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© Joshua Reddekopp / unsplash.com

25.03.2021 / Zum Schwerpunktthema / Lesezeit: ~ 3 min

Autor: Vera Nölke

Die unsichtbare Wirklichkeit Gottes ist präsent

Wie Pfarrer Björn Heymer Trauerfeiern würdevoll gestaltet.

 

 

Das Telefon klingelt im Pastorat und Pfarrer Björn Heymer aus Wetzlar wird vom Bestatter über einen Verstorbenen informiert. Klar weiß er aufgrund seiner Ausbildung und langjährigen Erfahrung, welche Schritte zu tun sind bis zur Beerdigung: Ein Trauergespräch führen, organisatorische Absprachen mit Bestattungsunternehmen und Friedhofspersonal treffen und die Beerdigung selbst.

Seit 20 Jahren begleitet Björn Heymer Menschen, die im Sterben liegen und Angehörige, die einen nahe stehenden Menschen verloren haben. Dabei geht er auf die Menschen und ihre Bedürfnisse ein. Mehr noch: Er lernt von ihnen verschiedene Handlungen und Rituale kennen und gibt diese als Anstoß weiter. Vera Nölke hat mit ihm gesprochen.
 

Eine Kerze scheint tröstlich –Trauergespräch

Für den ersten Schritt, das Trauergespräch, nimmt sich Björn Heymer vor allem drei Dinge mit: Zeit für die Erinnerung, eine Bibel für das Suchen von Bibelworten und Taschentücher für die Tränen. Wenn das Gespräch im Gemeindehaus stattfindet, zündet der Pfarrer vorbereitend eine Kerze an. Die Flamme ist für ihn das Symbol: Jesus ist auch da. Manchmal sagt er das auch und manchmal lässt er das Symbol für sich sprechen.

Die Gespräche nimmt er ernst, sagt Pfarrer Heymer:

Es ist für mich ganz wichtig, ein Gespräch vorher zu führen, um diese Menschen in ihrer Besonderheit gut wahrzunehmen. Und dann ein Ohr in Richtung Gott zu haben und zu hören: Was möchte Gott denen jetzt gerne sagen?

 

Ein Rahmen für den Abschied –Trauerfeier

Mit einem Ohr hört er in Gottes Richtung, während der Theologe nach den Vorstellungen der Angehörigen fragt. Für ihre Wünsche ist er offen und bereit, sie umzusetzen. So lief schon ein Lied einer Deutschrock-Band, weil der Verstorbene ein großer Fan dieser Band war. Ein anderes eindrückliches Erlebnis erlebt Heymer bei der Beerdigung eines Mannes aus dem Iran. Nachdem der Sarg in die Erde gesenkt war, wurden in Schokolade eingetauchte Datteln auf einem Tablett herumgereicht. Auch Heymer nimmt eine Dattel und erlebt: „In dieser angespannten Situation kriege ich auf einmal einen sehr positiven Impuls – etwas sehr Leckeres, etwas sehr Süßes.“
 

Ein Foto zum Erinnern –Trauerrituale

In der seelsorgerlichen Begleitung von Trauernden lernt der Pfarrer viel über die verschiedenen Möglichkeiten, sich an Verstorbene zu erinnern. Diese Rituale gibt er gerne als Anregung weiter. Denn Heymer ist überzeugt: „Es tut der Seele gut, sich einen Rahmen für die Trauer zu schaffen.“ In diesen Momenten empfiehlt der Pfarrer, sich bewusst Zeit zu nehmen, zu trauern, sich zu erinnern, zu weinen.

Manche stellen ein Bild des Verstorbenen auf, gestalten sich eine kleine Ecke mit einer Kerze. Diese zur bestimmten Zeit anzuzünden und sich Gedanken aufzuschreiben, kann unterstützen bei der Verarbeitung.
 

Der Tod zeigt das Beziehungsnetz – Beziehung zu Menschen

In Wetzlar begleitet der Pfarrer auch viele ältere einsame Menschen aus Pflegeheimen, wenn sie im Sterben liegen. Schließlich bestattet er sie auch. Vor den Corona-bedingten Einschränkungen kam oftmals eine Mitarbeiterin aus dem Heim mit auf den Friedhof. Dann waren sie mit Friedhofsmitarbeiter und Bestatterin wenigstens zu viert. Jetzt fällt die Person aus dem Pflegeheim oft wegen Überbelastung weg. Das bringt Heymer ins Fragen: „Wer wird eigentlich hinter meinem Sarg hergehen, wenn es bei mir so weit ist?“ Von diesem letzten Moment der Beerdigung schaut er auf seine eigene Beziehung zu Menschen und zu Gott.
 

Das Sterblich-Sein zeigt Grenzen auf – Beziehung zu Gott

Mit beiden Beinen im Leben stehen und über den Tod nachdenken, heißt für den Pfarrer:

Es gibt auf dieser Welt nichts Absolutes. Auch besonderes Glück ist begrenzt, auch Unglück oder Elend hat seine Grenzen.

 

Die Grenze, die der Tod dem irdischen Leben setzt, hilft beim Einsortieren der Erlebnisse und Emotionen. Gott ist für Heymer der, der alles in der Hand hält – und das schenkt ihm inneren Frieden.
 

Die letzte Ehre erweisen

Pfarrer Heymer wird auch angefragt von Bestattungsunternehmen, wenn ein Mensch ohne Angehörige verstirbt. Denn sie wissen, dass er auch ohne Trauergespräch und ohne Angehörige diesem Menschen die letzte Ehre erweisen möchte. Dazu sagt der Theologe: „Ich weiß, wir sind in dieser Situation nicht allein. Die unsichtbare Wirklichkeit Gottes ist auch so präsent.“


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 Vera Nölke

Vera Nölke

  |  Redaktions-Volontärin

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