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Magazin ANTENNE

ANTENNE Januar/Februar 2010

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Gedenktag der Woche zur 35. Kalenderwoche 2005



Der Urwalddoktor von Lambarene

Zum 40. Todestag von Albert Schweitzer

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Albert Schweitzer, der Urwalddoktor von Lambarene: Die letzten Fotos von ihm aus den 60er Jahren zeigen einen weißhaarigen alten Mann mit kräftigem Schnauzbart, mal mit, mal ohne Tropenhelm. Noch mit 90 Jahren, bis zu seinem Lebensende, hat er als Arzt in dem von ihm gegründeten Krankenhaus im westafrikanischen Gabun mitgearbeitet.

Geboren wird Albert Schweitzer 1875 im Elsass, in der Nähe von Colmar. Er studiert Theologie und Philosophie. Nebenher nimmt er Orgelunterricht, der ihm von einem wohlhabenden Onkel finanziert wird. Bereits im Alter von 21 Jahren fasst Albert den Entschluss, nach seinem 30. Lebensjahr einen Beruf zu ergreifen, mit dem er anderen Menschen dienen kann. Doch bis dahin widmet er sich seiner akademischen Laufbahn. Er wird Doktor der Philosophie und der Theologie und beginnt in Straßburg mit der praktischen Ausbildung zum Pfarrer.

Mit seinem Herzen vertraut Albert Schweitzer auf seinen Herrn Jesus Christus. Doch sein Verstand zieht manches, was in der Bibel steht, in Zweifel. Die Jungfrauengeburt oder die Auferstehung von den Toten kann es seiner Meinung nach nicht geben, weil biologisch unmöglich. Und die Physik verbietet es, auf dem Wasser zu gehen oder einen Sturm zu stillen. Niemand dürfe die Christen dazu verpflichten, "alle von Jesus berichteten Wunder als Tatsachen anzuerkennen", schreibt Albert Schweitzer. Das sei nur eine "schwere und unnötige Bürde". Andererseits aber stellt er fest: "Wir glauben an Jesum ... um seiner Person, um seines Evangeliums und um seines Erlösungstodes willen." Albert Schweitzer hat sich also die Bibel und den Gott der Bibel ein Stück weit zurechtgestutzt. Doch wie heißt es so schön: Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade. Im Leben von Albert Schweitzer hat er es offensichtlich getan.

Im Herbst 1904 bewirbt er sich als Missionar, doch die Missionsgesellschaft zögert wegen seiner liberalen Haltung in manchen theologischen Fragen. Deshalb beginnt er noch einmal zu studieren. Diesmal Medizin. Wenn nicht als Missionar, dann will er wenigstens als Arzt in die Mission gehen. Das Ganze kostet ihn eine ungeheure Anstrengung. Sonntags predigt er in der Kirche, werktags besucht er medizinische Vorlesungen, schreibt nebenbei Bücher über Johann Sebastian Bach und über Orgelbau und gibt auch noch Konzerte. Aber er schafft es und bekommt seinen dritten Doktortitel! Er sammelt Geld für die Ausstattung eines Krankenhauses, kauft Medikamente, medizinische Geräte und reist im März 1913 zusammen mit der Krankenschwester Helene, die er ein Jahr zuvor geheiratet hatte, nach Afrika aus.

Bereits nach ein paar Monaten gibt es die ersten Baracken mit Betten für vierzig Patienten. Malaria, Lepra, Schlafkrankheit, Hautgeschwüre, Knochenbrüche - es gibt immer etwas zu tun. 1914 bricht der Erste Weltkrieg aus. Gabun ist eine französische Kolonie, Helene und Albert Schweitzer jedoch sind deutsche Staatsangehörige. Deshalb kehren sie 1917 nach Europa zurück, reisen 1924 jedoch erneut nach Lambarene. In den nächsten 35 Jahren gibt es noch viele solcher Reisen. Albert Schweitzer nutzt sie, um Geld für die Erweiterung des Urwaldkrankenhauses zu sammeln. Unter anderem gibt er Orgelkonzerte und macht Schallplattenaufnahmen. Seine Frau Helene muss er zeitweise in Europa zurücklassen, aus gesundheitlichen Gründen.

Als Theologe meinte Albert Schweitzer, ohne Wunder und ohne Auferstehungshoffnung auskommen zu müssen. Dabei hat er in seinem eigenen Leben wahre Wunder erlebt und auch selbst vollbracht. Todkranke Menschen wurden durch seine Hilfe wieder gesund. Im Rückblick schreibt Albert Schweitzer: Jesus ist "aufgegangen über der Welt wie ein sanftes, stilles Licht, und in diesem Lichte wandeln, für ihn kämpfen, für ihn arbeiten, ist es nicht Seligkeit genug - und Kraft zum Leben?"

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Autor:
Kai-Uwe Woytschak

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