Der verlorene Sohn oder die Geschichten vom barmherzigen Vater, vom hartherzigen Bruder und von einem Sohn, der auf sein Herz hört

Bibelstelle: Lukas 15, 11
Autor: Lurz, Dr. Norbert

Uns ist heute Abend eine der bekanntesten Geschichten der Bibel als Gegenstand der Predigt vorgeschlagen worden. Ich bin gerne darauf eingegangen, obwohl man auf den ersten Blick meinen könnte, dass die Geschichte vom verlorenen Sohn eigentlich in allen ihren Nuancen bekannt ist. Diese Geschichte vom verlorenen Sohn ist ein Stück Weltliteratur, sie ist Gegenstand zahlloser Motive in der christlichen Kunstgeschichte geworden (Rembrandt) und hat Regale von Auslegungen gefüllt. Was ist das Geheimnis dieses Gleichnisses, das Jesus im Anschluss an die Gleichnisse vom verlorenen Schaf und vom verlorenen Groschen erzählt hatte und um einiges berühmter wurde als diese vorhergehenden Geschichten? Versuchen Sie, auf die Worte Jesu zu hören, als ob Sie sie zum ersten Mal hören:

TEXT (Lukas 15, 11-32)

Wie oft ist uns diese Geschichte erzählt worden. Angefangen in der Kinderkirche, in der Jungschar, in der Bibelstunde, vielleicht in Erzählungen von Missionaren. Man könnte meinen, wir kennen die Geschichte wie keine andere. Doch Vorsicht, die Geschichte vom verlorenen Sohn kann auch eine jedes Mal aufs neue entwaffnende und ergreifende Erzählung sein, in der wir uns sehr wohl auch jedes Mal neu wiederfinden. Manchmal vielleicht in einer anderen Rolle.

Ich lade Sie ein, mitzugehen, wenn ich die Geschichte aus drei Sichtweisen zu erzählen versuche:

Die erste ist die des Vaters. So wird sie zur Geschichte des barmherzigen Vaters.
Die zweite ist die des Bruders. So wird sie zur Geschichte des hartherzigen Bruders.
Dann schließlich die des verlorenen Sohnes. Dann wird sie zur Geschichte des auf sein Herz hörenden Sohnes.

Die Geschichte des barmherzigen Vaters.
Wie wunderbar sich doch der Vater in unserem Gleichnis verhält. Er kann das, was wahrscheinlich die wenigsten Väter und Mütter können: Er kann loslassen. Und das, obwohl sein jüngster Sohn ihn mit einer Forderung konfrontiert, die ihn als Menschen tief getroffen haben muss. Er verlangt zu Lebzeiten sein Erbe, in südlichen Ländern wird dies bis heute so verstanden, als ob er eigentlich den Tod des Vaters wünsche. Und nicht nur das, der Sohn verlangt nicht nur die Teilung der Lebensleistung des alten Mannes, sondern auch die Verfügungsgewalt darüber. Er will und kann nicht warten, bis der Vater stirbt, sondern verlangt sein Recht noch zu Lebzeiten des Mannes, von dem wir eigentlich nicht wissen, wie alt er ist.
Ein Schlag ins Gesicht des Vaters. Eine Beleidigung seiner Ehre und der der Familie. Was für einen Sohn hatte er sich da großgezogen, müsste man meinen, dass er denkt. Eigentlich müsste er ihn bestrafen, ihn disziplinieren, ihn zur Vernunft bringen. Nichts von all dem. Der Vater, von dem Jesus erzählt, schritt zu einer anderen Tat. Er gewährte dem Sohn seinen Willen. Er lässt das Kind los. Von keinem bösen Wort ist anfangs und auch später nicht zu lesen. Er lässt seinen Sohn ziehen.

