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Die Angst vor morgen überwinden (2)

Die Sorgen loslassen und Vertrauen wagen – Jesus macht‘s möglich.


In seiner vielleicht berühmtesten Rede – in der Bergpredigt – macht Jesus eine steile Aussage über das Sorgen:

Darum sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um euer Leben, was ihr zu essen oder zu trinken habt, und um euren Leib, was ihr anzuziehen habt! Das Leben ist mehr als Essen und Trinken, und der Leib ist mehr als die Kleidung! (Matthäus 6,25).

 

Damit lädt Jesus uns ein – Sie und mich auch – , realistisch nach vorne zu blicken. Und angesichts all der Unwägbarkeiten, die die Zukunft für uns bereit hält, das einzige zu tun, was wirklich sinnvoll ist: nämlich Gott zu vertrauen. Unserem Schöpfer voll und ganz zuzutrauen, dass er uns durchbringen wird. Dass er uns versorgen wird. Jeden Tag aufs Neue.
 

Das beste Gegenmittel: Gott vertrauen

Deshalb hat Jesus ja unmittelbar vor seiner Rede über die Sorgen, mit seinen Begleitern über das Beten gesprochen. Und ihnen dabei das Gebet genannt, das heute als das „Vater-Unser“ vielen Menschen auf der ganzen Welt bekannt ist. Und nach den ersten drei Bitten, die sich alle auf Gott beziehen, heißt die erste Bitte, die sich auf die Bedürfnisse von uns Menschen bezieht: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ (Matthäus 6,11). Noch vor den Bitten: „Und vergib uns unsere Schuld!“ „Und erlöse uns von dem Bösen!“ – vor diese Bitten setzt Jesus selbst das Gebet für das, was wir heute an diesem Tag zum Leben brauchen. Zu Essen, zu Trinken und zum Anziehen.

Der Zusammenhang zwischen dem, was Jesus über die Sorgen sagt und dieser Bitte ums tägliche Brot ist eindeutig. Und gar nicht zu übersehen. Und hier zeigt sich vielleicht auch schon, warum das Vertrauen auf Gott und dass er uns gut versorgen wird, so schwer sein kann.

Wir sollen uns jeden Tag aufs Neue ihm anvertrauen. Und ihn jeden Tag neu darum bitten, uns das zu geben, was wir heute brauchen – also für diesen einen Tag.

 

Das ist nicht immer so leicht, finde ich. Da hätte ich doch lieber große Vorratshäuser wie der reiche Bauer, den Jesus einmal in einer seiner Geschichten erwähnt. Jene bildhaften Vergleiche, die deshalb auch oft Gleichnisse genannt werden. Dieser reiche Bauer hat in einem Jahr eine so riesige Ernte eingefahren, dass er neue Vorratshäuser bauen muss. Und dann meint er, nun hätte er für viele Jahre ausgesorgt. So hätte ich das auch gerne. Aber Gott will es offensichtlich anders.

Er will, dass ich ihm jeden Tag neu zutraue, dass er mich versorgt. Und das wird er auch tun. Bis zu dem Tag, an dem er mich abruft aus dieser Welt. Und dann darf ich warten auf jenen Tag, an dem Jesus die Geschichte dieser Welt abschließt. Und alle, die an ihn glauben, auferstehen zum ewigen Leben. Zu einem Leben ohne Not, ohne Leid und ohne Tod. In einer völlig neuen Welt, in einem völlig neuem Universum, das Gott erschaffen wird (Offenbarung 19,11-21,5).

Jesus redet also davon: Bittet Gott an jedem Tag neu darum, euch alles zu geben, was für diesen einen Tag notwendig ist. Alles, was ihr heute zum Leben braucht. Damit spricht sich Jesus aber nicht grundsätzlich dagegen aus, dass wir auch vorrausschauend handeln und planen. Nein, darum geht es ihm hier wohl nicht. Ich meine, das wird bei seinem Beispiel von den freilebenden Vögeln auch sehr deutlich. Denn dort betont Jesus besonders, dass die kleinen gefiederten Vorbilder weder eine Saat ausbringen, noch eine Ernte einfahren. Ganz zu schweigen von Scheunen und Vorratshäusern, in denen wir Menschen gewöhnlich die Ernteerträge lagern.

Das alles machen sie nicht, die kleinen Flugkünstler. Und doch leben sie, weil ihr Schöpfer sie versorgt. Und wenn auch sie – sogar ohne all das vorrausschauende Tun, wie säen und ernten und Vorräte lagern – wenn auch sie trotzdem am Leben bleiben, dann doch erst recht ihr Menschen, die gelernt haben, all das zu tun. Und die für Gott noch viel kostbarer sind all die zahllosen Vögel, die er ebenfalls ernährt. An jedem Tag neu.

