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Besuchsverbot

Dem Herrn der Welt trotzdem Tür und Tor öffnen. Advent im Lockdown.


Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! (Psalm 24,7)

 

Wir befinden uns zwischen dem 3. und 4. Advent im Jahr 2020, in dem so vieles anders ist als in den Jahren zuvor. Wie erleben Sie die diesjährige Adventszeit? Was erwarten Sie von ihr?
 

In diesem Jahr ist alles anders…

Vieles von dem, was wir in den vergangenen Jahren gemacht haben, woran wir uns gewöhnt hatten, ist hier und heute einfach nicht drin. Das lässt uns zwei Möglichkeiten, zwischen denen wir die Wahl haben:

Entweder wir bedauern das, was nun mal nicht sein kann und machen innerlich „dicht“ – oder wir nutzen die Zeit der Kontaktbeschränkungen und des Teil-Lockdowns, um unser Herz für die Botschaft von Weihnachten ganz neu zu öffnen.

Hand aufs Herz: Wie oft haben Sie in den letzten Jahren – genervt oder belustigt – darüber gespottet, dass Sie von einer Besinnung zur anderen gehetzt sind? Wie oft ist Ihnen die Jagd nach Geschenken oder der volle Terminkalender zu viel geworden?

Wir alle wissen im Grunde, dass Weihnachten einen viel tieferen Sinn hat als das, was wir meinen, alles um diese Zeit herum erledigen oder haben zu müssen. Advent und Weihnachten ist nicht das, was uns aus Lautsprechern und schrill-bunten Reklameblättchen entgegenbrüllt. Es geht nicht um mehr oder weniger geschmackvolle Äußerlichkeiten wie X-Mas-Schriftzüge im Fenster oder Leucht-Elche im Vorgarten.
 

Worauf es wirklich ankommt – dem Herrn der Welt Tür und Tor öffnen

Halten wir doch einmal inne und rufen es uns in Erinnerung: Der Heiland der Welt ist geboren. Er kam als Baby in ärmliche Verhältnisse – und wurde zuerst den Außenseitern der Gesellschaft verkündet, den Hirten draußen auf dem Feld. Wenn das mal keine revolutionäre Sache war!

Der Herr der Welt in einer Futterkrippe, schon bald von den Mächtigen der Welt bedroht und auf der Flucht. Am Ende sogar gekreuzigt, gestorben und begraben. Aber nicht für immer. Denn er ist wieder auferstanden, hat sich einer Menge Leute gezeigt und ist in den Himmel gefahren.

Und er kommt eines Tages wieder – als sichtbarer Herrscher, der diese Welt richten und die Seinen retten wird. An diese Ankunft denken wir in der Adventszeit, die eigentlich eine Zeit der Buße ist – eine Zeit, in der wir uns auf den ausrichten dürfen, dessen Wiederkommen wir erwarten.

Jetzt haben wir die Gelegenheit, unser Leben zu überdenken und uns zu fragen, ob wir uns wirklich darauf freuen, dass Jesus wiederkommen wird – oder ob wir uns lieber mit Äußerlichkeiten ablenken, um ja nicht über den Sinn unseres Lebens und Handelns nachdenken zu müssen.
 

Advent 2020 – was nun?

Wie gesagt, viele Dinge, die wir sonst als selbstverständlich hingenommen haben, fallen in diesem Jahr flach. Vielleicht sollten wir nicht nur bedauernd darüber grübeln, was im Moment nicht sein darf, sondern vielmehr Gott danken, was in der Vergangenheit alles möglich war und wie viele schöne Dinge wir mit lieben Menschen schon erlebt haben. Geben wir Gott Raum, uns neu zu begegnen, indem wir ihn in den vielen Gelegenheiten entdecken, die er uns heute noch schenkt.

Denn auch trotz der augenblicklichen Einschränkungen muss diese Adventszeit nicht zwingend öde verlaufen. Ich schlage vor, wir nutzen sie sinnvoll.
 

Was halten Sie zum Bespiel davon:

  • Statt shoppen zu gehen – wandern Sie mal mit aufmerksamem Blick durch Ihr Bücherregal. Gibt es da vielleicht ein Werk, womöglich ein Andachtsbuch, das Sie schon immer mal lesen wollten, wozu Sie aber nie so recht gekommen sind?
  • Statt hier und da Besuche abzustatten – machen Sie mal wieder etwas gemeinsam mit den Leuten, mit denen Sie in einem Haushalt zusammenleben. Mir fallen da etliche Gesellschaftsspiele ein, die seit einer gefühlten Ewigkeit in einer Schublade im Wohnzimmerschrank schlummern und nur hervorgeholt und gespielt werden müssen. Und vergessen wir es niemals: Die Menschen um uns herum sind ein Geschenk Gottes an uns. Danken wir ihm dafür.
  • Und wenn Sie alleine wohnen, haben Sie bestimmt ein Telefon und kennen andere Personen, denen es nicht anders geht als Ihnen. Die sich vielleicht einsam fühlen sich über einen Anruf von Ihnen freuen.
  • Sollte Ihnen die Decke auf den Kopf fallen, schnappen Sie sich doch mal Ihr Gesangbuch, das womöglich schon lange dekorativ aber doch eher angestaubt und unbeachtet irgendwo steht – da gibt es Schätze zu bergen. Wie wäre es, wenn Sie mal wieder etwas auswendig lernen? Ich empfehle Paul Gerhardt Lieder – dann sind Sie eine Weile beschäftigt und Ihre Seele profitiert garantiert davon.
  • Oder lesen Sie mal wieder die Weihnachtsgeschichte. Nicht nur von „Es begab sich aber…“ bis zu „… alle diese Worte in ihrem Herzen“, sondern auch den Kontext. Die Kapitel davor und danach und vielleicht sogar in den verschiedenen Evangelien.
  • Wenn Ihnen danach ist, schreiben Sie doch mal ein Krippenspiel. Vielleicht haben Sie Kinder, Enkel, Nichten, Neffen, Schüler … halten Sie sich diese vor Augen und verteilen Sie im Geist die Rollen auf sie.
  • Gehen Sie Ihr persönliches Adressbuch durch und beten Sie mal wieder für den einen oder die andere.
  • Schalten Sie Ihr Radio ein. Es soll doch tatsächlich Sender geben, die den ganzen Tag nichts anderes als das Evangelium verkünden. Sie finden bestimmt die eine oder andere Sendereihe, die Ihnen zusagt und Sie auf gute Gedanken bringt.
  • Ergänzen Sie diese Vorschläge mit Ihren eigenen Ideen.

 

Und bei alldem denken Sie daran – es geht darum, dass wir uns auf das Kommen Jesu einstellen und unsere Herzen auf ihn ausrichten.



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