Wenn ich diese Geschichte als Bilderbuchgeschichte meinem Söhnchen Benedikt erzähle, kommt zumeist die Frage „warum?“ Ich kann sie dann nicht beantworten, weil ich selbst wahrscheinlich nicht so edel handeln könnte. Und doch liegen viele Probleme unserer Erziehung darin begründet, dass Eltern ihre Kinder nicht loslassen wollen und können. Natürlich heißt es im vierten Gebot, du sollst Vater und Mutter ehren. Paulus ergänzt aber in seiner christlichen Haustafel im Epheserbrief: „Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn“. Und der Psalmist weiß, dass Kinder Geschenke Gottes sind. Also keine Selbstverständlichkeiten oder gar Gegenstände, auf die wir ein Anrecht hätten. Eine richtige Mischung zwischen einer Erziehung zum Gehorsam, zu Grenzen und zum selbständigen Handeln bis hin zur Freiheit ist das Ideal. Die Geschichte der Pädagogik lehrt, dass aber zumeist das eine oder das andere zu stark betont worden ist. Und heute, bei aller Freiheit, kommt es mir so vor, dass viele, besonders auch moderne Eltern, ihren Lebenssinn in den Kindern festmachen und diese dann nicht mehr loslassen wollen, weil sie selbst dann keine Aufgabe mehr haben oder sehen.

Wer aber Kinder zur richtigen Zeit loslässt, gewinnt sie für ein Leben. Wer sie bindet, verliert sie zumeist für ein Leben.

Loslassen, um zu gewinnen, das ist auch das Geheimnis eines geglückten Lebens überhaupt. Loslassen bedeutet nicht Interessenlosigkeit. Es bedeutet Freiräume zu gewähren; loslassen bedeutet, den anderen, sei es der Ehemann, die Ehefrau, der Geschäftspartner oder auch Freunde in der Gemeinde, seine und ihre Gärtlein pflegen zu lassen. Auch wenn dort Unkraut zu wachsen droht. Es ist allemal besser, vielleicht mit einem Hinweis den anderen dieses entfernen zu lassen, als selbst sofort einzugreifen.

Jesus wollte in dem Gleichnis in erster Linie betonen, wie gütig der himmlische Vater ist. Dieser Vater bindet nicht, er erzieht sich schon garkeine Marionetten, die sich bewegen, wie er will. Dies ist ein unvergleichliches Vorrecht für die Menschen. Andererseits haben die Menschen diese Freiheit in ihrer ganzen Geschichte zumeist schäbig ausgenutzt und mit Füßen getreten. Oft fragen wir, warum nur dieses Elend, diese Kriege, diese Hungerkatastrophen, diese Krankheiten. Wir sollten nicht Gott die Schuld in die Schuhe schieben, sondern die Schuld bei uns suchen. Ist Gott vielleicht schuld, wenn wir keine gerechte Verteilung von Gütern und Medikamenten in dieser Welt hinbekommen, so dass jeden Tag 30.000 Kinder unter fünf Jahren an Hunger oder Krankheiten sterben müssen (UNICEF-Zahl)? Gott hat uns in die Freiheit entlassen, die Menschen danken es ihm aber nicht. Manchmal denke ich, es wäre vielleicht besser gewesen, Gott hätte den Menschen in dieser Art keine Freiheit gewährt.

Wir wissen nicht, was der Vater in unserem Gleichnis während der Abwesenheit des Sohnes gemacht hat. Wenn wir uns die Reaktion bei der Rückkehr anschauen, können wir nur erahnen, wie sehr er unter der Abwesenheit gelitten hat, wie wenig er den Sohn aufgegeben hat.
In Vers 20 wird berichtet, dass der Vater ihn von weitem kommen sah. Dies bedeutet, er muss Ausschau nach ihm gehalten haben. Nicht nur das, sein Herz ist die ganze schlimme Zeit bei seinem Sohn gewesen. Mit dem Herzen hat er ihn von weitem erkannt. Äußerlich war er sicherlich nicht zu erkennen gewesen. Doch als er die abgemagerte Person in ihrer Kontur von weitem sah, wusste er im Innersten, dass es sein Sohn war. Er hatte ihn nie aufgegeben.

Trotz aller Schuld, die wir in unserer Freiheit von Gott auf uns laden, gibt dieser auch uns und die Welt nie auf. Er leidet mit, wenn Menschen gefoltert, entwürdigt und getötet werden. Ein leichtes wäre es ihm schon immer gewesen, dieser Welt ein Ende zu setzen. Doch er schickte seinen Sohn Jesus, um uns zu retten. Golgatha ist deshalb Dreh- und Angelpunkt sowie Wendemarke in der Menschheitsgeschichte. Dort hat Jesus diese ungerechte Welt, die bei jedem von uns im Kleinen beginnt, zu Kreuze getragen.