Meiner Meinung nach geht Jesus hier selbstverständlich davon aus, dass Menschen, die nach dem Vater-Unser bitten: „Unser tägliches Brot gib uns heute!“ – dass solche Menschen natürlich auch säen, ernten und die Erträge dann auch gut unterbringen. Damit sie wieder bis zur nächsten Ernte zu essen haben. Dabei ist es letztlich Gott, der schenkt, dass die Saat aufgeht, wächst und reift. Und wenn Missernten und Hungernöte drohen, dann findet er trotzdem oft genug Wege, um seine Leute dennoch zu versorgen (vgl. u.a. 1. Mose 41,25-36.48-49.56-57). Und darauf verweist uns Jesus.

Es ist also doch ein Kraut gewachsen gegen die drängenden Sorgen. Und dieses Gegenmittel heißt: Vertraue Gott! Wer das beherzigt, den wird er versorgen. Und bitte Gott jeden Tag neu, das auch heute wieder zu tun.

 

Prachtvoller als die Royals – übersehene Schönheiten

Schließlich kommt Jesus auf den zweiten Teil seiner Aufforderung zu sprechen, in der ja eine ungeheure Ermutigung steckt: „Macht euch keine Sorgen … um euren Leib, was ihr anzuziehen habt!“ Wer auf Gott vertraut, darf nicht nur die Sorgen um die nötigen Lebensmittel abgeben. Nein, sie und er dürfen sich auch darauf verlassen, dass Gott sich um angemessene Kleidung kümmern wird. Und auch hierfür nennt Jesus ein Beispiel. Das ist zwar verblüffend einfach, aber vielleicht gerade deshalb so brillant. Jesus fährt also fort:

Und warum macht ihr euch Sorgen um das, was ihr anziehen sollt? Seht, wie die Blumen auf den Feldern wachsen! Sie arbeiten nicht und machen sich keine Kleider, doch ich sage euch: Nicht einmal Salomo bei all seinem Reichtum war so prächtig gekleidet wie irgendeine von ihnen. Wenn Gott sogar die Feldblumen so ausstattet, die heute blühen und morgen verbrannt werden, wird er sich dann nicht erst recht um euch kümmern? Habt ihr so wenig Vertrauen? (Matthäus 6,28-30).

 

Für mich ist das ein ganz schön krasser Perspektivwechsel, den Jesus hier vornimmt. „Die Blumen auf den Feldern“, die er hier als Beispiel für uns nennt, das sind keine extra gezüchteten Tulpen aus Holland. Nein. Jesus meint die ganz ordinären Wildblumen, die an jedem Straßenrand blühen. Und die die Menschen damals mit all dem anderen „Gras“ abgemäht und zum Anheizen ihres Küchenherdes benutzt haben. Brennholz war schon vor 2.000 Jahren Mangelware im Vorderen Orient.

Und diese gewöhnlichen Feldblumen – die ein Banause wie ich normalerweise gar nicht zur Kenntnis nimmt – diese alltäglichen kleinen Pflanzen kleidet Gott prächtiger als sich die Royals kleiden. Prächtiger als die wohl berühmteste Königsfamilie der Welt: die Windsors aus England mit Queen Elisabeth an der Spitze. Jene reiche alte Dame mit den modischen Hüten. Jesus spricht zwar nicht direkt von der Königin Englands. Aber immerhin von einem Ihrer Kollegen. Von dem vermutlich reichsten König seiner Zeit (1. Könige 3,13). Von Salomo, dem König Israels in den Jahren 972-931 vor Christus.

Sein Reichtum war so gewaltig, dass er sprichwörtlich wurde. Und genau darauf spielt Jesus an, wenn er sagt: „Nicht einmal Salomo bei all seinem Reichtum war so prächtig gekleidet wie irgendeine von ihnen.“ Womit Jesus die kleinen Feldblumen meint. Gott hat sie prächtiger gekleidet als es der berühmte König Salomo gewesen ist in all seinem sagenumwobenem Reichtum.

Vielleicht denken sie ja beim nächsten Friseurbesuch an die Worte von Jesus, wenn sie in den Zeitschriften wieder die neuesten Nachrichten aus dem englischen Königspalast lesen. Und über die neuesten Kleider der Royals staunen. Keiner und keine von ihnen ist so prächtig gekleidet wie die einfachste Wildblume am Straßenrand. Jene kleinen, oft übersehenen Schönheiten, die heute blühen und mit denen die Leute zur Zeit von Jesus am nächsten Tag den Herd geheizt haben, um die Suppe darauf zu kochen. „Wenn Gott sogar die Feldblumen so ausstattet, die heute blühen und morgen verbrannt werden, wird er sich dann nicht erst recht um euch kümmern?“

Jesus argumentiert hier genauso wie bei seinem ersten Beispiel von den gefiederten Luftikussen. Gott staffiert die Milliarden gewöhnlicher Wildblumen derart prächtig aus, dass sie herrlicher gekleidet sind als die reichsten Könige der Erde. Und dann fragt Jesus – nicht nur seine Zuhörer damals, sondern auch Sie und mich: „… wird Gott sich dann nicht erst recht um euch kümmern?“ Die Antwort liegt auf der Hand: „Ja. Ja, dann wird sich Gott erst recht um euch kümmern!“ Das ist es, was Jesus meint.
 

