndrom sind Sympathieträger. Sie bringen uns zum Lachen und werden doch zu 90 Prozent abgetrieben.“ Das sagt Sascha Kirchhoff, der als Heilerziehungspfleger viele Kontakte zu Menschen mit einer geistigen Behinderung unterhält. Der 34-Jährige klagt an:

Während wir über Inklusion und radikale Liebe reden, verschwinden sie zusehends aus der Gesellschaft, in der sie erst allmählich angekommen sind. – Sascha Kirchhoff, Heilerziehungspfleger

 

Heute, am 21. März, ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Der 21. März wurde auf Anregung von Erik de Graaf, dem Gründer der niederländischen Stiftung Stichting Downsyndroom (SDS), von der European Down Syndrome Association (EDSA) zum Welt-Down-Syndrom-Tag erklärt. Das Datum wurde gewählt, da der 21. Tag das 21. Chromosom symbolisieren soll und der März als dritter Monat des Jahres für die Verdreifachung des Chromosomenmaterials stehen kann. Mit Aktionsprogrammen wurde er erstmals 2006 realisiert, seit 2012 ist der Aktionstag offiziell von den Vereinten Nationen anerkannt.

90 Prozent der Eltern entscheiden sich gegen das Kind

Es ist tatsächlich so, dass Kinder, die das Down-Syndrom haben könnten, heute meist nicht das Licht der Welt erblicken. Moderne Untersuchungsmethoden wie die pränatale Diagnostik machen es möglich, Eltern eine Behinderung vorherzusagen. 90 Prozent der werdenden Eltern entscheiden sich heute gegen ein Kind mit Down-Syndrom. Während es derzeit rund 50.000 Menschen mit dieser Form der Behinderung gibt, werden es in den kommenden Jahren immer weniger. Die Gesellschaft wird sie kaum noch bemerken.
Doch zurück zur Trisomie: Eigentlich enthalten die menschlichen Körperzellen 23 Chromosomen, die jeweils doppelt vorhanden sind – insgesamt 46 Chromosomen. Bei Kindern mit Downsyndrom ist das Chromosom 21 in jeder Körperzelle dreimal anstatt zweimal vorhanden. Sie haben also insgesamt 47 statt 46 Chromosomen. Daher kommt auch der medizinische Name Trisomie 21. Der Begriff des Down-Syndroms geht auf den britischen Arzt und Apotheker John Langdon-Down zurück, der dieses Syndrom 1866 erstmals umfassend beschrieb.

Eine betroffene Mutter, die Stuttgarter Fotografin Conny Wenk, sagt: „Als Juliana mit dem Down-Syndrom geboren wurde, geriet meine Welt erst einmal ins Wanken. Nach dem ersten Schock begann ich die Welt mit anderen Augen zu sehen. Mir wurde klar, dass Schönheit weit mehr ist als Symmetrie. Man muss einfach nur genauer hinsehen: Jeder Mensch hat etwas Schönes.“ Die 51-Jährige hat inzwischen mehrere Bücher mit Bildern von Kindern mit Down-Syndrom veröffentlicht. Es ist ihr ein Anliegen, dass Menschen mit Down-Syndrom besser im öffentlichen Leben integriert werden und ein natürlicher Umgang zwischen Menschen mit und ohne Behinderung stattfinden kann.

Mir wurde klar, dass Schönheit weit mehr ist als Symmetrie. Man muss einfach nur genauer hinsehen: Jeder Mensch hat etwas Schönes. – Conny Wenk, Fotografin

 

Zu diesem Zweck gründete sie mit anderen den Verein 46PLUS-Down-Syndrom Stuttgart. Für ihren Einsatz für Menschen mit Down-Syndrom wurde ihr 2011 vom Deutschen Down-Syndrom InfoCenter (Lauf) der „Moritz“ verliehen.
 

Tötung behinderter Menschen im Mutterleib ist schlimme Diskriminierung

Dass Kinder, die eventuell mit dem Down-Syndrom zur Welt kommen würden, bereits im Mutterleib ihr Leben beendet bekommen, ruft christliche Lebensschützer auf den Plan. So etwa die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle (ALFA), Alexandra Linder. Sie sagt: „Die Diagnose Down-Syndrom ist für weit über 90 Prozent der Eltern der Anlass, das Leben ihres Kindes durch Abtreibung zu beenden. Der vorgeburtliche Bluttest dient in diesem Zusammenhang lediglich dazu, Trisomien früher zu entdecken und damit die Abtreibung ‚schonender‘ zu machen – das Ergebnis ist jedoch dasselbe: ein totes Kind, eine verletzte Frau, eine zerstörte Familie.“

Christiane Lambrecht, Landesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL) in Bayern, sagte: „Wer sich für das Menschenrecht auf Leben einsetzt, geht keinen religiösen oder christlichen Sonderweg, sondern er steht auf dem Boden des Grundgesetzes. Die Tötung behinderter Menschen im Mutterleib ist eine der schlimmsten Formen der Diskriminierung. Denn damit heißt behindert = lebensunwert. Wie unfair und schrecklich ist es, wenn 9 von 10 Kindern mit der Diagnose Down-Syndrom abgetrieben werden!“

Wie unfair und schrecklich ist es, wenn 9 von 10 Kindern mit der Diagnose Down-Syndrom abgetrieben werden! – Christiane Lambrecht,  Landesvorsitzende der CDL

 

Der Kinderarzt Prof. Dr. Holm Schneider von der Universitätsklinikum Erlangen, sieht den Umgang mit den Ungeborenen skeptisch. 2015 wurde der 49-Jährige für sein besonderes Engagement für Menschen mit Behinderung mit dem Erlanger Inklusionspreis ausgezeichnet.

Der Arzt, der auch stellvertretender Bundesvorsitzender der ALFA ist, kritisierte, dass die Aufklärung zu den vorgeburtlichen Gentests kaum Informationen darüber enthalte, „wie ein Leben mit Down-Syndrom tatsächlich aussieht“, und stellte fest: „Solche Tests bringen Frauen in die Bedrängnis, in der Frühschwangerschaft eine Entscheidung zu fällen, für die viele keine ausreichende Grundlage haben.“

Der 21. März soll also das öffentliche Bewusstsein für die Thematik des Down Syndrom steigern.

Dieses Ziel unterstützt auch die Aktion für Menschen mit Down-Syndrom der Sendereihe „Gott sei Dank“:


 


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Kommentare

Von Daniela am .

Ihr habt vollkommen Recht, es sind liebenswerte und schätzen werte Menschen. Menschen wie jeder andere auch. Deshalb ist es wichtig die Menschen in deren Umgebung zu stärken und Ihnen mutzuzusprechen und nicht nur von Trisomie 21 zu reden. Eltern, Geschwister, Tanten Onkel, alle müßen an einem Strang ziehen und vorallem die Eltern sollten besser gestellt sein als andere, damit sie ihrem Sonnenschein ein lebenswertes Leben ermöglichen können.
Tragischerweise ist es in unserer Gesellschaft so, mehr


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