Der Sohn war noch weit weg, doch den Vater jammerte es, erzählte Jesus. Nicht nur das, er ging und rannte ihm entgegen, umarmte und küsste ihn. Diesen, der ihn lächerlich gemacht und ihn um sein Geld gebracht hatte.

Hand aufs Herz, was würden wir tun? Einen solchen missratenen Sohn so empfangen?

Dies ist ein unvergleichliches Bild für die Liebe Gottes zu uns Menschen. Wir treten sie so oft mit Füßen. Doch er bleibt sich und uns treu und empfängt uns in allen Ehren und Würden. Dies ist die eigentliche Überraschung. Spätestens jetzt könnte man denken, würde er von seinem Sohn eine Entschuldigung verlangen. Oder Einsicht. Der Sohn bereut sein Tun, aber nicht, weil es der Vater ihm abpresst. Sondern weil dessen Lieben ihn entwaffnet.

Es fällt kein böses Wort. Der Vater empfängt ihn wie einen Staatsgast, kleidet ihn ein, lässt ein Fest veranstalten und gibt ihm in Form eines Ringes seine alte Stellung als Mitglied der Familie zurück. So ist Versöhnung! So direkt! So unkompliziert! So herzlich! Das ist wahres Glück. Sich in dieser Umarmung Gottes zu befinden. Befinden wir uns darin?

Hüten wir uns davor, dass wir diesen himmlischen Vater als einen Gott verzerren, der Bedingungen stellt, bevor Menschen zu ihm kommen dürfen. Dann wären wir moderne Pharisäer, dann wären wir der hartherzige Bruder in dem Gleichnis.

Ich komme zu meinem zweiten Punkt. Die Geschichte des hartherzigen Bruders.
Von diesem erfahren wir erst nach der Rückkehr des jüngeren Bruders. Er war ja immer da und hat dem Vater gedient. Nichts Aufregendes und doch hat er eigentlich das gemacht, was von einem Sohn erwartet wird. Er hat mitgeholfen, das Gut zu vermehren, den Arbeitern Arbeit zu verschaffen und so das Ansehen des Vaters in der Öffentlichkeit gewissermaßen gerettet, nachdem der Junge davongelaufen war. Dieser Bruder hat alles richtig gemacht.

Viele Menschen befolgen den Willen Gottes. Sie mühen sich mit den Geboten, gehen in die Kirche oder in die Gemeinschaft. Haben weltlichen Verlockungen widerstanden. Sie sind das Rückgrat der Christenheit. Ohne sie gäbe es in unseren Gemeinden keine Kontinuität, keine Verlässlichkeit und kein Wachstum. Sie sind gewissermaßen Gottes Bodenpersonal. Wären alle Menschen so, würde die Welt anders aussehen. Doch auch sie sind schwach, weil manche von ihnen auf wenig Frömmere heruntersehen. Finden wir uns nicht auch manchmal in diesem Sohn wieder?

Wir wollen gütig sein wie der Vater im Gleichnis und sind hartherzig wie der ältere Sohn. Warum tun wir uns so schwer damit, uns mit anderen zu freuen, vor allem, wenn sie aus einer Krise und dunklen Lebenssituation durch Gottes Hilfe wieder herauskommen, mit Freude vielleicht beten, glauben, singen? Sind wir nicht immer wieder in der Gefahr, Gott unser gutes Leben, unsere Frömmigkeit als etwas Gutes und Beeindruckendes vorzuführen? Wie ist das, wenn wirklich einmal gescheiterte Existenzen den Weg in unsere Gemeinden finden? Geben wir ihnen Raum oder drehen wir angewidert diesen vielleicht von Gott Geschickten den Rücken?

Ich erinnere mich noch an interessante und lehrsame Abende vor Jahren, als ich unbeholfen und unsicher bei offenen Abenden der Heilsarmee mit Menschen vom sogenannten Rand der Gesellschaft ins Gespräch gekommen bin. Schauen wir doch in unsere Gemeinschaften und in die Kirchen. Wir sind eine gut bürgerliche Christenheit geworden. Ich will dies nicht schlecht reden. Doch ganze Gesellschaftsschichten finden den Weg nicht zu uns.