Gott ist zuverlässig – und ich bin eingeladen, ihm zu vertrauen

Wo also liegt dann das Problem. Warum mache ich mir doch immer wieder sorgen? Für Jesus ist die Sache klar. Und weil ich mit meinem Hang, mir auch immer wieder einmal Sorgen zu machen, – weil ich damit offenbar nicht alleine bin, hat Jesus das Ganze schon damals angesprochen: „Habt ihr so wenig Vertrauen?“ In manchen Übersetzungen heißt das: „ihr Kleingläubigen“. Gott ist absolut zuverlässig. Er ist vertrauenswürdig. Das macht Jesus immer und immer wieder deutlich.

Doch schaffe ich den Sprung, mich voll und ganz auf ihn zu verlassen? Ihm zu vertrauen, dass er mich wirklich versorgen wird? Das ist die Frage, die Jesus seinen Leuten damals stellt. Und die er heute jedem stellt, der sich darum sorgt, ob er oder sie auch Morgen genügend zu essen, zu trinken und etwas ordentliches zum Anziehen haben wird. „Habt ihr so wenig Vertrauen?“, fragt Jesus. Und ich kann nur antworten: Ja, manchmal schon!

Was mich aber ermutigt: Die ersten, denen Jesus die Frage nach ihrem Vertrauen auf Gott stellt, das sind auch seine allerengsten Begleiter. Dazu gehören Leute wie Petrus und Johannes. Und die haben es im Laufe der Zeit gelernt, Gott zu vertrauen. Und er hat sie durchgetragen. Auch durch alle Verfolgungen und Angriffe auf ihre Freiheit, die sie erleben. Mehrfach sitzen die beiden im Gefängnis, weil sie es gewagt haben, Gott zu vertrauen. Und ihm mehr zu gehorchen als den Menschen (vgl. Apostelgeschichte 4,19).

Die wollen nämlich oft nicht, dass Johannes und Petrus öffentlich Menschen zum Glauben an Jesus einladen. Dabei ist genau das das allergrößte Herzensanliegen von Gott selbst. Dass Menschen durch den Glauben an Jesus endlich mit Gott versöhnt werden. Und wieder in einer ganz persönlichen Beziehung mit ihrem Schöpfer leben können.

Durch seine tollen Vergleiche mit den Vögeln und den ganz gewöhnlichen Feldblumen hat Jesus seinen Hörern damals viel Mut gemacht: ihr könnt euch auf Gott verlassen. Voll und ganz. Und das gleiche will Jesus nun auch Ihnen und mir zusprechen: schaut euch die Vögel in freier Wildbahn an. Abertausende gibt es von ihnen. Und der Vater im Himmel versorgt sie alle. Seht euch die Feld- und Wiesenblumen an.

Nicht einmal die ehrwürdige Queen von England ist so prächtig gekleidet wie eine von ihnen. Wenn Gott die meist übersehenen schönen Wildblumen in so beindruckende Gewänder hüllt, wird er sich dann nicht erst recht um Euch kümmern? Ja, das wird er. Natürlich. Und ich merke, wie ich beginne, neuen Mut zu fassen. Und wie neues Vertrauen in mir aufkeimt. Ja, auf den Vater im Himmel kann ich mich verlassen. Immer.

Einmal ging ich auf der Nordseeinsel Langeoog am Strand spazieren. Mit einem Kollegen. Er war irgendwo mitten im brasilianischen Dschungel aufgewachsen. Und nach ein paar Jahren in Deutschland sagt er damals zu mir: „Ich bin so froh, endlich wieder nach Brasilien zurück zu gehen. Und weißt Du auch warum? In Brasilien ist es viel leichter, an Gott zu glauben. Die Beziehung zu ihm nicht aus den Augen zu verlieren, ist dort viel einfacher als hier. Wenn Du dich in Deutschland nicht jeden Tag 100%ig auf Gott verlässt, hast Du dennoch genügend zu essen und zu trinken. In Brasilien geht das nicht.

Wenn Du dort heute nicht weißt, wovon Du Morgen leben sollst, dann geht das nur, wenn Du Dich Gott anvertraust. Seiner Zusage, dass er Dich versorgen wird. Und deshalb gehe ich so gerne zurück. Das tut meiner Beziehung zu meinem Vater im Himmel gut. Und ich werde dort wieder jeden Tag erleben, wie wahr alles ist, was Jesus darüber sagt: Wenn Gott sogar die Feldblumen prächtiger ausstattet als den sagenhaft reichen König Salomo, wird er sich dann nicht erst recht um euch kümmern? Ja. Gott wird euch … mit all dem versorgen, was ihr braucht.“ (Matthäus 6,30.32.33).“

 



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