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Magazin ANTENNE

ANTENNE Juli/August 2010

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Gedenktag der Woche zur 48. Kalenderwoche 2009



"Mörtel zwischen den Steinen"

Zum 20. Todestag von Fritz Grünzweig

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Missionar wäre Fritz Grünzweig gerne geworden. Gott dienen in fernen Ländern – das hätte ihm gefallen. Aber die Finanzierung ist ein Problem. Und auch für ein Studium fehlt seinen Eltern das Geld. Fritz Grünzweig kommt aus einer Familie mit einer kleinen Landwirtschaft in Bissingen bei Kirchheim/Teck. Dort kommt er am 5. November 1914 zur Welt. Mit seinen Eltern besucht er die Stunden der Altpietistischen Gemeinschaft, später den örtlichen CVJM-Kreis. Er hält Kindergottesdienst und Jugendstunden. Grünzweig besucht das Gymnasium bis zur zehnten Klasse. Danach macht er eine Ausbildung zum Notar.

1939 wird Fritz Grünzweig eingezogen. Er überlebt den Krieg, wenn auch verwundet, und kehrt zunächst in sein Elternhaus zurück. Er ist weiterhin aktiv in seiner Gemeinde. Da Pfarrermangel herrscht, bietet die Württembergische Landeskirche erfahrenen Mitarbeitern eine zweijährige Kurzausbildung zum Pfarrer an. Fritz Grünzweig sieht das als einen Ruf von Gott, verschiebt die schon geplante Hochzeit und beginnt mit der Ausbildung.

1948 tritt Fritz Grünzweig eine Stelle in der Brüdergemeinde Korntal an, einer pietistisch geprägten selbstständigen Gemeinde in Kooperation mit der Württembergischen Landeskirche. Über seinen Dienst in Korntal erzählt Fritz Grünzweig in einem Interview: „Es ging also dann schnell in die Aufgabe hinein. Ich war dann zweiter Pfarrer hier. Und wie der Pfarrer, dem ich zunächst zur Hilfe gegeben wurde, Leiter des Pastoralkollegs der Württembergischen Landeskirche wurde, Kirchenrat Geißer, bin ich dann nachdem hier sein Nachfolger gewesen, und bin dann da die ganze Zeit bis zum 65. Lebensjahr geblieben auf Bitten der Brüder – ich wäre gern auch woanders hingegangen, hatte auch immer wieder einmal einen Ruf. Umgekehrt habe ich dann viele hierher geholt zu Diensten, so dass also nicht die Leute in der Lage waren, unablässig den Gleichen hören zu müssen.“

Von 1963 an arbeitet Grünzweig im Leitungskreis der Ludwig-Hofacker-Vereinigung. Sie versteht sich als ein Sammelbecken der württembergischen Pietisten unterschiedlicher Prägung. Von 1965 bis 1979 leitet Fritz Grünzweig die Ludwig-Hofacker-Vereinigung. Rolf Scheffbuch, lange Jahre zweiter Vorsitzender und später Grünzweigs Nachfolger, beschreibt die Herausforderungen der Zeit:

„Die Bultmann’sche Theologie hat gesagt, wir müssen die Bibel symbolisch-mythologisch verstehen, und da haben die Württembergischen Pietisten eine Eingabe gemacht, und sind auf großen Widerstand in der Pfarrerschaft gestoßen. Daraufhin wurde die Ludwig-Hofacker-Vereinigung ins Leben gerufen. Fritz Grünzweig wurde in den Verantwortungskreis schon 1963 berufen, aber ab '65 hat er die Leitung übertragen bekommen und hat gesagt: „Wir dürfen nicht nur defensiv sein.“ Er hat immer das schöne Bild gebraucht: Wenn man einen Zaun zieht, damit die Hühner des Nachbarn nicht in den eigenen Garten hereinkommen, damit wächst noch kein Gemüse und Salat im Garten. Da muss ich hacken, pflanzen, Samen in den Boden bringen. Und so wollte er die Ludwig-Hofacker-Vereinigung verstehen – nicht nur Abwehr der falschen Lehren, sondern selber dafür sorgen, dass das Wort Gottes unter die Leute kommt.“

Der Wirkungskreis von Fritz Grünzweig geht weit über Württemberg hinaus. Er übernimmt Predigtdienste in ganz Deutschland und hat auch Kontakte in der ehemaligen DDR. Neben all seinen Aufgaben schreibt Fritz Grünzweig Aufsätze und Bücher. Er verfasst Bibelkommentare, Predigten, Lexikonartikel und über hundert Beiträge für den Evangeliums-Rundfunk. Sein Arbeitspensum ist enorm. Auch nach seiner Pensionierung ist er nicht untätig. 1980 übernimmt er für sechs Jahre den Vorsitz der Konferenz Bekennender Gemeinschaften. Und immer geht es ihm darum, zu vermitteln zwischen Menschen unterschiedlicher Überzeugungen. Noch einmal Prälat im Ruhestand Rolf Scheffbuch:

„Er war ein ganz demütiger Mann. Er hat immer gesagt: „Ich habe gar nicht die Gabe der Leitung, ich möchte mich als Mörtel verstehen zwischen den Steinen, um zusammenzuhalten, was zusammengehört.“ Aber er hat natürlich eine ganz große Gabe der Leitung gehabt. Und zwar weil ihm – etwa in der Synode habe ich ihn erlebt – auch die Leute der Offenen Kirche, die sehr kritischen liberalen Leute, abgenommen haben, dass bei Fritz Grünzweig ganz ehrlich gemeint ist, dass das nicht irgendwie ein pietistischer Machtanspruch ist, sondern dass das von Herzen kam und dass er um Menschen geworben hat, um ihre Überzeugung.“

Am 24. November 1989 stirbt Fritz Grünzweig in Korntal im Alter von 75 Jahren.

[Sprecherin: Angelika Fries]
 


Link(s):

Autor:
Gunhild Franz

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