Wie gut verstehe ich manchmal diesen älteren Bruder: So viele Jahre habe ich dir gedient, nie habe ich dich im Stich gelassen, mir hast du eine solche Ehre nie zuteil werden lassen. Recht hat er, warum schickst der Vater diesen missratenen Sohn nicht wieder weg, warum verpasst er ihm nicht einmal eine öffentliche Abreibung, warum schickt er ihn nicht einmal für ein paar Tage zu den Arbeitern?

So können wir keine Gemeinde bauen. Darin liegt vermutlich das eigentliche Problem auch unserer wohlsituierten Gemeinden. Wir sehen nicht mehr unseren Nächsten. Wir besuchen zwar Seminare und verfeinern unsere Predigten, bereichern unsere Gottesdienste mit allen möglichen Effekten und erfinden neue interessante Lehrmethoden, doch den in Not befindlichen Menschen in der Nachbarschaft grüßen oder kennen wir nicht mehr. Gerade er oder sie würde sich vielleicht über ein Gespräch, eine Einladung, eine Zuwendung freuen. Modernste Marketingmethoden in unseren christlichen Gemeinden nützen nichts, wenn sie an den Menschen vorbei gehen.

Wenn wir mit dem Herz des älteren Bruders das Wort Gottes verkündigen, ist es selbstgerecht, selbstverliebt und zielt auf Werkegerechtigkeit. Verstehen sie mich nicht falsch. Der ältere Bruder ist ein frommer Mensch. Der Vater gibt ihm das zu verstehen, indem er sagt, dass alles, was sein ist, auch ihm gehöre. Mehr hätte der Vater seine innige Verbundenheit zu diesem guten Sohn nicht ausdrücken können. Doch es fehlt ihm die Liebe, die der Vater hat. Und nur diese Liebe gewinnt den verlorenen Sohn endgültig zurück.

Ich bin abschließend bei dem eigentlichen verlorenen Sohn. Diese Geschichte ist die Geschichte unserer Zeit. Mehr denn je passt sie in unsere moderne Welt. Ein Mensch, der alles haben will. Ein Mensch, der dies sofort haben will. Ein Mensch, der endlich genießen will. Spaß und Genuss um jeden Preis. Ob er damit verbrannte Erde hinterlässt, einen gebrochenen Vater und einen doppelt schuftenden Bruder, das ist ihm schnuppe. Der Moment zählt.

Das ist die Geschichte unserer Spaßgesellschaft. Auch sie hat sich diese Errungenschaften nicht selbst erarbeitet – dies war die Generation vor ihr – auch sie lebt auf dem Rücken von vielen in Ländern, wo man weniger als einen Dollar jeden Tag zum Überleben zur Verfügung hat. Der Spaß macht Spaß, ist aber nicht sinnhaltig und schon gar nicht nachhaltig. Irgendwann sind die Ressourcen erschöpft. Dann droht das böse Erwachen.

Auch wenn wir wie wir hier sitzen, zumeist das Leben des älteren Sohnes führen ohne vielleicht hartherzig zu sein, jeder und jede von uns befindet sich vor Gott immer wieder auch in der Situation des jüngeren Ausreissers. Das Leben selbst in die Hand nehmen, einmal Gott einen guten Mann sein lassen, äußerlich zwar noch Kirchgänger oder Besucher christlicher Veranstaltungen, innerlich aber ein unabhängiger Mensch, der das Heft selbst in die Hand genommen hat.

Ich erinnere mich an Phasen meiner Studienzeit, in denen Gott nicht mehr höchste Priorität war. Allenfalls für das gute Gewissen wurde die Kirche besucht, mehr aber auch nicht. Auf dem Weg zu den Schweineställen unseres Gleichnisses hat sich jeder einmal befunden. Ob er dann so weit ging, ist eine andere Sache. Nicht jeder hat auch wirklich Schweine gehütet. Einige ja, andere sind schon nach einigen hundert Metern aus der Sichtweite des väterlichen Hauses dahin zurückgekehrt.

Beides ist aber die gleiche Geisteshaltung. Zeigen wir bitte nicht auf Andere, die richtig im Dreck gesessen sind. Vielleicht hat Gott uns in vielen Situationen bewahrt, dass es nicht so weit gekommen ist.

Auch wir haben uns schuldig gemacht vor unserem himmlischen Vater, weil wir ihn nicht mehr berücksichtigt haben. Es ist kein Unterschied, schreibt Paulus den Römern, sie sind allesamt Sünder. Diese Sünde, die Paulus meint, muss nicht den Gebrauch von Drogen oder kriminelles Vergehen bedeuten, dies können auch Kavaliersdelikte sein, wie dies so schön heute heißt. Die zehn Gebote setzen uns den Spiegel vor Augen. Wir scheitern im Kleinen und manchmal im Großen.

Doch da gibt es diesen Vater, der dem verlorenen Sohn entgegenkommt und ihn herzt. Dies ist das Sinnbild der Liebe Gottes. Zu ihm können wir immer kommen, egal was unsere Vorgeschichte war.

Er demütigt uns nicht. Seine Liebe ist es, die den Sohn blendet und ihn um Vergebung bitten lässt. Vater ich habe gesündigt, gegen dich und gegen den Himmel, gegen Menschen und gegen Gebote. Wer könnte dies von uns nicht sagen? Ich bin es nicht wert ... An anderer Stelle sagt der Hauptmann zu Jesus, ich bin es nicht wert, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort. Dies muss auch unser Gebet sein. Herr sei mir Sünder gnädig.

Liebe Freunde, diese Geschichte vom verlorenen Sohn schillert in vielen Farben. Sie zeigt uns, wie wir sind und wie Gott ist.

Wenn ich mich betrachte, befinde ich mich zumeist in der Rolle des verlorenen Sohnes. Und obwohl ich mich danach sehne, gut wie der Vater zu sein, schlüpfe ich allenfalls in die Rolle des hartherzigen Bruders.
Entscheiden sie selbst, wo sie derzeit in dieser Geschichte stehen.
Auf dem Feld als treuer, aber doch eng- und hartherziger Sohn, vielleicht auch wie der Vater (oder Mutter), der oder die ein Kind, einen Bruder oder ein anderes Familienmitglied weit ab von Gott driften sieht und nichts dagegen machen kann. Oder schließlich als Sohn, der das Leben selbst in die Hand genommen hat und gescheitert ist und nicht recht weiß, ob es einen Weg zurück gibt. Egal wo wir stehen, wir dürfen darauf vertrauen, dass unser Gott ein weiteres Herz hat als wir alle vermuten.

Die Geschichte vom verlorenen Sohn hat ein offenes Ende. Wir wissen nicht, wie sie geendet hat. Und dies ist wohl auch so gewollt, denn jeder von uns schreibt sie mit seinem Leben weiter.

Wenden wir uns diesem liebenden Vater zu. In Jesus hat er ein Gesicht bekommen. Schauen wir ihn an, gehen ihm entgegen und lassen uns von ihm an die Hand nehmen. Dann fallen alle Schatten hinter uns. Er ist es, der uns umarmt und uns durch seine Liebe Würde gibt. Kein Erbe der Welt kann damit konkurrieren oder dies gar ersetzen. Streben wir danach und das sollen wir, dass wir durch die Liebe Christi das Herz des gütigen Vaters in unserer Geschichte bekommen. Dies ist vermutlich der tiefere Sinn des Gleichnisses. Die Vergebung erfahren zu haben und immer wieder zu erfahren, wie der jüngere Sohn - treu zu sein, wie der ältere Sohn - und eine Liebe zu leben, wie der Vater.

Erkennen wir dies, haben wir das Gleichnis verstanden.

Amen.

Über den Autor

Norbert Lurz
Geboren: 1963 in Freiburg; verh.; 2 Kinder
wohnhaft in Schönaich/Württemberg.
Dr. phil., M.A., Dipl. für Wirtschaft (FH);
Von Hause aus Archäologe und Altertumswissenschaftler;
seit 1994 in der Verwaltung des Landes Baden-Württemberg tätig, zunächst als Parlamentarischer Berater im Landtag, dann 2 Jahre im Staatsministerium und
seit 1999 als Büroleiter von Ministerin Dr. Annette Schavan im Kultusministerium.
Seit 1996 engagiert als Lektor der Ev. Landeskirche zunächst in Baden, jetzt
in Württemberg,
seit 2001 Kirchengemeinderat in Schönaich.
Mitgliedschaften auch bei der Vereinigung zur Förderung der Völkerverständigung (Frühstückskreise in Verwaltungen, Landtagen und
Bundestag), bei den Johannitern und dem Süddeutschen Gemeinschaftsverband.